Alexander Tolusch “Der Lehrmeister der Romantik”


 

  

 

    als Offizier der Roten Armee

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Seine Lebensgeschichte:

 

Alexander Kazimirovich Tolusch wurde am 1. Mai 1910 unter dem Sternzeichen


 

  

 

in St. Petersburg geboren und starb auch in seiner Heimatstadt am 3. März 1969.


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Allerdings wurde St. Petersburg während der Zeitspanne von 1924 bis 1991 in Leningrad umbenannt.


 

Leningrader Kodex

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 Wahrscheinlich war Tolusch wohl ein weniger bekannter Angriffspieler im russischen Schach, jedoch belegte er eine der ersten Ränge hinsichtlich schöpferischer und spektakulärer Partien.

 

Seine ersten “Schachschritte” vollzog er in seiner Geburtsstadt, wobei der dann Leningrader Stadtmeister in den Jahren 1937

(geteilter 1. Platz), 1938, 1946 und 1947 (geteilter 1. Platz) wurde.

 

Bereits im Jahre 1935 überraschte er die Schachwelt, als er bei einer Simultanvorstellung von José Raúl Capablanca den Meister besiegen konnte.


 

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Wir dürfen hierzu erwähnen, dass es bei den sowjetischen Schachverbänden seinerzeit ziemlich üblich war, überaus talentierte und fast meisterähnliche Spieler dem Simultangeber vorzusetzen.

 

Seine erste offizielle Teilnahme fand bei den sowjetischen Meisterschaften (Halbfinale) 1938 statt, bei denen er einen ehrenvollen 8. Platz erzielte – schon ein beachtliches Ergebnis bei seinem ersten offiziellen Turnier.

Dieser Platz gab ihm den Fahrschein, an seiner ersten Landesmeisterschaft der Sowjetunion teilzunehmen.

Allerdings war dieses Turnier äusserst stark besetzt, so dass er nicht gut abschnitt und auf dem 15. Platz landete mit 6,5 von 17 möglichen Punkten.

Von jener Zeit an war er aber ein regelmässiger Teilnehmer an diesen wohl stärksten Turnieren in der russischen Schachgeschichte.

 

Seine beste Leistung fand während der sowjetischen Meisterschaft 1950 statt. Er blieb nur einen halben Zähler hinter

Paul Keres, dem Turniergewinner.


 

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Aufgrund dieses Erfolges wurde ihm der Titel des “Internationalen Meisters” zuerkannt.

Anlässlich der Meisterschaften 1957 war Alexander Tolusch nahe daran, die “meisterliche Fackel” seines Vorgängers zu übernehmen, als er in der letzten Runde auf Mikhail Tal traf,


 

 der dieselbe Punktzahl hatte.

Nach einer spannungsreichen Königs-Indischen Verteidigung


 

 

Tal  1 – Tolusch  0 Tal    : weiss Moskau  1957  Tolusch : schwarz

1. c4 / Sf62. Sc3 / g6 3. e4 / d6 4. d4 / Lg7 5. f3 / e5 6. Sge2 / Sbd7 7. Lg5 / c6 8. Dd2 / 0-0 9. d5 / c5 10. g4 / a6 11. Sg3 / Te8 12. h4 / Da5 13. Lh6 / Sf814. h5 / Dc7 15.Ld3 / b5 16. 00-0 / bxc4 17. Lb1 / Lh8 18. Tdg1 / Tb819. Sf5 / S6d7 20. Lg5 / Lg7 21. Sxg7 / Kxg7 22. Lh6+ / Kg8 23. f4 / exf424. Dxf4 / Dd8 25. hxg6 / Sxg626. Dh2 / Sde5 27. Lf4 / Sf8 28. Dh6 / Seg6

29. Lg5 / f6 30. e5 / Txe5 31. Lxg6 / Tb7 32. Se4 / fxg5 33. Tf1 / Txe4

34. Lxe4 / Tg7 35. Tf6 / Lxg4 36. Thf1 / Sd7 37. Txd6 / De7 38. Txa6 / Kh8

39. Lxh7 / Sb8 40. Lf5+ / Kg8 41. Le6+ / Lxe6 42. Txe6 / 1:0

Nach 29. ….f6

siehe die Partie zum Nachspielen:

http://www.chessgames.com/perl/chessgame?gid=1139349

 gewann Mikhail Tal die Partie gegen Alexander Tolusch,


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der sich schliesslich mit dem geteilten 4./5. Platz zufrieden geben musste.

Diese guten Vorstellungen auf dem Schach-Parkett räumten ihm das Recht ein, sich mit den besten Schachspielern zu messen;

allerdings hatte er sichtlich Schwächen in der Eröffnungstheorie, so dass ihm der Sprung nach ganz oben verwehrt blieb.

Diesen Mangel glich Alexander Tolusch mit einem agressiven Spielstil aus, der es ihm erlaubte, unglaubliche Kombination zu stricken und auch seine Hartnäckigkeit mit dem Kampf bis zum letzten Zug brachten ihm mehr und mehr Schachfreunde.

 Seinen grössten Turniererfolg errang Alexander Tolusch beim internationalen Turnier von Bukarest 1953, wo er nur dem späteren Weltmeister von 1957-1958 Wassili Smyslow unterlag,


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aber das Turnier vor weiteren Spielern wie Petrosjan, Boleslawski und Spasski gewann (+9 – 1 = 8).

  Bukarest 1953

(wenn man auf die Tabelle klickt, wird sie grösser)

 

Aufgrund dieser Leistung erhielt Alexander Tolusch vom Weltschachverband FIDE den Grossmeister-Titel verliehen.

Ausserdem gewann er noch ein weiteres internationales Turnier in Warschau 1961, allerdings mit nicht so starker Besetzung.

Selbstverständlich wurde er mehrmals in die sowjetische Nationalmannschaft berufen.

Nachstehend seine Turnierergebnisse:

Resultate von Alexander Tolusch

 


Die Tatsache, dass Alexander Tolusch uns noch so gegenwärtig ist, besteht darin, dass er der Trainer von Boris Spassky während vieler Jahre war, und diesen zu einem virtuosen Angriffsspieler machte. Während jener Jahre entwickelte Spassky wohl seine sehenswertesten Spiele mit zahlreichen Erfolgen.


           in Bukarest 1953

Boleslavsky, Smyslov, Petrosian, Tolusch und ein junger Mann mit dem Namen Spassky

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1965 wechselte Spassky seinen Trainer, um das Positionsspiel und auch die Eröffnungstheorien zu verbessern.

Der Grund “dieser Rückkehr zu seinem ursprünglichen Spielstil”

hatte damit zu tun, dass er berufen war, um die Weltmeisterschaft zu spielen. Dadurch erreichte er, dass er die Positionen besser bewerten und seine Vorstellungskraft entwickeln konnte.

Bedauerlicherweise konnte Alexander Tolusch seinen ehemaligen Schüler nicht mehr als Weltmeister erleben, als er gegen Tigran Petrosjan den Revanchekampf 1969 gewann, weil er vorher verstarb.


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Um das wirkliche Erbe von Alexander Tolusch zu erfassen, geben wir einige diesbezügliche Worte von Viktor Korchnoi

wieder:

Spassky hatte in seiner Jugendzeit das Glück einen Trainer wie Tolusch zu haben, denn, wenn ich jenen Trainer gehabt hätte, wäre ich wesentlich schneller vorangekommen.”

Abschliessend dürfen wir noch einmal verstärkt auf seine Spielweise verweisen:

“Er war stets ein Spieler, der der Schönheit des Spieles und den Kombinationen Vorrang gab und  nicht unbedingt auf das Ergebnis der Partie zielte.

Als Liebhaber komplizierter Positionen bevorzugte Eröffnung er das Königsgambit


 

(eine Eröffnung, die aus der romantischen Epoche stammte), gelegentlich von Spassky gespielt.

Es mag sein, dass Alexander Tolusch nicht unbedingt durch seine Ergebnisse hervorragte, von seinen Partien jedoch kann man viel lernen.

Eine kleine Anekdote am Rande:

Als seine Gegner merkten, dass Tolusch einen Angriff entfesselte,  sagte er laut zu sich selbst: “Kasymirich, avanti!

(Kasymirich war der Name seines Vaters)

Sobald die entsprechenden Gegner diese Worte hörten, fingen einige schon an zu zittern vor dem, was auf sie zukam.

Hinzu kommt, dass er sowohl er ein berufener Schriftsteller in Sachen “Schach” war als auch Analytiker von Partien mit Kommentaren, die von all seinen Kollegen geschätzt wurden.


 

Die Statistik seiner offiziellen Partien ist wie folgt:

83 Siege, 63 Niederlagen und 93 Remise mit einem Durchschnitt von 47,9 %.

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Quelle: Javier Cordero Fernández (Ajedrez de ataque)

Sitges (Barcelona), im November 2010

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