Grosse Spieler der Schachgeschichte

                     PAOLO BOI

                                                     (* 1528 + 1598)

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von David Pérez – übersetzt und illustriert von

 

Frank Mayer, Barcelona

Text:

Louis C. Mahé de la Labourdonnais (1795-1840)

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bezeichnete ihn als

“den grössten Schachspieler des 16. Jahrhunderts, Dichter, Soldat und Seefahrer, eine äusserst interessante Persönlichkeit mit einem bewegten Leben, eine der fast vollkommenen Existenzen einer glücklichen und mächtigen Gesellschaft; Junggeselle von tadellosem Benehmen, sehr gut gekleidet, stattlichem Aussehen mit schlohweissem Haar, launenhaft und einzigartig, grosszügig und liberal, vielsagend und umgänglich….”

Paolo Boi, bekannt durch seinen Beinamen “Der Mann aus Syrakus”, wurde – wie es sein guter Ruf schon verrät – in Syrakus (Sizilien)

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Altstadt von Syrakus

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im Jahre 1528 im Kreise einer reichen Familie geboren und hatte den grossen Vorteil, im Gegensatz zu vielen Mitbürgern, eine hervorragende Erziehung zu geniessen. Schon recht früh fiel er als herausragender Schachspieler auf mit der besonderen Fähigkeit, mehrere Partien gleichzeitig blind zu spielen. Ebenso überzeugte er durch sein schnelles Spiel und die Kunst der Kombination. Während eines Aufenthaltes in Neapel hatte er die Gelegenheit, sich mit dem damaligen inoffiziellen Weltmeister

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Leonardo Giovanni Da Cutri

zu messen, wobei die Partie remis ausging.

Als treuer Anhänger des damaligen “romantischen” Schachstiles reiste er durch ganz Europa, wobei er jeweils von dem angesehenen Bürgertum gefördert wurde. Der Herzog von Urbino stellte ihn sogar einige Jahre zu einem fürstlichen Gehalt in seine Dienste. Ausserdem genoss er das Wohlhaben des Papstes Pius V,

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gemalt von El Greco (im Privatbesitz)

der ihn ebenfalls unterstützte;

allerdings unter der Voraussetzung, dass Paolo Boi sich unter die Obhut der Kirche stellte.

Paolo Boi wurde als der inoffizielle Weltmeister in den Jahren 1587 bis 1598 angesehen.

Das kritischste Stadium in seiner Schachlaufbahn war jedoch das Jahr 1575, als er nach Madrid reiste, um an dem wohl ersten internationalen Turnier der Schachgeschichte teilzunehmen, das von König Felipe II veranstaltet wurde.

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Dort trafen die besten Spieler der damaligen westlichen Welt aufeinander wie sein Landsmann Giovanni Leonardo di Bona, Alfonso Cerón de Granada und Ruy López

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Das Turnier gewann jedoch sein Landsmann Leonardo, der als Siegesprämie eine erhebliche Geldsumme aus der Staatskasse erhielt. Kurze Zeit danach gelang es Paolo Boi aber, auch Ruy López und Alfonso Cerón zu besiegen. Als Belohnung übertrug ihm König Felipe II einen offiziellen Posten in Sizilien mit einem Jahresgehalt von 500 Kronen. Ausserdem wurde ihm ein Empfehlungsschreiben mitgegeben für Johannes von Österreich, dem Bruder von Felipe II. Eine endgültige Bestätigung seines hohen Spielvermögens erfolgte nach seinem Auftritt in Portugal, wo er sich mit den besten Spielern des Landes traf und alle besiegte;

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einschliesslich König Don Sebastian I:

In seinem Todesjahr wurde er jedoch vernichtend von einem jungen Spieler namens Alessandro Salvio Napolitano (nachstehend die Abbildung seines Buches)

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geschlagen.

Das Alter hatte seinen Tribut gefordert. Paolo Boi starb letztlich im Jahre 1598 in Neapel. Allerdings weiss man bis heute nicht, wo seine sterblichen Überreste ruhen. Anderseits sprechen die Geschichtsforscher von einem Begräbnis, das eines Prinzen aus königlichem Haus würdig war. Während seiner Schachlaufbahn soll er rund 300.000 Escudos

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verdient haben; eine für damalige Verhältnisse enorme Summe.

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Die Legende von Paolo Boi

Wie eine alte Legende erzählt, setzte sich Paolo Boi gelegentlich mit einer jungen Dame zusammen, um einige Partien Schach zu spielen. Aber es passierte immer öfters, dass er verlor.

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Gemalt von E. Reginald Frampton

Sofort kam Paolo die Eingebung, dass diese hübsche Dame nichts anderes als der Teufel.

        in Person sein musste. Verzweifelt vertiefte sich Paolo ins Gebet, um göttlichen Beistand zu erbitten, den er so notwendig hatte, um nachstehendes Matt abzuwehren und einen wunderbaren Verteigungsplan in Gang zu setzen.

Die Partie wurde wie folgt fortgesetzt:

1. Txg7+ Kf6 2. Dxc6+ Txc6 3. Txc6 Dd6 4. Txd6 cxd6 5. Sc7 d5 6. Scxd5+ Ke6

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In dieser Stellung konnte der Teufel nicht mit dem 7. Zug: Te7++ matt geben (wie abgebildet)

und gab resigniert auf, da er erkannte, dass sich, wenn er den Gegner matt setzen würde, die auf dem Brett befindlichen Figuren ein perfektes Kreuz in voller Harmonie darstellen würden:

Das Siegessymbol des Guten über das Böse.

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Aber, was wäre geschehen, wenn der Teufel das Fritz-Programm benutzt hätte? Nun, wenn die hübsche Dame in Gestalt des Teufels das Fritz-Modul irgendeines Computers unserer Zeit benutzt hätte, wäre es ihr gelungen, eine kleine “Schlacht” gegen den höchstpersönlichen Schachgott zu gewinnen. Schauen wir noch einmal auf die Ausgangsstellung zurück:

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Nach einer längeren Analyse hätte sie festgestellt, dass sogar verschiedene Mattvarianten in 6 Zügen möglich sind: 1. Txg7 Kf6 2. Dxa3 Td6 (u.a.) 3. Dxe3 Td2+ 4. Dxd2 Txc2 5. Txc2 Ke6 6. Dh6++ mit folgender Endstellung:

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Es kann natürlich sein, dass der Teufel angesichts der heutigen Technik schon damals vor Schreck tödlich umgefallen wäre!

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P.S. Ein weiterer berühmter Sohn der Stadt Syrakus war der Mathematiker, Physiker, Ingenieur und Erfinder Archimedes (* 287 v. Chr. + 212 v. Chr.) griechischen Ursprunges:

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Barcelona, Januar 2009

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