Kreativität und Originalität mit einem romantischen Geist

Michail Tchigorin
1850-1908

*************************************************************

 
war ein wichtiger russischer Schachspieler, der Gründer der russischen Schachschule und zwischen 1883 und 1898 zählte er zu den besten

5 Spielern der Welt.

Michail Tchigorin (* 12. November 1850 + 25. Januar 1908)

Geboren in der Nähe von St. Petersburg und sehr früh Vollwaise, wurde er in ein Waisenhaus eingewiesen.
Mit 18 Jahren konnte er diese Stätte verlassen und sich seinen Studien widmen.
Allerdings lernte er dort schon mit 16 Jahren das Schachspielen, konnte sich aber damit nicht weiter beschäftigen, bevor er seinen universitären Abschluss hatte und mit einer Anstellung bei der Regierung beauftragt wurde.

Ab dem Jahre 1873 fesselte ihn das Schach aber so stark, so dass er seinen amtlichen Posten aufgab und sich zu einem Berufspieler entwickelte.

 

*************************************************************

1879 gewann er in einem Turnier in Petersburg die nationale russische Meisterschaft.
Sein erstes internationales Turnier war 1881 in Berlin, wo er den 3. Platz belegte.

 

*************************************************************

Tchigorin bei einer Blindschach-Vorstellung 1888

Wohl einer seiner grössten Erfolge war der zweite Platz in dem äusserst stark besetzten Turnier in Hastings 1895 – vor dem Weltmeister Dr. Lasker und Steinitz.

Nur Harry Nelson Pillsbury konnte sich vor ihm platzieren.

 

*************************************************************

B. Vergani, W. Steinitz, M. Tchigorín, E. Lasker, H. Pillsbury,

S. Tarrasch, J. Mieses, R. Teichmann,
A. Albin, C. Schlechter, D. Janowski, G.Marco, J. Blackburne, G. Maroczy, E. Schiffers, I. Gunsberg, A. Burn, S. Tinsley

Aus diesem Turnier stellen wir die Partie der 1. Runde als Begegnung zwischen „Jung“ (Pillsbury) und „Alt“ Tchigorin wie folgt vor:

 

*************************************************************

Mikhail Chigorin | Harry Nelson Pillsbury
Tchigorin, Michail – Pillsbury, Harry Nelson [C30]
Hastings (1), 1895

1.e4 e5 2.f4 Lc5 3.Sf3 d6 4.Lc4 Sc6 5.Sc3 Sf6 6.d3 Lg4 7.h3 Lxf3 8.Dxf3 Sd4

 

*************************************************************

Stellung nach 9. Dg3!

Tchigorin wollte beweisen, dass diese Stellung, die Pillsbury als für Schwarz gewonnen ansah, aber für Weiss günstiger ist.
Diese Stellung kam zum ersten Mal in der Partie Blackburne-Anderssen, Wien 1873 vor, allerdings mit dem kleinen Unterschied, dass beide Bauern sich auf a3 bzw. a6 befanden, nachdem Anderssen 9….De7 gespielt hatte.
Ausserdem wurde Anderssen damals vorgeworfen, weil er den weissen Turm mit Sc2 bzw. Sxa1 genommen hätte.
9…….. Sxc2+?! 10. Kd1 Sxa1 11. Dxg7 Kd7! 12. fxe5 dxe5 13.Tf1 Le7
14. Dxf7?! Kc8 15.Lg5 Tf8 16.De6+ Kb8 (16….Dd7 17. Txf6 Bogoljubov) 17.Lh6 Te8 18.Dxe5 Sd7 19.Dh5! Sb6 20.Ld5 a6 21.Kd2 Sxd5 22.Sxd5 Tg8 23.g4 Lb4+ 24.Sxb4 Dd4! 25.Sc2! Sxc2 26.Kxc2 Tg6 27.Ld2 Td6 28.Tf3 Da4+ 29.Kc1 Dxa2 30.Lc3 Tc6 31.Dxh7 b5 32.De7 Db3? 33.Kd2 a5 34.Tf5! Kb7 (34….b4 35. Tb5+ Ka7 26. Ld4+ Ka6 37 Tc5) 35.Tc5 Taa6 36.g5 Txc5 37.Dxc5 Tc6 (37…..b4 38. Ld4! Bogoljubov) 38.Dd5 Da4 39.g6 b4 40.g7 bxc3+ 41.bxc3 Da1 42.g8D Dxc3+ 43.Ke2 Dc2+ 44.Kf3 Dd1+ 45.Kg3 Dg1+ 46.Kh4 Df2+ 47.Kh5 Df3+ 48.Dg4 Df6 49.Dgf5 Dh6+ 50.Kg4 Dg7+ 51.Dg5
1–0

Siehe Partie

 

*************************************************************

Endstellung


imagen***********************************************************

 

Gegen Richard Teichmann konnte er ein sehr gutes Ergebnis erzielen (+8 -3 = 1), aber gegen Dr. Lasker (+1 -8 =4) und David Janowki (+4 -17 = 4) erzielte er recht negative Resultate.

 

*************************************************************

 

In La Habana (Kuba) spielte er gegen Wilhelm Steinitz zweimal um die Krone der Weltmeisterschaft mit recht respektablem Ausgang:
1889 verlor er 10,5 zu 6,5 und 1892 konnte er den Abstand noch verkürzen mit 12,5 zu 10,5.

 

 

*************************************************************

Tchigorin, Dr. Lasker, Pillsbury y Steinitz während des Turnieres in
St. Petersburg von 1895-96


Ein weiteres Foto seines bewegten Schachlebens:

 

*************************************************************

Karlsbad 1907 – Tchigorin sitzend 4. von links


Tchigorin
widmete sich ausserdem mit grosser Begeisterung der Organisation von wichtigen Turnieren in seinem Land und spielte auf recht hohem Niveau bis zu seinem Lebensende 1908.

Verschiedene Eröffnungen wurden nach ihm benannt.
Die wohl wichtigste war die Variante Tchigorin der spanischen Eröffnung:
1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 a6 4. La4 Sf6 5. 0-0 Le7 6. Te1 b5 7. Lb3 d6 8. c3 0-0 9. h3 Sa5

 

*************************************************************

Ausserdem bereicherte er das Damengambit mit der Tchigorin-Verteidigung
1. d4 d5 2. c4 Sc6

Seine Studien zu den Indischen Verteidigungen trugen auch dazu bei, die Königsindische Verteidigung zu verstärken und bestätigten nochmals seine schachliche und originelle Kreativität.
Zweifellos sind seine Beiträge für die Schachtheorie sehr wertvoll.
Vielleicht litten aber auch seine spielerischen Fähigkeiten durch sein zu ausgeprägtes Interesse an der sicher vorhandenen theoretischen Überlegenheit, um den Tarrasch-Anhängern entgegenzutreten.
Michail Tchigorin zeichnete sich gerade bei den offenen Spielen aus und war ein Anhänger der Gambite, wobei wohl seine Kenntnisse des „Evans“-Gambites hervorzuheben sind, womit er denkwürdige Partien gegen Steinitz spielte.

Nur der Vollständigkeit halber geben wir seine beste historische Elo-Zahl mit 2.797 bekannt, die er im Jahre 1895 erzielte.
*****************************

Nachstehend noch ein Foto der letzten Ruhestätte von Michail Tchigorin, die mein holländischer Schachfreund Rob Bijpost besucht hat.

 

*************************************************************

Das neugestaltete Grab von Tchigorin befindet sich in St. Petersburg auf dem Friedhof:

“Novo-devichy cemetery” auf dem Gelände des Novoi-devichy Klosters.

Dieser Artikel wird gleichzeitig in der SCHACH-ZEITUNG veröffentlicht.
Quellen für Text und Bilder: Wikipedia und Richard Guerrero
Sitges (Barcelona), Oktober 2009

Ein Gedanke zu „Kreativität und Originalität mit einem romantischen Geist

Kommentare sind geschlossen.