Ein ersticktes Matt

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Gewidmet dem Schachspieler Carl Schlechter * 1874 + 1918

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von Sheenagh Pugh (* 20.12.1950 in Birmingham)

übersetzt und illustriert von Frank Mayer

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Ich möchte mit Carl Schlechter spazieren gehen
Anfang des letzten Jahrhunderts und eine mit Steinen gepflasterte Strasse hinunterlaufen.

Die Sonne scheint zuckersüss. Aus irgendeinem Fenster klingt leise ein Piano, und die traurigen Augen von Carl leuchten ein wenig.
Ich frage ihn nach seinem Schach, warum er immer ein Unentschieden anbietet, und er zuckt mit den Schultern.

Die weissen Tauben sammeln sich auf den Brüstungen.

“Ich hasse diesen Blick in den Augen der Spieler, wenn sie verlieren”.

Ich liebe ihn.
Wir kaufen uns Kirschen an einem Stand, Sauerkirschen, dunkelfarbig, halb bitter und wir verzehren sie gemeinsam.

Ich küsse ihn und koste sie in seinem Mund.

Ich möchte ihm sagen:

“Carl, Du stirbst vor Hunger mit Deinen vierundvierzig Jahren und könntest Weltmeister sein. Spiele auf Gewinn!”

Aber dann wäre er nicht mehr der, der er ist.

Und ich hätte nicht diese ganze Reise gemacht im vergangenen Jahrhundert, um die Hände des Remiskönigs zu fassen,

Gemalt von Elke Rehder

ihn mit einer leichten Verbeugung zu betrachten,
wobei ich versuche, die Stille der Tauben zu hören,
eine nach der anderen, in einem Traum.

Ein Edelmann; liebenswürdig.

Courtesy Arqto. Roberto Pagura, Buenos Aires

P.S. In der Tat starb Carl Schlechter am 27. Dezember 1918 geschwächt und verhungert während einer Simultanvorstellung in Budapest.

Sitges (Barcelona), iim November 2009