Auf der Suche nach…..Josh Waitzkin

 

 

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Josh Waitzkin: Schach und Kampfsport

* 4.12.1976 in New York City

von David Llada, Schriftsteller und Schachjournalist

 

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Einführung:

Der Film “Searching for Bobby Fischer”

 

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hat seine Grundlage in der Kindheit von Josh Waitzkin, ein talentierter heranwachsender Junge aus New York, der bereits beachtliche Erfolge bei den amerikanischen Jugendmeisterschaften im Schach aufzuweisen hatte.
Der Film, für einen Oscar nominiert, spielte weltweit mehr als
$ 70 Mio. nach seiner Aufführung im Jahre 1993 ein, aber wie ging die Schachlaufbahn von Josh weiter?

Fast alle Schachanhänger haben wohl den Film “Searching for Bobby Fischer” (deutsch: “Das Königspiel. Ein Meister wird geboren.”) gesehen; trotz der vergangenen 16 Jahre, ist dieser Film noch immer eine der Superproduktionen, in denen das Schach die Hauptrolle spielt.
Vielleicht ist es nicht so ganz verkehrt, wenn wir noch einmal daran erinnern, dass in dem Film nicht das Leben von Bobby Fischer dargestellt wird, sondern die ersten Schritte eines anderen grossen Talente des Schachs; nämlich die von Josh Waitzkin.

 

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Das Werbeplakat für den Film

Es handelt sich hierbei um eine Romanverfilmung des Buches von Fred Waitzkin, eines Sportjounalisten und der Vater des Jungens; er schildert uns nicht nur die Anfänge der viel versprechenden Laufbahn seines Sohnes, sondern schneidet auch zahlreiche andere Themen an.
Waitzkin zeichnet ein unerbittliches und realistisches Bild des amerikanischen Schachsportes nach dem Rückzug von Bobby Fischer, der täglichen Enttäuschungen bei den Turnieren, des Verhaltens vieler Eltern während der Kinder-Wettbewerbe…..

In all diesen Aspekten übertrifft das Buch bei weitem die Verfilmung und die Kritiken bezüglich des Romanes fallen ausgesprochen günstig aus, besonderes Lob kommt von dem Schachgrossmeister Nigel Short (The Spectator) und dem bekannten Literaten Tom Sttopard (The Oberserver).

 

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Das Buchcover-Bild

Aber: Was ist jetzt aus Josh Waitzkin geworden?
Spielt er noch Schach?
Es ist ganz offensichtlich, dass er nie an die Grösse des Genies aus Brooklyn heranreichte, aber errang er den Titel eines Grossmeisters und welches Spielniveau hat er jetzt?

Mich interessierte schon, eine Antwort zu finden, nachdem verschiedene amerikanische Talente auf sich aufmerksam machten und sogar als mögliche Nachfolger des legendären Bobby Fischer im Gespräch waren.

Unabhängig davon, dass Josh Waitzkin nach wie vor mit dem Schachsport verbunden ist, überraschte es mich ziemlich, dass er vor einiger Zeit einen Weltmeistertitel errang.
Aber nicht im Schach (wir haben schon genügende Schach-Weltmeister), sondern auf dem Gebiet des Kampfsportes.

 

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Josh Waitzkin, Weltmeister im Tai Chi Chuam 2004

Auf den Spuren von Bobby Fischer

Man sagt im allgemeinen, dass das Leben in Manhattan ziemlich risikoreich ist.

Ich vermute, dass eines dieser “Risiken” darin besteht, seinen Sohn mit in den Washington Square Park zu nehmen.

 

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copyright David Shankbone

Anstelle sich die Zeit damit zu vertreiben, den dort herumlaufenden Äffchen Erdnüsse zuzuwerfen wie fast alle Kinder das taten, schaute Josh (6) einer buntgemischten Gruppe von Schachspielern zu, die in irgendeiner Ecke des Parkes sich mit Blitzpartien vergnügten.

Derselbige Bobby Fischer war ein regelmässsiger Besucher des Washington Square Park in Begleitung seines ersten Vormundes Carminione Nigro.

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(Anmerkung: In der Nähe befindet sich der Marshall Chess Club.)

Und wie er, sind viele bekannte Schachspieler mehr oder weniger oft dort gewesen.
Allerdings darf hinzugefügt werden, dass die Mehrzahl der dortigen Spieler nicht unbedingt zur Begleitung eines Kindes geeignet sind.

Fred (sein Vater) gab zu, das es diejenigen waren, die “als virtuose Strassenbummler seinen Sohn unter ihre Obhut nahmen und ihre krummen Sachen verbargen, wenn ihr Schützling zum Spielen kam.”

Weiter erklärt der Vater, dass “es jene waren, die Josh auf intuitive Art und Weise ein agressives Spiel beibrachten.
Dieser Stil war auch absolut charakteristisch in den kommenden Jahren.”

Ein Vater im Schatten

 

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Der junge Josh mit seinem Vater im Washington Square Park

Josh’s Begeisterung für das Schach war natürlich auch von einem ausgeprägten Talent für dieses Spiel begleitet.
Das blieb seinem Vater, einem recht bekannten Sportjournalisten der “New York Times” und “Sports Illustrated” nicht verborgen.

Das ging soweit, dass der Vater sich vorstellte, sein Sohn könne vielleicht einmal der “neue” Bobby Fischer werden.

Somit beauftragte der Vater den FIDE-Meister Bruce Pandolfini,
seinem Sohn Josh Schachunterricht zum Preis von $ 60.— je Stunde zu geben.

Dies war nur ein erster Schritt.

Danach wurde der Entschluss gefasst, dass Vater, Sohn und Trainer nach Moskau reisten, um bei dem ersten WM-Match zwischen Kasparov und Karpov anwesend zu sein und so ein bisschen Bobby Fischer nachzueifern, der damals auch eine Wallfahrt in die “Mekka”-Stadt unternahm, als er in Josh’s Alter war.
Die Gelegenheit war günstig, denn er konnte dort die Crême de la Crême des russischen Schachs kennenlernen und bei deren Analysearbeiten anwesend sein.

 

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Josh mit seinem Trainer Pandolfini

 

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Josh während seines Moskau-Aufenthaltes

War Fred Waitzkin der typische lästige Vater, der davon besessen war, aus seinem Sohn einen leuchtenden Stern zu machen?

Ohne viel herumzureden, würde ich “Ja” sagen.
Aber das würde die Sache zu einfach darstellen:
Es ist richtig, dass Fred – unabhängig von einem guten Marketinggefühl – ein sehr berufener Journalist war, der in seinem Buch die gesamte Atmosphäre der Schachwettbewerbe deutlich wiederspiegelte.

Einige seiner Aussagen sind von einer entwaffnenden Ehrlichkeit, wie wir aus dem nachstehenden Beispiel entnehmen können:

“Meine Frau warf mir oft vor, dass ich bei Josh mehr an das Schach dachte, als an das Kind, was er noch war und ich verstecke mich nicht: Ich war Schuld an diesem Delikt.
Es fällt mir sogar schwer, mich an die Zeit vor seiner Schachlaufbahn zu erinnern. Es ist schrecklich, aber wenn er gewinnt oder brillant spielt, dann hat meine Zuneigung keine Grenzen mehr.
Wenn er allerdings schlecht spielt, dann muss ich zugeben, dass ich nicht mehr so dicht neben ihm die Strasse entlang gehe, und ich muss mich zwingen, damit ich ihn beim Abschied umarme.”

Irgendwie gibt der Vater zu, dass er sich so in den Ehrgeiz für seinen Sohn verstrickt hat und daher auch seine persönlichen Entäuschungen kommen:

“Er hat mehr Talent für das Schach als ich für irgendeine andere Aufgabe habe!”

 

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Gemalt von Donique Digeon

Sei es nun durch die Aufmuntertung seines Vaters oder aufgrund des eigenen Verdienstes und Ehrgeizes, aber mit 9 Jahren beherrschte Josh Waitzkin schon das Kinder- und Schulschach in den Vereinigten Staaten; allerdings nicht in dem Masse, so dass man von einer hohen Überlegenheit sprechen konnte.
Seine seinerzeit besten Ergebnisse waren:
Nationaler Meister aller Grundschulen mit 10 Jahren;

mit 11 Jahren erzielte er ein Remis gegen Kasparov anlässlich einer Simultanvorstellung und wurde Nationaler Meister aller Hauptschulen im Alter von 13 Jahren…
Er setzte seine Erfolgsserie fort und erreichte den Titel des Internationalen Meisters mit 16.


Ein sehr bemerkenswerter Rekord, aber doch noch weit von Bobby Fischer entfernt, der in jenem Alter schon Grossmeister und Absoluter Meister der Vereinigten Staaten war.

 

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Mit 11 Jahren erzielte er ein Remis gegen Kasparov in einer
Simultanpartie

Die Erstaufführung des Filmes findet statt in dem Augenblick, als
Josh gerade 17 Jahre alt geworden war.

In der Tat kann man ganz kurz in einer im Wahington Square Park gedrehten Szene sehen, wo ein “junger” Josh, dargestellt von einem Schauspieler, eine Partie spielt.

Unmittelbar dahinter, an einem anderen Tisch, kann man den “echten” Josh erkennen, schon erwachsen, eine Schachpartie spielt. Er hat einen schwarzes Hemd an und spielt mit den weissen Steinen.
Sein erster Mentor macht eine kleine wohlwollende Geste:
Am Anfang des Filmes steht ein Mann neben dem Spieltisch und flüstert bewundernd: “Ein junger Fischer!”
Dieser Nebendarsteller ist in Wirklichkeit der FIDE-Meister Bruce Pandolfini, sein damaliger Trainer.

Dank des Filmerfolges, konnte Josh Waitzkin seine Popularität gut nutzen, ohne jedoch weitere Fortschritte im Schach zu machen.

Der allmächtige Verlag Simon and Schuster’s veröffentlichte sein erstes Schachbuch “Attacking Chess”

 

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schon 10 Monate nach der Aufführung.

Mit 20 Jahren brachte er zusammen mit Bruce Pandolfini eine sehr erfolgreiche Video-Serie zum Erlernen das Schachs auf den Markt.

Ab jenem Zeitpunkt ist der Sprecher und Werbeträger des amerikanischen Schachprogrammes “Chessmaster”,

 

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das vorzugsweise von Anfängern weltweit benutzt wird.

 

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Josh rechts mit seinem Freund und Trainer GM Gregory Kaidanov

Anmerkung:
Ich hätte gern ein Interview mit Josh Waitzkin geführt anstelle des Verfassen dieses Artikels.
Aber als ich Josh ausfindig machen konnte, befand er sich nicht weiter weg als in Manaos, um eine Erkundungsreise in den Amazonas-Urwald für einen Monat zu unternehmen.

gez. David Llada

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Wir danken nochmals unserem Schachfreund David Llada für diesen vorzüglichen Artikel, der von ¡Ajedrez Espectacular!
übernommen wurde.

Nachstehend noch ein Foto aus dem Jahre 2007 zusammen mit Susan Polgar und Schülern:

 

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copyright Susanpolgar.blogspot.com

Sitges (Barcelona), im Oktober 2009

Ein Gedanke zu „Auf der Suche nach…..Josh Waitzkin

  1. Nabil Hadj Sassi

    Sehr geehrter Herr Autor,

    wie ich in Ihrem Artikel entnehmen kann, schreiben Sie, dass Josh Waitzkin im Alter von elf Jahren Gary Kasparow bei einer Simultanpartie ein Remis abrang.

    Aber ein wenig später steht unter dem Foto, dass die beiden Kontrahenten zeigt, dass er das Remis bereits im Alter von zehn Jahren gemacht hat.

    Das finde ich ein bißchen verwirrend. Was stimmt denn nun?

    Liebe Grüße
    Hadj Sassi

    Antworten

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