Napoleón Bonaparte und das Schach

 
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* 15.8.1769 + 5.5.1821

Das Café de la Régence in Paris war seit Beginn des 18. Jahrhunderts der  Treffpunkt von Politikern und Schriftstellern.
Diese glücklichen Sterblichen pflegten bis weit in die Morgenstunden zu schlafen, so dass es ihnen erst möglich war, ab nachmittags sich dort sehen zu lassen, um auch gesehen zu werden.

Das Café de la Régence öffnete seine Türen bereits um 8 Uhr morgens. Die ersten Besucher waren die leidenschaftlichen Spieler, die die Säle füllten. Dort sah man sie Karten, Billard, Dame und Domino spielen. Und auch Schach.


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Gegen Mittag waren sämtliche Tische des Cafés besetzt.
Die schwitzenden Kellner konnten sich kaum einen Weg bahnen durch die vielen Gäste, umhüllt von Tabakrauch und intensiven Parfümgerüchen.

Jahrzehntelang war es “Pflicht”, sich dort sehen zu lassen, um die Pariser Gesellschaft zu treffen.
Voltaire, Rousseau, Diderot, Robespierre, Napoleón  
(ein begeisterter Schachspieler, aber ziemlich unbedarft und mit schlechten Umgangsformen),
Benjamín Franklin, verschiedene Regierungsmitglieder und Herrschaften der oberen Gesellschaftsschicht präsentierten sich, um “dabei zu sein”.

Nachstehend stellen wir Ihnen zwei Partien von und eine Komposition über Napoleón Bonaparte1. Napoleón gegen Madame de Rémusat, 1804

 vor:

Napoleón Bonaparte – Madame de Rémusat
Schloss von Malmaison, París, 1804

1.Sc3 e5 2.Sf3 d6 3.e4 f5 4.h3 fxe4 5.Sxe4 Sc6 6.Sfg5 d5 7.Dh5+ g6 8.Df3 Sh6 9.Sf6+ Ke7 10.Sxd5+ Kd6 11.Se4+ Kxd5 12.Lc4+ Kxc4 13.Db3+ Kd4 14.Dd3# 1-0

Napoleón Bonaparte und Madame de Rémusat

Château de Malmaison, París, in der Gegenwart

Josefine de Beauharnais, Gattin von Napoleón Bonaparte, erwarb dieses Schloss de Malmaison im Jahre 1799.

SIEHE PARTIE:

2. Napoleón Bonaparte gegen General Bertrand 1818

Napoleón Bonaparte – General Bertrand
Insel Santa Helena, 1818

Napoleón Bonaparte und General Bertrand
1.Sf3 Sc6 2.e4 e5 3.d4 Sxd4 4.Sxd4 exd4 5.Lc4 Lc5 6.c3 De7 7.0-0 De5 8.f4 dxc3+ 9.Kh1 cxb2 10.Lxf7+ Kd8 11.fxe5 bxa1D 12.Lxg8 Le7 13.Db3 a5 14.Tf8+ Lxf8 15.Lg5+ Le7 16.Lxe7+ Kxe7 17.Df7+ Kd8 18.Df8# 1-0

Santa Helena war die Insel der Verbannung seit 1815 bis zu seinem Ableben 1821 auf der Farm von Longwood, in der Nähe von Jamestown.


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Die Vulkaninsel Santa Helena in der Gegenwart

Santa Helena ist eine einsame Insel in Mitten des Südatlantiks, ungefähr 2.000 km westlich von Angola, Afrika.

SIEHE PARTIE:

3. Die berühmte Komposition von Alexander Petroff (1794-1867)

Napoleón flieht von Moskau nach Paris!
• Welthistorische Berühmtheit erlangte der Fluss durch die Schlacht an der Beresina, dem dramatischen Rückzug der Grande Armée unter Napoléon I. vor den Truppen des Zaren Alexander I. über die Beresina vom 26. bis 28. November 1812.

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Nun die Komposition con Alexander Petroff:

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Das Feld “b1” stellt Moskau dar und das Feld “h8” Paris;
die Diagonale “h1”-a8” den Fluss Beresina; der schwarze König war Napoleón und die weissen Springer die Reiterei des russischen Zaren Alexander I, die wie folgt in Aktion treten:

1. Sd2+ Ka2 2. Sc3+ Ka3 3. Sdb1+ Kb4 4. Sa2+ Kb5 5. Sbc3+ Ka6

      6. Sb4+

Hier kann weiss mit 6. Da8 # mattgeben; so wollte auch Petroff die Meinung der militärischen Geschichtsforscher ausdrücken, dass man die napoleonische Streitmacht beim Überqueren des Flusses Beresina schlagen konnte, d.h. über die Diagonale “h1-a8”.
6…Ka7 7. Sb5+ Kb8 8. Sa6+ Kc8 9. Sa7+ Kd7 10. Sb8+ Ke7 11. Sc8+ Kf8 12. Sd7+ Kg8 13. Se7+ Kh8 14. Kg2# !
Russland gibt Napoleón matt in Paris, also auf dem Feld “h8”!

 

SIEHE PARTIE:

Und wie es in der politischen Geschichte Frankreichs üblich war, kamen die noch so verschmähten Herrscher nach ihrem Tod wieder zu Ehren:


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Sarkophag Napoleón Bonaparte I.
in der Krypta des Invalidendomes, Paris, seit 1861
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Eine Zusammenarbeit zwischen Richard Guerrero und Frank Mayer.

Quelle: die beiden Partien von Napoleón: Chessbase, Hamburg

Quelle: Anwesenheit Napoléon Bonaparte im Café de la Régence siehe u.a. KARL 4/2006

Sitges (Barcelona), im Mai 2009da vinci code dvdrip download

2 Gedanken zu „Napoleón Bonaparte und das Schach

  1. Ralf Mulde

    In der Literatur, die mir bekannt ist, wird hervorgehoben, dass es keine einzige klar nachweisbare Partie von Napoléon Bonaparte gebe. Es handelt sich bei diesen (vermutlich lediglich komponierten) Partien also wohl um Versuche, das Genie des korsischen Generals in noch hellerem Lichte glänzen zu lassen.

    Erst recht ist schwer vorstellbar, dass Napoléon in irgendeinem Pariser Café zu Gast gewesen sein soll, geschweige denn, dass es des öfteren geschah; in welchem Abschnitt seines Lebens soll das gewesen sein?

    Als General und „Kaiser“ – unmöglich. Als kleiner Soldat resp. Offiziersanwärter – ebenfalls nicht, da war er nämlich fern von Paris, wie übrigens die allermeiste Zeit seines Lebens [Orieux etc. als Napoleon-Biographen wären nachzuschlagen].

    Es wäre gut, wenn Sie (nicht nur) hier einige Quellennachweise mit einbrächten, um Ihre historischen Betrachtungen nachvollziehbar zu machen. Historische Wissenschaft lebt nun mal nur zum kleinen Teil von der einfühlenden Folgerung der Autoren, viel mehr aber von der Nachprüfbarkeit anhand zu benennender Quellen.

    Mit freundlichem Gruß, Ralf Mulde, Bremen.

  2. Frank Mayer Beitragsautor

    Antwort:
    ———–
    Quelle: die beiden Partien von Napoleón: Chessbase, Hamburg

    Quelle: Anwesenheit Napoléon Bonaparte im Café de la Régence siehe u.a. KARL 4/2006
    Evtl. Reklamationen bitte nach Hamburg oder Frankfurt am Main richten.
    Mit schachlichem Gruss
    Frank Mayer

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