Die Schlacht


Miniature de Juan de Carrion

von Patricia Teullet (Perú)

übersetzt und illustriert von Frank Mayer

******************************************

Die Zeit verlief inmitten der Verwirrung.
Eine neue Invasion.
Wieder mal ein Krieg, wie so viele.

Und der König war müde, eine Müdigkeit, die sich schon einer Langeweile näherte.

Gemalt von Samuel Bak

Er wusste, dass andere Herrscher das Kommando über ihre Heerscharen genossen, indem sie Strategien entwickelten, Angriffe vorbereiteten und notfalls sich wieder zurückzogen.

Jedoch für ihn waren Kriege immer aufgezwungen – sei es durch den Feind oder die eigenen Generäle, die gewissermassen ihre Privilegien am Hofe rechtfertigen mussten.

Aus der Burg konnte man das laute Durcheinander des Schlachtfeldes hören: Die Kanonen, die Schreie; in der Tat waren es viel mehr Laute, als dass man sie irgendwie einordnen konnte.

Soldat mit Schachbrett

Gemalt von Jean Metzinger

Die Berichterstatter schreiben später von dem “Schlachtgetümmel”, um damit eine entsprechende Bedeutung diesem infernalischen Getöse zu geben, das nur ein Echo der nahen Hölle zu sein schien: die schrille und unaufhörliche Stimme der Königin (Dame), die ständig klagte und der man ihre Schwäche immer wieder vorwarf.

Als der König sie hörte, wusste er, dass sie Recht hatte.
Sie war die Königin, die wahrhafte Stärke des Landes.

Er, hingegen, war nur ein Symbol, fast eine dekorative Figur, aber trotzdem unerlässlich. Unstoppable movie download


Gemalt von Elke Rehder

Obwohl es sie war, die verhandelte, bedrohte, nachgab, angriff oder verteidigte. Er war immer nur dort, wo man ihn hinsetzte.
Jetzt schon fast betäubt, spürte er die Schläge jedes Wortes:

“Du bist unnütz! Schwach und unfähig!
Mein Vater hätte es verstanden, sein Königreich zu verteidigen.
Ich hatte Dich darauf hingewiesen, den Angriff zu starten.
Jetzt ist alles verloren.
Wie immer hat Deine Charakterschwäche uns in diese Lage gebracht!”

Gemalt von Elke Rehder

Plötzlich verstummte die Königin (Dame).

Der König drehte sich überrascht um und sah sie nicht mehr an seiner Seite.

Ein Läufer hatte sie geschlagen!

Dame neben dem Schachbrett

gemalt von Henri Matisse (1869-1954)

Sitges (Barcelona), im Oktober 2009

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.