Archiv für den Monat: Juni 2009

Korrektur einer ehemaligen Studie des IM Dr. Alois Wotawa

von NM Hebert Pérez García aus Holland:

Der Internationale Meister der Schachkompositionen
Dr. Alois Wotowa, wurde am 12.6.1896 in Wien geboren und starb auch am 12.4.1970 in seiner Heimatstadt.
Im Laufe seiner Schachkarriere erarbeitete er mehr als 350 Schachkompositionen, worunter sich auch Problemstudien befanden.

Seine Werke hatten immer ein breite öffentliche Anerkennung.
Die zahlreichen Publikationen bestätigten seine Beliebtheit und die Qualität seiner Schöpfungen.

Irren ist menschlich!

Vor kurzem habe ich mir eine bekannte Studie von Alois Wotawa aus dem Jahre 1941 noch einmal genauer angesehen.
Überraschenderweise fand ich einen groben Fehler, der die Bewertung und das gewünschte Ergebnis der Komposition radikal verändern.
Hiermit biete ich den geneigten Lesern meine diesbezügliche
Analyse.

Es ist recht seltsam, dass keine Richtigstellung bisher erfolgt ist, obwohl ich mehrere Quellen befragte.
Die gelegentlichen Analytiker wurden sicher “Opfer” einem unerwarteten optischen Automatismus.
Sogar die ehemalige Weltmeisterin Nona Gaprindashvili analysierte die Stellung für ein Buch ihrer bekannten Landsmännin G.A. Nadareishbili in 1982 und entdeckte den Fehler nicht.
Die bekannte Datenbank des Holländers Harold van der Heijden wiederholt die fehlerhafte Analyse des Urhebers.

Alois Wotawa Studie 1941

Gemäss des Urhebers zieht Weiss an und erzielt remis.

Wir sind nicht mit dieser Behauptung einverstanden, denn für unsere Begriffe hat Schwarz einen gewinnbringenden Vorteil.

Die Analyse von MN Hebert Pérez García
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Sehen wir uns doch einmal die Tatsachen an:

1. Tb5+! (ein wichtiges Zwischenschach.) Ka8 (wenn 1..Kc7 2. Tg5=)

2. Tg5 [2.Tb1? Th6+ (2…Txh5? 3.Tb8+ Kxb8) 3.Ka5 Txh5+ 4.Kb4 Th1 und gewinnt]

2…Th6+ 3.Ra5 (Eine andere mögliche Variante):
3. Kb5 Txh5 4.Ka6 Th6+ 5.Ka5 Th2 6.Tg7 Kb8 7.Ka6 Th6+ 8.Kb5 Tb6+ 9.Ka4 Tb2 10.Ka3 Tf2 11.Kb4 Kc8 12.Kb3 Kd8 13.Kc3 Ke8 14.Kc4 Kf8 15.Tg5 Kf7 16.Kc3 Kf6 17.Tg3 a5 18.Tg8 Kf5 19.Kb3 Ke4 20.Ka3 Ke3 und Schwarz gewinnt.)

3…Txh5! 4.Ra6! (hier wird eine Pattstellung angestrebt)

4.. Th6+ 5.Ra5 Th2 6.Tg7 Rb8

7. Ka6 .. (Hier gab Wotawa nur an: 7..Kc8? 8. Kxa7 Th7 9.Ka8 Th2
10.Ka7 =)

Wenn Schwarz das Schach auf h7 nicht wiederholt, unternimmt der weisse König seinen Weg, um den Bauern auf “f2” zu schlagen. Die Folge ist ein Remis.

7..Th6+!

(Die Korrektur von HPG: Das ist meine gewinnbringende Lösung!
Schwarz schafft eine Situation des Zugzwanges.)


(Um diese Position zu erreichen, muss nützlicherweise ein Tempo verloren gehen, um damit Weiss zum Ziehen zu zwingen.
Der gewinnbringende Plan für Schwarz besteht darin, seinen König zu dem Bauern g2 zu bringen, um ihn zu unterstützen.
Im Fall, dass der weisse König sich auch beeilt, nach dort zu kommen, ergibt sich ein unvermeidbares Vorangehen des Bauern auf a7, wobei dann das Spiel entschieden wird.)

8. Ka5… ( 8.Kb5 Tb6+ 9.Ka4 Tb2 10.Ka3 Te2 11.Kb4 Kc8 12.Kb5 Kd8 13.Tg3 Ke7 14.Kc4 a5 15.Tg8 Ke6 16.Tg5 Kf6 17.Tg8 Tf2 18.Kc3 Ke5 und gewinnt.)

8..Th5+! 9.Kb4

9. Ka6 Th2 10.Ka5 Kc8 11.Kb4 (oder wenn: 11.Ka6? Kd8 12.Kxa7 Th7 und Schwarz gewinnt.)

11.. Kd8 12.Kc5 Ke8 13.Kd4 a5! 14.Ke3 a4 15.Kf2 a3 16. Kg1 Th1+ 17.Kxg2 a2 17. Kxh1 a8=D+ und Schwarz gewinnt.)

10. Kb5 Kc8 11.Kc4 Kd8 12.Kd3 a5 13.Ke3 a4 14.Kf2 a3 15.Kg1 Th1+ 16.Kxg2 a2 17.Kxh1 a1D+ -+.)

9. ..Th2 10. Kc3 Kc8 11.Kd4 a5 12.Kc4 Kd8 13.Kb5 Ke8
14. Kxa5 Kf8 15.Tg4 Kf7 16.Tg3
(16.Ka4 Th4! und gewinnt!)
16…Rf6 und Schwarz gewinnt:

Endstellung

Es ist schon fast unglaublich, wie ein paar Zwischenschachs die Position grundsätzlich verändern.

Die Leser haben das Wort. Ihre Empfehlungen sind gern willkommen!

Sitges (Barcelona), Juni 2009