Louis Paulsen – als "Bahnbrecher" der modernen Schule

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   in jungen Jahren
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Hermann Louis (Ludwig) Paulsen
 
* 15. Januar 1833    + 18. August 1891 auf Gut Nassengrund bei
Blomberg, Fürstentum Lippe
war einer der stärksten deutschen Schachspieler des 19. Jahrhunderts.
 
Zusammengefasst: Louis Paulsen war der grösste Rivale von Paul Morphy nach Adolf Anderssen.
 
 
Im Jahre 1854 reiste er in die USA und gelangte dort bald als Schachspieler zu hohem Ansehen.
Zum grossen Teil verdankte er dies seiner Fähigkeiten im Blindspiel.
Im Jahre 1858 spielte er 10 Simultan-Partien blind und verlor nur eine.

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Louis Paulsen in den USA
 
Courtesy Arqto. Roberto Pagura, Buenos Aires
Ein Jahr später übertraf er simultan und blind seinen eigenen Rekord mit 15 Partien.
Im New Yorker Turnier (1st American Chess Congress) vom
5.10. bis 10. 11. 1857
musste er sich nur dem seinerzeit besten Spieler der Welt,

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Paul Morphy 
geschlagen geben:

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First American Chess Congress, New York, 1857,
a Picture History of Chess, Dover Publications 1981, p27,
 Morphy spielt gegen Louis Paulsen.
Endergebnis des Turnieres:
1. Morphy, Paul Charles
2. Paulsen, Ludwig
3. Lichtenstein, Theodor
4. Raphael, Benjamin I.
 
 
Nach sechs Jahren kehrte er wieder nach Europa zurück, wo er gegen die berühmtesten Spieler mit Erfolg kämpfte.
 
Er gewann das Turnier des 4. British Chess Association Congress in Bristol 1861:
 
 
1. Paulsen, Ludwig
2. Boden, Samuel Stamdodge
 
Weiterhin gewann er wichtige matches gegen
Ignatz Kolisch

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(1873-1889),
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1861 London mit +7 – 6 = 18 (16:15 Punkte)

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Max Lange (1832-1899)
 
copyright ballo.de
in Leipzig 1864 mit + 5 – 2 (5:2 Punkte)

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Gustav Neumann (1838-1881).
 
copyright wikimedia.org
in Berlin 1864 mit  + 5 – 2  = 3 (6,5 : 3,5 Punkte)
 
 
und Adolf Anderssen (1818 – 1879)

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courtesy Arqto. Roberto Pagura, Buenos Aires
in Berlin 1864 mit + 6 – 4 = 4 ( 8:6 Punkte)
 
 
In den Jahren 1871 (Krefeld), 1878 (Frankfurt) und 1880 (Braunschweig) gewann der die Meisterschaft des Westdeutschen Schachbundes und 1877 (Leipzig) des Mitteldeutschen

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Schachbundes.
 
 
Louis Paulsen war ein wahrhaftiger „Bahnbrecher“ der modernen Schule mit seinem methodischen und positionellen Spiel.
 
 
Er bevorzugte stets das Spiel mit den Läufern und hatte dazu noch die Fähigkeit der absoluten Präzision in den Endspielen.
Ausserdem war er grosser Analytiker und seine theoretischen
Beiträge zeichneten ihn besonders aus.
Ein Nachsatz von Wilhelm Steinitz:
 
Er designierte Louis Paulsen als einen der hervorragenden Pioniere der modernen Schachschule und führte u.a. noch weiter aus:
 „Paulsen  lenkte die Aufmerksamkeit zuerst darauf, dass
 
zwei Läufer

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gemalt von Elke Rehder
gegen Läufer und Springer

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gemalt von Elke Rehder
oder zwei Springer

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Gemalt von Elke Rehder
überlegen sind.“
 
 
Nach ihm – bzw. ursprünglich nach seinem älteren Bruder Wilfried – ist die
Paulsen-Variante in der Sizilianischen Verteidigung benannt:
1. e4 c5 2. Sf3 e6 3. d4 c5xd4 4. Sxd4 a6
 
 
Diagramm

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Anmerkung: von den 45 Partien, die er während seines Lebens gegen Anderssen spielte, gewann er 23, verlor 18 und 7 Remise.
Nachstehend einer seiner besten Partien:
Anderssen – Paulsen (Leipzig, 1876)

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copyright Tabladeflandes.com
1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Sf6 4.Lg5 Le7 5.Lxf6 Lxf6 6.Sf3 O-O 7.Le2 b6 8.O-O Lb7 9.exd5 exd5 10.Sb5 c5 11.c3 Sc6 12.Sa3 Dd6 13.Sc2 g6 14.Dd2 Tae8 15.Tad1 c4 16.Se3 Lg7 17.Tde1 f5 18.Sg5 h6 19.Sh3 f4 20.Sxc4 dxc4 21.Lxc4+ Kh7 22.Txe8 Txe8 23.Sxf4 Se5 24.Lb3 Te7 25.Lc2 Tf7 26.Sh5 Lxg2 27.Kxg2 Sf3 28.Sf4 Sxd2 29.Lxg6+ Kh8 0-1
Zum Nachspielen:
 
Nun noch ein “Familienfoto” des Turnieres in Barmen 1869:

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Schallopp, W. Paulsen, Anderssen, Hein, Minckwitz, Zukertort
copyright endgame.nl
Seine beste historische Elo-Zahl betrug 2.710 im Oktober 1862.
Über mehrere Jahre war er  die Nummer „1“ der Welt.
 
 
Louis Paulsen starb 1891 an Diabetes.

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copyright chessbase.de
Nachstehend ein Bild seiner letzten Ruhestätte in Blomberg, ehemaliges Fürstentum Lippe, das unser Schachfreund Rob Bijpost aus Holland dazu beigetragen hat:

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Quellen: Ajedrez32.com, Wikipedia.org
Sitges (Barcelona), im Oktober 2010