Das Mysterium Benjamin Markowitsch Blumenfeld

und/oder

Benjamín Markowitsch Blumenfeld * 24.8. 1884 + 5.3.1947

war ein russischer Schachmeister und –theoretiker.

Blumenfeld, ein in Moskau und Berlin universitär ausgebildeter Jurist, galt im Jahrzehnt vor dem Ersten Weltkrieg als einer der besten Moskauer Spieler.
Seinen grössten Erfolg feierte er beim 4. All-Russischen Meisterturnier 1905/1906 in Sankt Petersburg, als er gemeinsam mit Akiva Rubinstein Zweiter wurde.
1907 wurde er bei einen internationalen Turnier in Moskau ebenfalls geteilter Zweiter.
1911 erzielte er die Meisterschaft von Moskau und nahm nach der Oktoberrevolution an der ersten Meisterschaft 1920 des Sowjetstaates, der All-Russischen Olympiade, teil:
Er wurde Achter.
1925 teilte er Platz zwei und drei bei der Moskauer Meisterschaft.

Blumenfelds theoretisches Schaffen war eine der Grundlagen der Sowjetischen Schachschule.
Nach ihm ist das
Blumenfeld-Gambit benannt:
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

 

Das Blumenfeld-Gambit zählt zu den Geschlossenen Spielen und ist in den ECO-Codes unter dem Schlüssel E10 klassifiziert. Es geht aus der Indischen Verteidigung hervor.
Jede seiner Hauptvarianten beginnt mit den Zügen:
1. d2-d4 Sg8-f6 2. c2-c4 e7-e6 3. Sg1-f3 c7-c5 4. d4-d5 b7-b5

Nach langwierigen Recherchen sind wir leider nicht viel weitergekommen als zu den Angaben, die eigentlich schon bekannt sein dürften.
Weder war ein Bild von Blumenfeld noch ein Gruppenfoto von den Turnieren zu erhalten, an denen er teilnahm.

Ausserdem ist bis heute noch nicht aufgeklärt, warum das Blumenfeld-Gambit seinen Namen trägt.
Es wäre naheliegend gewesen, dass zumindest bei einer von den vielen aufgefundenen Blumenfeld-Partien dieses Gambit von ihm angewendet worden wäre.
Leider Fehlanzeige.

Um nun den geneigten Leser nicht noch weiter zu enttäuschen,
geben wir Ihnen nachstehend eine von Dr. Alexander Aljechin

copyright chesscorner.com

und dem katalanischen Meisterspieler Richard Guerrero

kommentierte Partie wieder, bei der wohl zum ersten Mal “offiziell” das Blumenfeld-Gambit vorgeführt und auch von Schwarz gewonnen wurde:

(9421) Tarrasch,Siegbert – Alekhine,Alexander [E10]
Bad Pistyan Bad Pistyan (1), 1922 (Quelle Chessbase)

Schönheitspreis

Partie mit Originalkommentaren von Alexander Aljechin und Notierungen von Richard Guerrero:

1. d4 Scf6 2. c4 e6 3. Sf3 c5
mit der Absicht, beim nächsten Zug das Blumenfeld-Gambit anzuwenden, das nach dem Moskauer Spitzenspieler benannt ist.
Nach dieser Partie wurde doch festgestellt, dass dieses Gambit für Schwarz nicht günstig ist, wenn es von Weiss abgelehnt wird. (Alexander Aljechin)

       4. d5 b5!?

Hier haben wir das Blumenfeld-Gegengambit. Die Absicht ist, das Zentrum von Weiss erheblich zu schwächen unter Hergabe eines schwarzen Bauern (Harry Golombek, Schach-Enzyclopädie).
5. dxe6

“Die Annahme des Gambites bewirkt für Schwarz eine sehr starke Position im Zentrum (Alexander Aljechin).
Der richtige Zug wäre Lg5! gewesen).
5….fxe6 6. cxb5 d5 7. e3 “Schwarz droht, seinen Bauern durch eine besseres Spiel bzw. mit Da5+ wiederzugewinnen.” (Aljechin)
7. …Ld6 8. Cc3 0-0 9. Le2 Lb7 10. b3 Sbd7 11. Lb2 De7
“Schwarz hat seine Entwicklung abgeschlossen und sieht mit einer perfekten Sicherheit den Vormarsch seines “e”-Bauern vor, wobei er noch mehr das Spiel von Weiss einengt, und sichert sich einen starken Angriff auf den weissen König.” (Aljechin)
12. 0-0 Tad8 “Schwarz kat keine Eile mit dem Vorschreiten des “e”-Bauern, weil Weiss keine Möglichkeit hat, irgendetwas zu unternehmen.” (Aljechin)
13. Dc2 e5 14. Tfe1

“Um das Feld “h2” zu verteidigen, wobei der Springer folgende Züge unternehmen muss: “f2” über “d2” nach “f1”.
Von nun ab verteidigt sich Weiss recht geschickt, aber sein Spiel leidet immer noch unter dem strategischen Fehler in der Eröffnung, wobei er das Zentrum für einen Bauern von mangelnder Qualität hergibt.” (Aljechin)
14….e4 15. Sd2 Se5 16. Sd1 Sfg4 17. Lxg4 “Dieser Figurentausch ist erzwungen, denn, wenn 17. Sf1 dann folgt 17…Sf3+!” (Aljechin)
17….Sxg4 18. Sf1 Dg5!

“Die richtige Fortsetzung des Angriffes. Weiss hat seine Felder “f2” und “h2” verteidigt, aber der Punkt “g2” ist noch verletzbar. Deswegen versucht Schwarz nun einen Doppelangriff gegen dieses Feld, wobei er seinen Springer nach “h4” über “h6” und ”f5” bringt.
Um dieser dieser Drohung entgegenzutreten, muss Weiss seinen Königsflügel schwächen, indem er “h3” spielt, so dass, wie wir nachher sehen, dem schwarzen “d”-Bauern das Voranschreiten erlaubt wird.” (Aljechin)
19. h3 Sh6 20. Kh1 Sf5 21. Sh2
“Es leuchtet ein, dass die letzten 3 Züge von Weiss die einzig möglichen waren, um den Punkt “g2” zu sichern mit “Tg1”. (Alejchin)
21….d4!

“Dieser Bauer verwandelt sich in ein neues und ausgezeichnetes Mittel, den Angriff fortzusetzen.” (Aljechin)
22. Lc1 d3 (Aljechin kommentierte hierzu augenblicklich nichts. Allerdings kann Schwarz die Partie schon mit 22…..Sg3+! 23. Kg1 (23. fxg3 Dxg3 mit schnellem Matt entscheiden)
23…d3 24. Dc4+ Ld5 25. Da4 Se2+ 26. Kh1 De5!
mit einem entscheidenden Doppelangriff auf “a1” und “h2”. (Richard Guerrero)
23. Dc4! Kh8 24. Lb2 Sg3+!

“Der Anfang des Schlussmanövers. Es ist klar, dass der Springer nicht genommen werden kann wegen 25…Dxg3, wobei dann das Matt erzwungen wird. Nach dem nächsten Zug von Schwarz könnte die Hergabe der Qualität mit 25…d2 gewonnen haben, aber ich zog es vor, die Partie mit einer erzwungenen Kombination abzuschliessen.” (Aljechin)
25. Kg1 Ld5 26. Da4 “Wenn 26. Dc3 oder 26. Dc1, folgt 26…Se2+, wobei leicht gewonnen wird.” (Aljechin)
26….Se2+ 27. Kh1 Tf7! “Es gab keinen Grund, das Spiel komplizierter zu gestalten mit dem Bauernopfer “a5” (Aljechin).
28. Da6 h5! “Wie man anschliessend sieht, war dieser Zug notwendig, um das Läuferopfer im 34. Zug vorzubereiten.” (Aljechin)
29. b6 Sg3+ [“Nicht 29….axb6 wegen 30. Txe2 dxe2 31. Dxe2, wobei Weiss gute Möglichkeiten zur Verteidigung gegeben werden”]
(Aljechin sieht hier nicht die starke Kombination 30….Ta8! 31. Db5 Ta5 32. De8+ Tf8, wobei klar gewonnen wird nach 33. Lxg7+ Kxg7! 34. Dd7+ Tf7 35. Dxd6 dxe2 36. Sc3 Txf2 37. g4 hxg4! 38. Sxd5 Txa2! 39. Te1 gxh3) (Richard Guerrero)
30. Kg1 axb6 31. Dxb6 d2!

“Jetzt ist der Vormarsch des “d”-Bauern absolut entscheidend.” (Aljechin)
32. Tf1 Sxf1 33. Sxf1 Le6 !! Nach diesem Zug kann Weiss sich nicht länger gegen das auf ihn zukommende Matt verteidigen.” (Aljechin)
34. Kh1 “gegen diesen schüchternen Zug gewinnt sofort das Läuferopfer auf den weissen Feldern.” (Aljechin)
[“Wenn Weiss versucht hätte, sein Feld “g2” zu verteidigen, wobei der dann 34. Dc6 zöge, gefolgt von 35. Dxe4, die Partie wäre dann wie folgt geendet: 34. ….Tf3! 35. Dxe4 Ld5 26. Da4 Dxg2+!! (ein brillantes Opfer) 37. Kxg2 Tg3+ 38. Kh2 Tg2+ 39. Kh1 Th2+ 40. Kg1Th1#”
(Aljechin)
Eine spektakuläre Mattkombination mit Damenopfer und drei Schachs in Folge. Schade, dass diese Kombination sich nicht auf dem Brett so enwickelte! (Richard Guerrero)
34. …Lxh3! 35. gxh3 Tf3 36. Sg3 h4!
“Das Ziel des Zuges 28…h5! wird somit bewiesen.” (Aljechin)

37. Lf6 “Einfaltsreich, aber mit der Folgerung zu scheitern, wie alle anderen Versuche.” (Aljechin)
37. …Dxf6 38. Sxe4 Txh3+

[“Weiss gibt auf, denn es würde folgen 38….Txh3+ 39. Kg1 (39. Kg2 Df3+ und matt im nächsten Zug) 39…Lh2+ und Schwarz nimmt die weisse Dame.” (Aljechin).

Eine herrliche Partie einer der besten Angriffspieler aller Zeiten!
(Richard Guerrero)]
0-1

Siehe Partie:

Wie schon einmal Herr Gerhard Josten behauptete:

“Schach ist voller Rätsel!”

Gemalt von Alan Boileau

erlauben wir uns zur Lösung des Blumenfeld-Rätsels eine Unterhaltung zwischen zwei Schachhistorikern wiederzugeben, die ihresgleichen sucht:

Gemalt von Minas Avetisian

Guillermo: “Ich glaube, Du liegst nicht ganz so schief mit Deiner Theorie bezüglich des seltsamen Falles Blumenfeld (mir läuft beim Schreiben dieses Namens ein kalter Schauer über den Rücken), aber die Schachgemeinschaft auf der ganzen Welt sollte erfahren, wie es mit der mysteriösen Wahrheit bestellt ist.

Pedro: “Ja, Du bist auf dem richtigen Weg. Ich vermutete es schon und darf es jetzt aussprechen: Es besteht nahezu die sichere Annahme, dass es sich bei Blumenfeld um eineiige Zwillinge handelte.

Gemalt von Elke Rehder

Aus Moskau höre ich, dass der einzige Unterschied darin bestanden habe, dass ihre Augen etwas anders waren.
Der Spezialist für die Eröffnung mit dem Königsbauer

Gemalt von Elke Rehder

hatte “normale” Augen, aber der Experte für die Eröffnung mit dem Damenbauer hatte das linke Auge auf der rechten Seite und das rechte auf der linken Seite.
Wie mir mitgeteilt wird, rief diese Augenstellung eine besondere Anziehungskraft bei Frauen hervor. Es ist eigentlich auch verständlich, dass sich das weibliche Geschlecht eher dem Spieler zuneigte, der mit dem Damenbauer anzog.

Gemalt von Elke Rehder

Das Problem entstand aber bei Turnieren, wenn die Partien nicht mit dem Königs- oder Damenbauer begonnen wurden.
Es kann gut sein, dass wir deswegen bisher kein Foto von Blumenfeld gefunden haben wegen der Problematik angesichts einer späterhin erfolgten logischen Verwechslung von vertauschten Rollen.”

Guillermo: “Ganz im Geheimen darf ich Dir sagen, weil mir verboten wurde, die Quelle bekanntzugeben, dass sich aber langsam und sicher die Vermutung bestätigt, dass es sich in der Tat bei dem Meister Blumenfeld nicht um einen Spieler sondern um zwei Personen handelte. Es müssen dermassen ähnliche Zwillinge gewesen sein, absolut identisch, wobei eben der eine mit dem Königsbauern und der andere mit dem Damenbauern eröffnete bzw. erwiderte.
Das Schlimme und fast Strafbare an der Sache war (oder zumindest unsportlich), dass dieses Vorgehen sowohl mit Weiss als auch mit Schwarz praktiziert wurde.
Es ist leicht zu erkennen, dass, wenn der Gegenspieler mit einer Eröffnung begann, die einer der Blumenfelds nicht so gut spielte, er einfach aufstand, um zur Toilette zu gehen

copyright museopatioherriano.org

und der Zwillingsbruder seinen Platz einnahm.

Die Zweifel, die nach dieser Erklärung bestehen und wie ein Königsgambit blitzartig in Erscheinung treten, bestehen immer noch: Warum gibt es kein einziges Foto?
Da es sich um ein Famliengeheimnis handelt, muss ich Dir leider mitteilen, dass Beide nur einen mikroskopisch kleinen Unterschied im Aussehen hatten und deswegen nicht zu unterscheiden waren. Jedes Bild oder Foto von ihnen wäre ein unlösbares Rätsel geworden.
Abschliessend darf ich Dir noch sagen, dass ich zu Hause noch das Geheimnis versteckt halte, wie das Blumenfeld-Gambit entstanden ist, das den Namen beider Spieler trägt.”

Ende der schachhistorischen Unterhaltung.

Wir hoffen, dass der geneigte Leser nunmehr ausreichend informiert wurde, um sich sein eigenes Bild zu machen.

Gemalt von Elke Rehder

Sitges (Barcelona), im Juni 2009

4 Gedanken zu „Das Mysterium Benjamin Markowitsch Blumenfeld

  1. Rubinstein

    „Wir hoffen, dass der geneigte Leser nunmehr ausreichend informiert wurde, um sich sein eigenes Bild zu machen.“

    Leider nein. Ist das alles ernst gemeint oder Satire?

    Die Geschichte klingt interessant, Ihre „Lösung“ des Rätsels erscheint allerdings sehr überraschend und der Wahrscheinlichkeit widersprechend. Um sie ernsthaft in Erwägung zu ziehen, bräuchte es mehr und stichhaltiger Belege. Warum ist die Ähnlichkeit von Zwillingen ein Grund, sie nicht zu fotografieren??

    Und was hat die Analyse einer Partie Tarrasch – Aljechin mit dem Ganzen zu tun?

    Antworten
  2. Frank Mayer Beitragsautor

    Lieber Schachfreund Rubinstein,
    wenn Sie neben Ihrem anonymen Namen auch einen richtigen Vor- und Nachnamen haben und Ihren Wohnort angeben, antworte ich gern auf Ihre Fragen.
    Mit schachlichen Grüssen
    Frank Mayer

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.