“ T h e K i d “

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(1921)

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In seiner Augobiographie von 1964 schreibt Charles Chaplin

 

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folgende Begebenheit:

Während für einige Zeit die Dreharbeiten für den Film “The Kid”
ruhten, kam uns Samuel Reshevsky (Kinder-Schachweltmeister) in dem zarten Alter von 7 Jahren im Studio besuchen.

Das hatte seinen Grund: Er gab eine Simultanvorstellung in dem Athletic Schachclub, die darin bestand, gegen 20 Gegner gleichzeitig zu spielen.
Darunter befand sich aber auch Dr. Griffith, der kalifornische Meister.

 

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(1920)
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Samuel hatte eine kleines Gesicht, bleich und schmal, mit grossen Augen, die er aber immer herausfordernd auf die ihn umgebenden Personen richtete.
Ich war allerdings vorgewarnt, dass der Knirps recht temperamentvoll war und kaum jemandem die Hand reichte.

Nachdem sein Manager seinen Schützling vorstellte und einige Begrüssungsworte sprach, trat Samuel stillschweigend ein paar Schritte nach vorn, wobei er sich wie ein Weltstar präsentierte.

Danach widmete ich mich wieder einem gerade gedrehten Filmstreifen.

Kurz danach wendete ich mich erneut an den Kleinen und fragte ihn: “Schmecken Dir die Pfirsische?” Er antwortete mit “Ja”.

“Nun, wir haben einen vollen Pfirsischbaum im Garten. Da kannst du ruhig hingehen und Dir einige abpflücken und gleichzeitig auch einen für mich mitbringen.”

 

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Sein Gesicht strahlte: “Oh, prima! Wo steht der Baum?”

“Charles wird ihn Dir zeigen”, wobei ich meinem Werbefachmann damit meinte.

Eine Viertelstunde danach kam er fröhlich mit vielen Pfirsischen in einem Korb zurück.

Das war der Beginn unserer Freundschaft.

“Kannst Du Schach spielen?” fragte Samuel.

 

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Ich musste leider zugeben, dass ich davon keine Ahnung hatte.

“Ich zeig’ Dir das schon. Komm’ heute abend zu mir.
Ich werde gegen 20 Gegner gleichzeitig spielen”, wobei er ziemlich prahlerisch wirkte.
Ich sagte ihm meinen Besuch nach dem Abendessen zu.

“Nun“, sagte der Junge, „ich komme schon recht früh, um mich auf diese Simultanvorstellung etwas vorzubereiten.”

Man braucht das Schach nicht zu verstehen, um dieses Drama an jenem Abend zu erkennen:
Zwanzig Spieler im mittleren Alter starrten gespannt auf ihre Schachbretter, wobei sie sich in einem echten Dilemma befanden insofern, als sie gegen einen 7jährigen Burschen spielten, der eigentlich noch viel jünger aussah.
Wie der Kleine zwischen den Brettern hin- und herging war schon ein Drama für sich.

 

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Es ergab sich irgendwie so einen Art von Surrealismus in dieser Inszenierung:

eine Zuschauerzahl von mehr oder weniger 300 Personen, rund um das Geschehen in mehreren Reihen sitzend, schauten stillschweigend und gespannt dem Kind zu, das sich der Intelligenz von hochkonzentrierten Erwachsenen stellte.
Einige von ihnen sahen ziemlich herablassend auf den unscheinbaren Wicht, wobei sich in ihren Gesichtern ein Lächeln „à la Mona Lisa“ wiederspiegelte.

Der Junge war wunderbar; heute noch spüre ich meine Beunruhigung, da ich mich ganz genau an dieses gerötete und dann wieder bleiche Gesicht erinnere:

 

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Er zahlte einen Preis zu Lasten seiner Gesundheit.

“Hier!” Ein Spieler rief den Jungen, der sofort an jenes Brett lief, vertiefte sich für einen Augenblick in die Stellung, machte plötzlich einen Zug und sagte: “Schachmatt!”
Ein murmelndes Gelächter verbreitete sich unter den Zuschauern.
Dann sahen die Anwesenden in kurzer Folge, wie Samuel weiteren 8 Spielern matt gab, was natürlich Gelächter und sogar Applaus unter den Besuchern hervorrief.

 

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Schachmatt
gemalt von Imelda Fagin

Anschliessend kam der spannendste Augenblick der Vorstellung:
Samuel Reshevsky stand vor der Partie gegen Dr. Griffith.


Es war mucksmäuschen still im Saal, einige hielten sogar den Atem an; der Kleine machte einen Zug und ging zum nächsten Tisch.
Plötzlich erkannte er mich unter den Anwesenden, sein Gesicht rötete sich leicht, und er kam auf mich zu, um mich mit Handschlag zu begrüssen. Er liess kurz durchblicken, dass es nicht mehr lange dauern würde, um mit mir zusammen zu sein.

Nachdem er noch weitere Spieler mattsetzte, kehrte er zu dem Spieltisch mit Dr. Griffith zurück, der noch tief in die Stellung

 

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versunken war.

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Haben Sie noch nicht gezogen?” fragte ihn der Junge, sogar etwas ungeduldig. “Bitte, beeilen Sie sich ein wenig!”
Dr. Griffith lächelte.

Der kleine Mann sah ihn wütend an. “Sie können nicht gegen mich gewinnen! Wenn Sie diesen Zug machen, ziehe ich nach dort.
Wenn sie dahingegen an eine andere Lösung gedacht haben, werde ich entsprechend darauf antworten!”

Dann ging es los. 7 oder 8 Züge in rascher Folge von beiden Spielern.
“Wenn das so weitergeht”, sagte Samuel, dann bleiben wir die ganze Nacht noch hier und spielen weiter.
Also, betrachten wir die Stellung als ausgeglichen und das nennt man “remis”.”

 

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gemalt von Elke Rehder

Der Doktor willigte ein.
Wie ich bereits erwähnte, lernten wir uns während des Drehens des Filmes “The Kid” kennen.

Einige Zeit danach drehten wir

“Das Zeichen des Zorro”

 

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und in den Pausen besuchte uns wieder Samuel Reshesky, wie Sie aus nachfolgenden Fotos von 1920 erkennen:

 

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Douglas Fairbanks, Samuel Reshesky und Charles Chaplin

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Ereignisse dieser Art kommen selten vor. Unglaublich die Verbindung des Komödiantentums mit dem Schach, nicht launenhaft oder willkürlich, denn es handelt sich um Kunst, Kultur und Bildung.
Die Kunst ist unsterblich, und sie wird sich über Jahrtausende fortsetzen
.

Nun noch für den geneigten Leser eine spätere Freundschaftspartie zwischen

Charles Chaplin und Samuel Reshevsky

 

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copyright 3.bp.blogspot.com

wie nachstehend:

1.e4 e5 2.Sf3 Sf6 3.d4 exd4 4.e5 Se4 5.De2 Sc5 6.Sxd4 Sc6 7.Le3 Sxd4 8.Lxd4 Se6 9.Lc3 Le7 10.Sd2 0-0 11.Se4 d5 12.0-0-0 Ld7 13.Sg3 c5 14.Ld2 b5 15.Sf5 d4 16.h4 Sc7 17.Sxe7+ Dxe7 18.Lg5 De6 19.Kb1 Sd5 20.g3 Sb4 21.b3 Da6 22.a4 Da5 23.Kb2 bxa4 24.Ta1 Tab8 25.Kc1 a3 26.Ld2 Le6 27.Lxb4 cxb4 28.Da6 Dc5 29.Lc4 Tbc8 0-1

 

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Endstellung

Siehe auch den Ablauf der Partie

Quelle: Prof. Mariano Piñeyro

Barcelona (Sitges), im November 2009

2 Gedanken zu „“ T h e K i d “

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