Eine tragisch-komische Episodie um Akiva Rubinstein

      * 1882 + 1961

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von Frank Mayer

Einleitung:

Übrigens hat mich ein bekannter Forscher der Schachgeschichte, Johannes Fischer, belehrt, dass sich AKIVA mit “v” schreibt.
Hierzu noch das Titelbild eines Buches:

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Ein Interview zwischen Miguel Najdorf (bekannt für seine “blumenreiche und einfaltsreiche” Sprache) und dem spanischen Schriftsteller und ausgezeichneten Schachspieler Eduardo Scala:

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Zu dem Bild: Ein nachdenklicher Eduardo Scala auf der Suche nach einer Verteidung für das “Nichts” und gleichzeitig stellt er sich der unerklärbaren Partie seines Lebens………

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Also Miguel Najdorf erzählt:

Bezüglich des aussergewöhlichen Schachmeisters Akiva Rubinstein

1914: Akiva Rubinstein in der Mitte, rechts Capablanca

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habe ich zahlreiche Anekdoten zu berichten.
Ausserdem darf ich mit Stolz sagen, dass ich gegen diesen Meister dreimal noch kurz vor seinem Ableben spielen durfte.
Er hatte zwei Söhne. Einer war Künstler, Maler, und er wusste, dass ich ein Freund seines Vaters war und obwohl Rubinstein sehr krank war und eigentlich niemand empfing, öffnete er mir aber die Tür seines Hauses.

Es ist schon hochinteressant, wie er seine Leben vor der “Gestapo” retten konnten.
Schon ziemlich verwirrt, versuchte ein Psychiater, gleichzeitig Bewunderer und Freund, ihn in seiner Klinik entsprechend zu behandeln.

Als die “Nazis” in Polen einmarschierten, durchsuchten sie auch das Sanatorium.
Ein Offzier der Gestapo befragt die Klinikleitung:
“Gibt es Juden in Ihrer Klinik?”
“Ja,” antwortete der zuständige Arzt. “Hier befindet sich der berühmte Schach-Grossmeister Akiva Rubinstein in Behandlung, aber leider ist er geisteskrank.”
Der Offizier: “Ich möchte mit ihm sprechen und sehen, ob Sie mit Ihrer Behauptung Recht haben.”

Der Gestapo-Offizier betrat das Krankenzimmer, wo Akiva Rubinstein lag und fragte ihn:
“Sind Sie der Schachmeister Akiva Rubinstein, ein Jude?”
“Jawohl, Herr Offizier!”
“Stehen Sie sofort auf und kommmen Sie mit mir!”
“Warum?” fragt der Kranke.
“Um zu arbeiten!” schnauzt der Offizier.
“Ach so, um zu arbeiten, wo denn?”
“In einem Konzentrationslager!”
Rubinstein strahlt: “Wunderbar! Das wird mir sicher gefallen!

Dann zog Rubinstein seinen Schlafzanzug aus und nahm aus dem Kleiderschrank seinen besten Sonntagsanzug, so, als ob er zur Oper gehen wolle.
Der Offizier: “Oh, je, bleiben Sie, bitte, hier. Sie sind in der Tat geisteskrank!”

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Und so rettete sich Akiva Rubinstein vor dem Todeslager.

“Ich persönlich”, so Miguel Najdorf

“musste die Tragödie verkraften, dass ich meine Frau, meine Tochter, meine Eltern und vier Brüder, viele Verwandte und Freunde verlor.

Dank der Schach-Olimpiade 1939 in Buenos Aires, gerade als der 2. Weltkrieg angefangen hatte, blieben meine Mannschaft und ich in Argentinien und konnten somit weiter in Frieden leben.”

P.S. Akiva Rubinstein befand sich während des Krieges in Belgien. Da hat sich Miguel Najdorf bei seiner Erzählung wohl im Land geirrt.

Quelle: Revista Internacional de Ajedrez 1988

Sitges (Barcelona), im Juli 2009

4 Gedanken zu „Eine tragisch-komische Episodie um Akiva Rubinstein

  1. Thomas Schumacher

    Ich würde noch weiter gehen und sagen, dass Najdorf sich die ganze Geschichte ausgedacht hat. Eine Schande, so über den großen Rubinstein Witze zu machen.

    Antworten
  2. Frank Mayer Beitragsautor

    Lieber Schachfreund Thomas Schumacher,
    leider habe ich die Unterlagen nicht mehr, aber Dr. John Nunn hatte sich über die Krankheit von Rubinstein auch geäussert, die ich aber den Lesern nicht zumuten wollte.
    Beste schachliche Grüsse Frank Mayer

    Antworten
  3. Schachtölpel

    Sehr nette Geschichte, auch ihre Homepage gefällt mir recht gut.

    Trotzdem klingt es unlogisch, dass die Nazis einen scheinbar Geistesgestörten verschont haben. Es wäre fuer die Nazis eher ein Grund mehr gewesen, ihn zu vergasen..

    MfG

    Antworten

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