Reportage über Capablanca und Manhattan Chess Club

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     in der Tageszeitung Crítica
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Übersetzung:
 
Am 7. März 1942 befand sich Capablanca im Manhattan Schachclub in New York.*
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Der humorvolle Kubaner scherzte über einige Züge, die sich auf den Schachbrettern der Mitglieder ergaben.
Plötzlich und völlig überraschend stand er auf und rief:
“Helft mir, den Mantel auszuziehen…..!”
Die herbeieilenden Clubspieler konnten ihn nur noch in ihren Armen auffangen.
Er war inzwischen ohnmächtig geworden und wurde sofort in das
Hospital Monte Sinaí von New York gebracht.
Am Morgen des 8. März verstarb er aufgrund einer Gehirnblutung als Konsequenz seines hohen Blutdruckes, unter dem er schon seit einigen Jahren litt.
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José Raúl Capablanca kurz vor seinem Ableben
 
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Das letzte Bild von ihm………
 
 
copyright Diario Crítica

Seine Grabstätte auf dem Friedhof
Necrópolis de Cristóbal Colón, La Habana
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Fast genau ein Jahr vorher war Dr. Emanuel Lasker in demselben Krankenhaus verstorben.
Capablanca’s Ableben, eine Nachricht, die sich schnell über die ganze Welt verbreitete, erschütterte alle Schachspieler der damaligen Zeit.
Die grossen Meister aus jener Epoche, einschliesslich Alexander Aljechin, sprachen ihr bestürztes Beileid aus und bezeichneten
den begnadeten Kubaner als den grössten Schachspieler aller Zeiten.
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Die Sterbebescheinigung
 
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José Raúl Capablanca wurde mit allen Ehren in La Habana begraben.
 
General Fulgencio Batista, Präsident von Kuba, übernahm selbst die Ausrichtung der Bestattung.
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Eine grosse Anzahl von Trauergästen an dem
aufgebahrten und blumengeschmückten Sarg
 
 
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Capablanca verstarb im Alter von 53 Jahren und 109 Tagen.
 
 
Das Ableben Capablancas in den Medien:
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Im Jahre 1951 legte die kubanische Post eine Gedenkmarke von 25 centavos auf mit dem Abbild des Schachmeisters:
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Die Bewertung seiner Schachlaufbahn:
 
In seiner gesamten Laufbahn musste Capablanca bei den bekannten Partien weniger als 50 Niederlagen hinnehmen.
Bei den offiziellen Partien verlor er nur 35 – also 6%.
Er blieb während 8 Jahren ungeschlagen vom 10. Februar 1916, als er bei einer besseren Stellung gegen Oscar Chajes
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Oscar Chajes in der Mitte des Bildes
 
 
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verlor, bis zum 21. März 1924, als er gegen Richard Réti
während des internationalen Turnieres in New York unterlag.
Es handelt sich hierbei um einen Rekord von 63 Partien, wobei
das äusserst stark besetzte Turnier von London 1922 und den
WM-Kampf 1921 gegen Dr. Emanuel Lasker einbezogen sind.
 
 
In der Tat, nur Frank Marshall, Dr. Emanuel Lasker, Alexander
Aljechin und Rudolf Spielmann gewannen zwei oder mehrere
offizielle Partien eigentlich gegen einen schon älteren Capablanca.
Wenn man die Gesamtergebnissse zwischen den Kontrahenten
ansieht, dann sind sie aber postiviv für Capablanca wie folgt:
(Capablanca besiegte Marshall mit + 20 – 2 = 28,
Dr. Lasker + 6 – 2 = 16, Aljechin + 9 -7 = 33) mit der
Ausnahme gegen Spielmann mit dem ausgeglichenen Ergebnis
von + 2 – 2 = 8).
Wenn wir auf die Weltelite schauen, kam nur Paul Keres auf ein
minimal besseres Ergebnis (+ 1 – 0 = 5), ein Erfolg, der sich
aber erst einstellte, als Capablanca schon 50 Jahre alt war und
sich am Ende seiner Schachlaufbahn befand.
Seine historische und durchschnittliche Elo-Bewertung lag bei
2.725 Punkten.
 
* Nachsatz:
 
 
Der Manhattan Chess Club mit Sitz in New York
war ein traditionsreicher Schachverein in den Vereinigten Staaten, der im
amerikanischen Schach jahrzehntelang eine Führungsrolle
innehatte. Er zählte zwei Schachweltmeister zu seinen
Mitgliedern und ist eng mit der Schachgeschichte verbunden.
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Die offizielle Gründung des Schachvereins erfolgte im November
1877 im zentralen Stadtteil Manhattan.
 
 
 
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In den Jahren 1890 und 1891 fand in Vereinsräumen der
Weltmeisterschaftskampf zwischen Wilhelm Steinitz und Isidor
Gunsberg statt.
 
 
 
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1905 trat der spätere kubanische Weltmeister José Raúl
Capablanca dem Verein bei, dem er stets verbunden blieb. Der
Manhattan Chess Club war Veranstalter der berühmten New
Yorker Schachturniere von 1924 und 1927; sie wurden von
Emanuel Lasker bzw. Capablanca gewonnen.
 
 
New York 1924
 
 
New York 1927
 
 
 
Am 7. März 1942 erlitt Capablanca im Vereinslokal, während er
einer Partie zusah, einen Schlaganfall, an dessen Folgen er am
nächsten Tag starb.
Unter den Schachmeistern, die im Manhattan Chess Club ihren Aufstieg erlebten, waren Samuel Reshevsky:
 
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Bobby Fischer, der seit 1955 Vereinsmitglied war:
 
 
 
Courtesy Arqto. Roberto Pagura Buenos Aires
William Lombardy:
 
 
 
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und Arnold Denker:
 
 
 
Obwohl der Manhattan Chess Club im Laufe seiner Geschichte
seinen Spielort öfters wechselte, besaß er in guten Zeiten
mehrere hundert Mitglieder. Verschiedentlich richtete der Verein auch die
amerikanische Landesmeisterschaft aus.
Auch die Klubmeisterschaft zählte zu den traditionell herausragenden
Schachturnieren der USA.
 
 
Als mehrere Wallstreet-Manager starben,
 
 
 
die die maßgeblichen Sponsoren des Vereins stellten, war die
finanzielle Existenz gefährdet. Erschwerend kam hinzu, dass die
„American Chess Foundation“:
 
 
 
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der das Gebäude gehörte, in dem der Verein seinen Sitz hatte, in
die Hände von Nichtschachspielern fiel. Damit begann die
Schlussphase in der Geschichte des berühmten Klubs. Der
Mietvertrag wurde beendet, und obwohl der Verein im Jahr 2001
vorübergehend einen neuen Spielort in einem Hotel fand,
erwiesen sich die organisatorischen Probleme als unlösbar.
Schließlich stellte der Manhattan Chess Club im Januar 2002
nach 124-jährigem Bestehen seine Tätigkeit ein.
 
 
Quellen: Liga Nacional de Ajedrez, Arg.
Sitges (Barcelona), im Oktober 2010

4 Gedanken zu „Reportage über Capablanca und Manhattan Chess Club

    1. Frank Mayer Beitragsautor

      Danke! Danke! Ich gebe mir auch viel Mühe. Allerdings hatte ich bei dem Schalten der Aufnahme von Capa im Sarg meine Bedenken. Nun ist das Bild drin und bleibt auch dort.
      Beste Grüsse Frank

      Antworten
  1. Kevin Maier

    Lieber Herr Mayer,

    ich lese die Schachtexte immer wieder gerne und drucke sie mir aus, dann kann ich sie immer sonntags morgens zusammen mit der bild am sonntag bei Pankakes und Kaffe geniessen. Einfach nur unbeschreibbar!
    Auch die zahlreichen Bilder, wie bekommen Sie das hin? Schon allein diese Bilder einzufügen, ist eine Leistung, der nichtmal ich gewachsen bin.

    Dickes, dickes , dickes Lob von meiner Seite!

    Warum fragen Sie eigentlich nicht mal bei bild an, ob bild an einer zusammenarbeit interessiert wäre? Die Artikel im besten, informativsten Heft Deutschlands zu lesen wäre doch gut passend.

    Beste Grüße und viel Erfolg

    Kevin

    Antworten

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