Der Lehrmeister Philidors

De Sire Kermur de Légal
( ca. * 1702   ca. + 1792 )
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und das Café de la Régence.
 
 
De Kermur Sire de Légal war ein brillanter und kombinationsfreudiger französischer Schachspieler im 18. Jahrhundert.
Wie uns angegeben wird, war er auch der erste Berufspieler in jener Epoche.
Gleichzeitig wird er als einer der weltbesten Spieler in der Zeit von 1730 bis 1747 bezeichnet.
Während vieler Jahrzehnte bis ins hohe Alter widmete sich
De Kermur Sire de Légal dem Schachspiel.
Sein bevorzugter Ort war das Café de la Régence in Paris,
einem Treffpunkt für berühmte Persönlichkeiten wie
Napoleón Bonaparte, Jean-Jacques Rousseau, François André Philidor, Denis Diderot oder Benjamin Franklin.
 
 
In den späteren Jahren trafen sich dort weitere geniale Schachspieler wie Lionel Kieseritzky und Daniel Harrwitz.
Im Herbst 1843 war das Café de la Régence Schauplatz des Zweikampfs der beiden damals führenden Spieler der Welt,
Pierre Saint-Amant  und Howard Staunton.
 
 
Staunton siegte mit 11 zu 6 Gewinnpartien, vier Spiele endeten remis.
 
 
Während seiner Europareise hielt sich auch Paul Morphy,
um 1858/59 häufig dort auf und besiegte Harrwitz in einem match mit 5,5 zu 2,5.
 
Dies war der letzte große Höhepunkt in der Schachgeschichte des Cafés, danach begann ein langsamer Niedergang.
 
Aber auch später fanden noch einige erwähnenswerte Schachereignisse dort statt, so etwa 1894 ein Korrespondenzwettkampf gegen den Schachklub von Sankt Petersburg, der unentschieden endete.
Nach einem Besitzerwechsel wurde das Café im Jahr 1910 zu einem Restaurant umgebaut, so dass es in der Folgezeit seinen Charakter veränderte. Ein Großteil der Schachspieler zog daraufhin während des Ersten Weltkrieges in das Café de l’Univers um.
Das Restaurant, welches weiterhin historische Erinnerungsstücke aufbewahrte, bestand noch bis in die Mitte der 1950er Jahre.
Der französische Dichter und Philosoph
Denis Diderot
 
(* 1713  + 1784 )
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berichtet in seinem Buch “Rameaus Neffe“ (erstmals gedruckt in Goethes deutscher Übersetzung 1805 und danach in einer französischen Rückübersetzung 1821, um im endlich wiederentdeckten Originaltext 1891 erneut zu erscheinen.)
wie folgt:
“Wenn das Wetter zu kalt ist oder es zu viel regnet, bin ich in das Café de la Régence geflüchtet.
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Dort macht es mir ein grosses Vergnügen zu sehen, dass Schach gespielt wird.
Paris ist die Stadt der Welt und das Café de la Régence ist der Ort in Paris, wo man das beste Schach spielt.
 
Ich sehe dort den stürmischen und tiefgründigen Légal,
den scharfsinnigen Philidor, den erst zu nehmenden Mayot,
 
wie sie ihre überraschenden Züge ausführen, und wo man die schlimmsten (schachlichen) Vorhaben versteht.
Denn, wenn ein Mensch mit Scharfsinn und ein grosser Schachspieler wie Légal sein kann, sollte man sich trauen, auch ein grosser Schachspieler zu werden und kein Dummkopf wie Foubert.”
[…..]
 
“Aha, und Sie dort, Herr Philosoph, und was machen Sie hier
unter der Menge der Nichtstuer?
Mag es sein, dass Sie auch Ihre Zeit damit verlieren, Holzklötzchen zu schieben?
 
 
gemalt von Elke Rehder
 
 
Also auch ohne Rücksicht darauf, ob es sich nun um Schach oder das Dame-Spiel handelt?”
 
ICH.—Nein, aber, wenn ich nichts Besseres zu tun habe, macht es mir Spass, denen zuzuschauen, die gut spielen.”
 
 
ER.—In diesem Fall werden Sie selten Freude haben; es sei denn, es handelt sich um Légale und Philidor, denn der Rest versteht überhaupt nichts (vom Schach).”
[…..]
 
 
Zurückkommend auf De Kermur Sire de Légal
 
 
 
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dürfen wir eines der brillantesten Mattspiele vorstellen, das im Jahre 1750 dort gespielt wurde:
 
De Kermur Sire de Légal – Saint Brie
 
Café de La Régence, Paris, 01.01.1750
 
1.e4 e5 2.Sf3 d6 3.Lc4 Lg4 4.Sc3 g6 5.Sxe5 Lxd1 6.Lxf7+ Ke7 7.Sd5# 1–0
 
 
Siehe Diagramm der Endstellung:
 
 
Dieses Matt trägt bis heute den Namen “Légal-Matt”.
 
 
Leider sind uns weitere notierte Partien von Légal wissentlich nicht bekannt.
 
 
Schon ab 1741 war Légal der Schachlehrer von
François-André Philidor,
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der schnell grosse Fortschritte machte, dass er bald seinen Lehrer überholte und sich zum weltbesten Spieler ab Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelte.
 
 
Abschliessend die Abbildung des berühmten Buches von
Philidor “Analyse du Jeu des Échecs”, das erstmals in London im Jahre 1777 aufgelegt wurde (ebenso in englischer Version):
 
 
 
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Quellen: wikipedia.org, chessgames.com, Enzyklopädie Diderot
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Sitges (Barcelona), im April 2010