Korrektur einer ehemaligen Studie des IM Dr. Alois Wotawa

von NM Hebert Pérez García aus Holland:

Der Internationale Meister der Schachkompositionen
Dr. Alois Wotowa, wurde am 12.6.1896 in Wien geboren und starb auch am 12.4.1970 in seiner Heimatstadt.
Im Laufe seiner Schachkarriere erarbeitete er mehr als 350 Schachkompositionen, worunter sich auch Problemstudien befanden.

Seine Werke hatten immer ein breite öffentliche Anerkennung.
Die zahlreichen Publikationen bestätigten seine Beliebtheit und die Qualität seiner Schöpfungen.

Irren ist menschlich!

Vor kurzem habe ich mir eine bekannte Studie von Alois Wotawa aus dem Jahre 1941 noch einmal genauer angesehen.
Überraschenderweise fand ich einen groben Fehler, der die Bewertung und das gewünschte Ergebnis der Komposition radikal verändern.
Hiermit biete ich den geneigten Lesern meine diesbezügliche
Analyse.

Es ist recht seltsam, dass keine Richtigstellung bisher erfolgt ist, obwohl ich mehrere Quellen befragte.
Die gelegentlichen Analytiker wurden sicher “Opfer” einem unerwarteten optischen Automatismus.
Sogar die ehemalige Weltmeisterin Nona Gaprindashvili analysierte die Stellung für ein Buch ihrer bekannten Landsmännin G.A. Nadareishbili in 1982 und entdeckte den Fehler nicht.
Die bekannte Datenbank des Holländers Harold van der Heijden wiederholt die fehlerhafte Analyse des Urhebers.

Alois Wotawa Studie 1941

Gemäss des Urhebers zieht Weiss an und erzielt remis.

Wir sind nicht mit dieser Behauptung einverstanden, denn für unsere Begriffe hat Schwarz einen gewinnbringenden Vorteil.

Die Analyse von MN Hebert Pérez García
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Sehen wir uns doch einmal die Tatsachen an:

1. Tb5+! (ein wichtiges Zwischenschach.) Ka8 (wenn 1..Kc7 2. Tg5=)

2. Tg5 [2.Tb1? Th6+ (2…Txh5? 3.Tb8+ Kxb8) 3.Ka5 Txh5+ 4.Kb4 Th1 und gewinnt]

2…Th6+ 3.Ra5 (Eine andere mögliche Variante):
3. Kb5 Txh5 4.Ka6 Th6+ 5.Ka5 Th2 6.Tg7 Kb8 7.Ka6 Th6+ 8.Kb5 Tb6+ 9.Ka4 Tb2 10.Ka3 Tf2 11.Kb4 Kc8 12.Kb3 Kd8 13.Kc3 Ke8 14.Kc4 Kf8 15.Tg5 Kf7 16.Kc3 Kf6 17.Tg3 a5 18.Tg8 Kf5 19.Kb3 Ke4 20.Ka3 Ke3 und Schwarz gewinnt.)

3…Txh5! 4.Ra6! (hier wird eine Pattstellung angestrebt)

4.. Th6+ 5.Ra5 Th2 6.Tg7 Rb8

7. Ka6 .. (Hier gab Wotawa nur an: 7..Kc8? 8. Kxa7 Th7 9.Ka8 Th2
10.Ka7 =)

Wenn Schwarz das Schach auf h7 nicht wiederholt, unternimmt der weisse König seinen Weg, um den Bauern auf “f2” zu schlagen. Die Folge ist ein Remis.

7..Th6+!

(Die Korrektur von HPG: Das ist meine gewinnbringende Lösung!
Schwarz schafft eine Situation des Zugzwanges.)


(Um diese Position zu erreichen, muss nützlicherweise ein Tempo verloren gehen, um damit Weiss zum Ziehen zu zwingen.
Der gewinnbringende Plan für Schwarz besteht darin, seinen König zu dem Bauern g2 zu bringen, um ihn zu unterstützen.
Im Fall, dass der weisse König sich auch beeilt, nach dort zu kommen, ergibt sich ein unvermeidbares Vorangehen des Bauern auf a7, wobei dann das Spiel entschieden wird.)

8. Ka5… ( 8.Kb5 Tb6+ 9.Ka4 Tb2 10.Ka3 Te2 11.Kb4 Kc8 12.Kb5 Kd8 13.Tg3 Ke7 14.Kc4 a5 15.Tg8 Ke6 16.Tg5 Kf6 17.Tg8 Tf2 18.Kc3 Ke5 und gewinnt.)

8..Th5+! 9.Kb4

9. Ka6 Th2 10.Ka5 Kc8 11.Kb4 (oder wenn: 11.Ka6? Kd8 12.Kxa7 Th7 und Schwarz gewinnt.)

11.. Kd8 12.Kc5 Ke8 13.Kd4 a5! 14.Ke3 a4 15.Kf2 a3 16. Kg1 Th1+ 17.Kxg2 a2 17. Kxh1 a8=D+ und Schwarz gewinnt.)

10. Kb5 Kc8 11.Kc4 Kd8 12.Kd3 a5 13.Ke3 a4 14.Kf2 a3 15.Kg1 Th1+ 16.Kxg2 a2 17.Kxh1 a1D+ -+.)

9. ..Th2 10. Kc3 Kc8 11.Kd4 a5 12.Kc4 Kd8 13.Kb5 Ke8
14. Kxa5 Kf8 15.Tg4 Kf7 16.Tg3
(16.Ka4 Th4! und gewinnt!)
16…Rf6 und Schwarz gewinnt:

Endstellung

Es ist schon fast unglaublich, wie ein paar Zwischenschachs die Position grundsätzlich verändern.

Die Leser haben das Wort. Ihre Empfehlungen sind gern willkommen!

Sitges (Barcelona), Juni 2009

8 Gedanken zu „Korrektur einer ehemaligen Studie des IM Dr. Alois Wotawa

  1. Thomas Schumacher

    P.S.:
    Einen Bezug zu dem Begriff „Kultur“ vermag ich nicht zu erkennen.

  2. Wolfgang Scharf

    Hallo,zur Problemstudie von Dr. Alois Wotowa(1941):Rybka 3,1(nicht die beste
    Version) errechnet für die Ausgangsstel-
    lung ein Matt in 42 Zügen das Schwarz
    geben kann.Nach 3…Txh5 gibt eine End-
    spieldatenbank ein Matt in 38 Zügen ge-
    nauer an.Diese Aufgabe ist Heute nicht
    mehr schwierig,aber die Korrektur ist
    selbstverständlich wichtig.
    MfG Wolfgang Scharf

  3. Peter Krug

    Alois Wotawa fand in der Studienkomposition
    von den Österreichern – bisher – die größte Resonanz.
    Seine Studien sind beispielsweise sehr beliebt
    für Trainingszwecke starker GMs.

    Helmut Steniczka wird leider zu wenig beachtet.
    Er war nicht nur starker Schachspieler sondern
    auch ein excellenter Studienkomponist.
    Leider hatte er nicht viel komponiert und offenbar
    auch keine seiner Studien in die FIDE Alben
    eingesendet.
    So konnte er auch keinen Meistertitel in der Komposition erringen.

    Gruß Peter Krug

  4. Mario G. Garcia

    Estimado Amigo
    en 1990 ya fue corregido el estudio de Alois Wotrawa

    wKb5,Rf5,Ph5/bKa8,Rh6,Pa7,g2

    (20096) Wotawa=A – (=0400.12b5a8)
    6.p Grossdeutscher Schachbund Ty Deutsc, 1941
    (c): Kirillov=V Selivanov=A sp.hm Europa Rochade 1990 1.Tf8+! [1.Tg5? Txh5 2.Ra6 Th6+ 3.Ra5 Th2 4.Ra6 Rb8 5.Tg7 Th6+ 6.Ra5 Th5+! 7.Ra6 Th2] 1…Rb7 2.Tf7+! Rc8! [2…Rb8 3.Tg7 Txh5+ 4.Rc6! Th6+ 5.Rc5 (5.Rd5!) 5…Th2 6.Rc6 a5 7.Rb5 (7.Rb6!) 7…Rc8 8.Rxa5 Rd8 9.Rb4] 3.Tg7! Txh5+ 4.Ra6! [4.Rc6? Rd8] 4…Th6+ 5.Rxa7 Th7! 6.Ra8! Th6! [6…Txg7; 6…Th2 7.Ra7!] 7.Ra7! [7.Tg8+? Rc7 8.Tg7+ Rb6] 7…Th7 8.Ra8 Th1 [8…Txg7] 9.Tg8+! [9.Ra7? g1D+] 9…Rc7 10.Tg7+ Rb6 11.Tg6+ Rc7 12.Tg7+ Rc8 13.Tg8+ ½–½

  5. Peter Krug

    Einige Anmerkungen zu der Harold van der Heiden
    Datenbank

    Als ich um das Jahr 2011 diese Studiendatenbank
    kaufte und mir viele Studien ansah, war ich
    zunächst sehr enttäuscht über die große
    Menge von kaputten Studien.

    Auch gibt es eine Menge guter, aber gekochte
    Studien, die miserabel korrigiert wurden, oder
    wieder nur eine Fortsetzung kaputter Studien sind.

    Diese vielen „gekochten“ Studien frißten oft 50 –
    100 Jahren ihr einsames Dasein in den Datenbanken. Eigentlich eine traurige Sache.

    Es gibt kaum Studienkomponisten, die sich um
    Korrekturen kümmern. Sie wollen lieber eigene
    Werke schaffen und damit so viel wie möglich Auszeichnungen bekommen.

    Bisher habe ich nur einmal erlebt, dass auch extra
    ein Turnier mit dem Thema der Korrektur
    organisiert wurde. Verlangt wurden Korrekturen
    von dem bekannten schon verstorbenen
    Alexander Sarychev.
    Überraschend haben sich auch weltbekannte
    Studienkomponisten wie Pervakov beteiligt.
    Aber in der Regel beschäftigen sich die
    Studienkomponisten kaum mit Korrekturen anderer
    Autoren.

    Trotz des gewaltigen Vorteils der starken Hardware
    und Engines wie Stockfish 6, oder Houdini beim
    Komponieren einer Studie
    werden auch heutzutage immer wieder Studien
    zerlegt und deshalb wird die Anzahl der kaputten
    Studien mit der Anzahl der jetzt publizierten
    Studien in der nächsten
    Harold van der Heijden Datenbank, die übrigens
    noch in diesem Jahr 2015 erscheinen soll noch steigen.

    Denn die Leute, die sich mit Korrekturen beschäftigen kann man mit Fingern zählen.

    Gruß Peter

  6. Peter Krug

    Ich möchte höflichst mitteilen,
    dass die Studie von Wotawa schon 1990 korrigiert wurde. (Seliwanov, Europa Rochade)

    Hochachtungsvoll Peter

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