Korrektur einer Problemstudie

Erarbeitet von MN Hebert Pérez García, Holland
 
 
 
Text:
 
Schon vor einiger Zeit hatte ich das Vergnügen, die wunderschönen Problem- und Endspielstudien in der bekannten Internetseite
anzusehen und schaute lange auf das oben abgebildete Diagramm zu einer Endspielstudie.
Nach langem Analysieren kam ich zum Schluss, dass die Stellung nicht mehr als ein Remis für Weiss ergibt.
Nun war ich recht neugierig und wollte es genau wissen.
 
Also setzte ich mein computergestütztes “Kontrollsystem” in Gang, wobei ich verhältnismässig schnell eine Bestätigung meiner Annahme fand.
Kalgin hatte sich geirrt.
 
 
Weiss kann nicht bei einer sehr guten Verteidigung von Schwarz gewinnen.
Die Position auf dem Diagramm ist also remis.
 
 
Konstellationen
Gemalt von Joan Miró
 
 
Um nun ganz sicher zu gehen, nahm ich mit Mr. Marcel van Herck von ChessCafe Kontakt auf, um mir bestätigen zu lassen, dass die abgebildete Stellung richtig ist.
Der sehr liebenswürdige Schachpartner stimmte der Abbildung der Stellung und auch der Richtigkeit meiner Korrektur-Studie zu.
Also biete ich nun den geneigten Lesern meine Schlussfolgerungen wie folgt:
 
Kalgin M.
Sahkmaty 1972 _ HPG Korrektur 12.09.2009
[Hebert Pérez García]
Weiss zieht und gewinnt gemäss Kalgin.
 
Diese Bewertung ist unserer Meinung nach nicht richtig.
 
Die Positon auf dem Brett ist remis.
 
copyright elreves.files.wordpress.com
Sehen wir uns das einmal genauer an:
Analyse von M. Kalgin
 Weiss gewinnt wie folgt:
 

1 La3+ Kf7 { Wenn 1… d6 2 Kb7; o 1…Kg7 2 a5 dxc6 3 Lc5 Lh5 4 a6 Le2 5 a7 La6 6 Kb8 }

2 Kb7 { Wenn 2 a5 d6 3 Kb7 Ke6 4 a6 Kd5 5 a7 Lxc6+ 6 Kxc7 La8 }

2..dxc6 3 Lc5 { Wenn3 a5 c5 4 a6 Lb5 5 a7 Ld3.}

3….Ke6 4 a5 Kd5 5 a6 Kxc5 6 a7 10

Nun meine Kommentare:
 
1. La3+ [mit anderen Zügen kann Weiss auch nicht gewinnen, z.B.: {1. a5 dxc6 2. a6 (2. La3+ c5 3. Lxc5+ Kf7 4. Kb7 Ke6 5. a6 Lb5 6. a7 Kd7! = gefolgt von Lc6+} 2…c5 3. Kb7 Lh5=; 1. Kb7 dxc6 2. a5 c5 3. a6 Lh5=]
1..Kf7!= [Ein schlechter Zug wäre 1…d6? wegen 2.Kb7 Ke7 3.Kxc7 Ke6 4.Kb7 Kd5 5.c7 Ld7 6.a5+-] 2.Kb7 [ oder 2.Kb8 Ke6!= 3.a5 d6 4.Kxc7 Kd5=]
 
2…Ke6! Unsere Korrektur
[Wenn 2…dxc6? 3.Lc5!+-]
3.a5.. [Wenn 3.Kxc7 dxc6 4.a5 (4.Lc5 Lh5 5.a5 Le2=) 4…c5 5.a6 Kd5=]
3…d6 [3…Kd5 4.Kxc7 d6=] 4.Kxc7 Kd5 =  ½–½
 
Remis
 
Gemalt von Elke Rehder
 
Nun soll man auch nicht zu dick auftragen.
M. Kalgin hatte sicher im Jahre 1972 noch nicht die starken Computer-Programme für Schach, um alle möglichen Varianten der Problemstudien zu untersuchen.
Irren ist menschlich, und ungewollt kommt das immer mal wieder vor.
 
copyright wandelweb.de
Sitges (Barcelona), April 2010

Ein Gedanke zu „Korrektur einer Problemstudie

  1. Gerhard Josten

    Hier handelt sich es nicht um die Korrektur einer Studie, sondern um die Aufdeckung eines erheblichen Mangels. Solche Mängel finden sich übrigens sehr häufig in älteren Studien, aber auch neuere Werke sind nicht immer frei davon. Eine echte Korrektur befreit ein Werk von seinem Mangel. Das geht beispielsweise mit dieser Ausgangsstellung, für die hier leider kein Diagramm, sondern nur das EPD-Format eingefügt werden kann:
    2K3bk/2p1pp2/4P1pp/2P5/8/8/8/4B3 w – –
    Weiß zieht und gewinnt:
    ? – ?
    ?(?), 2010

    1.Lc3+ Kh7
    [1…f6 2.Kd7 +-]
    2.Kxc7 fxe6 3.Le5 +-

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