Eine “Kuriosität” über die Partie aus dem Film “CASABLANCA”

 

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Filmplakat Warner Bros.

von J.A. Montero
übersetzt, angepasst und illustriert von Frank Mayer

Text:

Der Privatdetektiv Philipe Marlowe, der von Humphrey Bogart im Jahre 1946 in dem nachstehenden Film

 

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interpretiert wurde, konnte in der Tat sehr gut Schach spielen.

Der Schöpfer dieser Figur, Raymond Chandler,

 

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stellte ihn als einen Menschen dar, dem nur das Schachspiel gefiel. Ein bisschen ähnlich ihm selbst, dem Verfasser des Drehbuches.

Aber sowohl Poe als auch Conan Doyle und Chandler, trotzdem letzterer Schachspieler war, hatte keine absolute Hochachtung vor
diesem Spiel:
Er bestätigte sogar, ‘dass das Schach die grösste Verschwendung der menschlichen Intelligenz sei – nach der Werbung’.


Chandler war es nicht so wichtig, viele Freunde in seinem Leben zu haben und noch weniger in dem Gremium für Schachspieler und Werbefachleuten.

Im Jahre 1942 wurde der Mythos-Film “Casablanca” aufgeführt, eine der wenigen Filme, den fast die ganze Welt gesehen oder zumindest davon gehört hat.

Bereits am Anfang des Filmes wird eine Szene gezeigt, wo Humphrey Bogart allein vor dem Schachbrett sitzt und zwar so, wie es Philip Marlowe machen würde, und er scheint sich auch nicht durch irgendeine Ablenkung davon abbringen zu lassen.

Was spielt da eigentlich Rick – Humphrey Bogart – in dieser Partie, die sich erst in der Eröffnungsphase befindet?

Die Stellung ist folgende, bevor er einen Zug ausführt,

 

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also die Ausgangsposition, bei der die Filmszene beginnt und Weiss am Zug ist.

Rick befindet sich auf der Seite von Schwarz.

 

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Es handelt sich hierbei um die französische Verteidigung, die von einigen Experten als recht schwierig eingestuft wird, mit den schwarzen Figuren zu spielen, und bei der zumindest ein langer Kampf zu erwarten ist.

Das ist also die Stellung über die Bogart nachdenkt und während der längeren Szene nur einen einzigen Zug ausführt, weil dann

 

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auch Peter Lorre erscheint und anfängt, ihm etwas zu erzählen, das recht wichtig zu sein scheint. Obwohl Bogart nach wie vor auf das Brett blickt, ist es aber verständlich, dass die Konzentration nicht mehr dieselbe ist.

Der mit Weiss ausgeführte Zug ist: Sb5.

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Elf Jahre nach diesem Film, veröffentlichte Raymond Chandler 1953

die 6. von 7 Ausgaben über Marlowe:

 

“Der lange Abschied”,

 

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vielleicht die Beste von allen.

 

Chandler kannte natürlich den Film “Casablanca”, der unmittelbar nach seiner Aufführung schon eine Legende wurde, und hatte auch ein gutes Verhältnis zu Humphrey Bogart.

Es gibt einen kuriosen Absatz in diesem Roman, vielleicht zufällig.

Auf dem grossen Foto mit Humphrey Bogart ist genau zu erkennen, wie er den weissen Springer auf “b5” setzt.

Der Roman setzt fort:

“Als ich allein zu Hause und es schon Nacht war, fühlte ich mich noch einsamer als sonst”.

 

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Das Haus schien auch viel verlassener zu sein als an anderen Tagen oder Nächten, und Marlowe greift zu dem Schachbrett:

“Ich nahm die Figuren und setzte sie auf das Brett. Dann spielte ich mit den schwarzen Steinen die französische Verteidigung gegen Steinitz.
Er gewann gegen mich in 49 Zügen, aber zumindest gelang es mir, ihn öfters zum Schwitzen zu bringen”.

Seltsam, nicht wahr?

Marlowe befindet sich in einer ähnlichen Situation wie Rick aus dem Film “Casablanca” elf Jahre später;
sogar mit der französischen Verteidigung, die zu einem langen, stark umkämpften und aber letztendlich sicheren Tod von Schwarz führt.

 

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Ist das nur ein Zufall?


Ein Augenzwinkern eines Schachspielers gegenüber einem anderen (Chandler zu Bogart).

Eine Ehrung oder Huldigung Chandlers für Bogart, der für immer in Erinnerung aller amerikanischen Menschen geblieben ist, die ihn jemals in jenem Film gesehen haben?

Diese Zufälligkeit kann natürlich eine sehr attraktive Auslegung für die Schachspieler sein.

Vielleicht muss diese Geschichte nicht unbedingt zu einer tiefgründigen Überlegung anregen, aber zumindest ist es eine hübsche und seltsame Übereinstimmung:

Marlowe, ein Detektiv, der schon unter den amerikanischen Lesern einen grossen Erfolg hatte, spielt nun allein mit Schwarz die französische Verteidigung, genauso wie Rick (Humphrey Bogart) in dem Film Casablanca.


Hierbei darf nicht vergessen werden, dass Bogart schon einmal jenen Detektiven Marlowe in einem anderen, sehr erfolgreichen Film dargestellt hatte.

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Der Detektiv „Philip Marlowe“

Kommen wir noch einmal auf den Roman “Der lange Abschied” zurück.
Unmittelbar nach Beendigung der Partie, erhält Marlowe
einen Telefonanruf, der ihn ziemlich verärgert.
Jene Empörung nimmt er zum Anlass, den Nichtkennern des Schachspieles und seiner Geschichte zu erklären, wer
William Steinitz

 

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war und welche Partie er “gegen ihn” gespielt hat.

In Wirklichkeit hat er nicht richtig selbst gespielt, sondern eine andere, vor vielen Jahren gespielte Partie, aus einem Buch entnommen.
“Vielleicht hätte die Verärgerung über den Anruf mich so gestärkt, um Steinitz zu schlagen…..”

Allerdings starb Steinitz im Hinblick auf das Jahr des Romanes vor über 50 Jahren (1900), so dass sich die ganze Geschichte wohl im Nebel auflöst.

Sitges (Barcelona), im Januar 2010