Ein geniales, aber verblendetes Schachtalent

Klaus Junge

* 1.1.1924 + 17.4.1945
von Frank Mayer, Sitges (Barcelona)

Ein Einblick in seine Geschichte:

Grossmeister-Turnier 1942

Gösta Stoltz – Klaus Junge

Vorspann:
Klaus Junge wurde zu dem internationalen Turnier in Prag 1942 eingeladen als Ersatz für den Ausfall des Ex-Weltmeisters Dr. Max Euwe.
Als Klaus Junge vor dem letzten Spieltag einen Punkt vor dem gesamten Teilnehmerfeld lag, schaffte es Alexander Aljechin jedoch, ihn noch einzuholen und mit ihm den ersten Platz zu teilen.
Sein Leben:

 
Klaus Junge wurde 1924 in Concepción (Chile) geboren und starb bei Welle (Lüneburger Heide) kurz vor Kriegsende 1945.
Als er geboren wurde, befand sich Deutschland in einer fürchterlichen wirtschaftlichen Depression wegen des verlorenen 1. Weltkrieges.
Die Geschichtsforscher erklären, dass die fast unerträglichen Sanktionen und Strafmassnahmen der Siegermächte einer der Gründe dafür waren, dass sich die deutschen Bürger der neuen national-sozialistischen Bewegung zuwandten, weil sie sich dadurch eine Besserung ihrer Lebenslage versprachen.

Bekanntermassen entwickelte sich diese Bewegung zu der späteren Hitler-Diktatur, die das deutsche Volk und eigentlich die ganze Welt in ein noch grösseres Unglück stürzte.

Es hat den Anschein, dass Klaus Junge

von diesem politischen Gedankengut verbunden mit der Philosophie einer überragenden germanischen Rasse derart gefesselt wurde, dass dieser junge und aufstrebende Mann vollkommen in dessen Bann geschlagen wurde.

Das Schachtalent Klaus Junge lernte das Schachspiel durch seinen Vater Otto Junge, der ebenfalls ein herausragender Spieler war.
Schon im Jahre 1939 spielte er neben seinem Vater am 8. Brett des Hamburger Schachklubs, der den 3. Platz bei der damaligen Deutschen Vereinsmeisterschaft erzielte.

Bereits 1941 wurde Klaus Junge Stadtmeister von Hamburg, wobei er alle seine 9 Partien gewann!
Im selben Jahre teilte er sich den 1. Platz mit dem bekannten Schachmeister Paul Schmidt anlässlich der grossdeutschen Turniers in Bad Oeynhausen, allerdings verlor er den notwendigen Stichkampf.

1942 spielte Junge in mehreren Turnieren. Zunächst wurde er erneut Hamburger Meister mit 8,5 Punkten aus 9 Partien. 

Bei der Europameisterschaft vom 14. bis 26. September 1942 in München belegte er Platz 7. Bei einem Turnier in Warschau, Lublin und Krakau im Oktober kam Junge hinter Aljechin auf Platz 2, noch vor Efim Bogoljubow. Im November/Dezember belegte Junge bei einem Turnier in Leipzig mit 5,5 Punkten aus 7 Partien den zweiten Platz hinter Walter Niephaus. Sein größter Erfolg war der mit Aljechin geteilte erste Platz beim Turnier in Prag , das vom 5. bis 16. Dezember stattfand. Junge führte nach der 10. Runde mit 8,5 Punkten (7 Siege, 3 Remis), verlor in der letzten Runde aber gegen Aljechin, der dadurch noch gleichziehen konnte.

Im selben Jahre beteiligte er sich an dem Internationalen Turnier von Salzburg, wobei er den amtierenden Weltmeiter
Dr. Alexander Aljechin in einer Partie schlagen konnte, die nachfolgend aufgezeichnet wird. Jedoch verlor er die Rückpartie.
Letztlich teilte er sich den 3. bzw. 4 Platz mit Paul Schmidt:

Aljechin, Alexander – Junge, Klaus
Salzburg 1942

1.d4 d5 2.c4 e6 3.Cc3 c6 4.e4 dxe4 5.Cxe4 Ab4+ 6.Cc3 c5 7.Ae3 Da5 8.Cge2 cxd4 9.Axd4 Cf6 10.a3 Ae7 11.Cg3 Cc6 12.b4 Dc7 13.Ae3 0–0 14.Ae2 b6 15.0–0 Ab7 16.Cb5 Db8 17.Dc1 a6 18.Cc3 Dc7 19.Ca4 Cd7 20.Td1 Cce5 21.f3 a5 22.Db2 axb4 23.axb4 Af6 24.Db3 b5 25.cxb5 Ad5 26.Txd5 exd5 27.Tc1 Cc4 28.Axc4 dxc4 29.Txc4 De5 30.Cc5 Cb6 31.Tc1 Cd5 32.Cge4 Cxe3 33.Dxe3 Ta1 34.Tf1 Td8 35.Cxf6+ Dxf6 36.b6 Txf1+ 37.Rxf1 Dxb6 38.De4 Db5+ 39.Rf2 Te8 40.Dd4 Db6 41.Cb3 Tb8 42.Dxb6 Txb6 43.g4 Txb4 44.Cc5 f6 45.Rg3 Rf7 46.Cd3 Td4 47.Cf4 Tc4 48.h4 Tc5 49.Ch5 g6 50.Cf4 Re7 51.h5 g5 52.Ce2 Tc4 53.Rf2 Re6 54.Cg3 Re5 55.Cf5 Rf4 56.Ce3 Tc5 57.Cg2+ Re5 58.Ce3 Rd4 59.Cd1 Tc1 60.Ce3 Tc5 61.Cd1 Rd3 62.Ce3 Te5 63.Cf1 Te2+ 64.Rg1 Ta2 65.h6 Re2 66.Rg2 Tb2 67.Cg3+ Re3+ 68.Rh3 Rxf3 69.Ch5 Tb6 0–1

Endstellung

Siehe Partie:

Aljechin sah in Klaus Junge mit seinen 18 Jahren seinen logischen Nachfolger auf dem Weltmeisterschafts-Thron. Allerdings ist diese Aussage relativ, da Aljechin sich meistens zu Gunsten des Nazi-Regimes äusserte.
Junge erreichte im September 1942 eine historische Elozahl von 2.661 Punkten.

von links nach rechts: 1939

Reichstrainer Willi Schlage, Kart Krbavic (17), Edith Keller (17)
Klaus Junge (15), Wolfgang Unzicker (14) und Rudolf Kunath (15)

Foto veröffentlicht von chessbase.com

Auch begann er 1942 zwei Fernturniere, wobei er unter anderem gegen Rudolf Teschner gewann. Mehrere Partien konnten wegen der veränderten Kriegslage von den Spielern nicht zu Ende geführt werden und mussten daher abgeschätzt werden.

Als er als Wehrmachtsangehöriger zur Verteidigung im Bereich vor der Stadt Hamburg noch im April 1945 eingesetzt war, hören wir damalige Zeitzeugen wie folgt:

„Leutnanant Klaus J. hatte dort {bei Welle in der Lüneburger Heide} ungefähr ein Dutzend Versprengter gesammelt.

Unter diesen waren auch Marienartilleristen, die noch am Vortag in Schneverdingen gekämpft hatten.

Die Zivilbevölkerung hatte den Soldaten von der reichlich vorhandenen Milch angeboten und den Ort verlassen.

Von Leutnant J. hatte sie den Eindruck, als ob er den Krieg noch gewinnen wolle.

Als die ersten britischen Panzer nach Welle hereinrollten, wurden sie mit Panzerfäusten beschossen.

Kurz darauf standen die Schmiede und ein Haus in der Moorstrass in Flammen.

Leutnant J. und zwei weitere Soldaten fielen.

Alle drei wurder später zusammen mit fünf Opfern der Luftangriffe auf dem Weller Friedhof beigesetzt.“

(Angaben lt. Militärforum)

Die erfahrenen Schachanalytiker sind sich einig, dass Klaus Junge neben Dr. Robert Hübner und Wolfgang Unzicker das grösste deutsche Schachtalent des 20. Jahrhundert war.

Innerhalb des Damengambites hatte Klaus Junge eine Variante erarbeitet, die er zum ersten Mal erfolgreich gegen Rudolf Palme 1942 in Bad Elster anwandte:

1. d4 d5 2. c4 e6 3. Sc3 c6 4. Sf3 Sf6 5. Lg5 dxc4 6. e4 b5…..,
die sofort zu starken technischen Komplikationen führt.

Diese Variante wurde später von Mikhail Botvínnik aufgenommen und weiter entwickelt.
Siehe Diagramm:

Im Jahre 1956 erschien ein Buch von Edmund Budrich und Dietmar Schulte mit der Wiedergabe der Junge-Partien und dem Titel

“Das war Klaus Junge”
 
(siehe oben)

Trotz der absoluten Neigung zu dem national-sozialistischem System, sollten wir vorrangig sein ausserordentliches Schachtalent bewundern und vermeiden, Politik mit Sport zu vermischen.

Quelle: Wikipedia.org

im März 2009/August 2010

2 Gedanken zu „Ein geniales, aber verblendetes Schachtalent

  1. charlie

    deseo comprar el libro Das war Klaus Junge muy buena pagina, se agradece informacion. saludos desde uruguay.

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