Schach und Humor


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Nachstehender Schulaufsatz über das Thema

„Welches Spiel ist das Schönste“

wurde in der Schachspalte der “Allgemeine Zeitung” – Mainz

 

veröffentlicht um das Jahr 1960.

 Aufgefunden von Schachfreund Erich Hebel

Angepasst und illustriert von Frank Mayer

 

„Das schönste Spiel „

 Karlchen Ludens schrieb einen Aufsatz über das Thema.

 „Welches ist das schönste Spiel ?“


 

Karlchen schrieb: Das schönste Spiel ist das Schachspiel, darum wird es immer wieder gespielt, und zwar schon sehr lange.


Gemalt von Elke Rehder

Es ist so alt, dass man garnicht recht weiss, wie alt es ist.


Manuscrit du XIIIe siècle
Abbaye benedictine de Beuron en Baviere

Wahrscheinlich ist es noch viel älter. Ich hab es von meinem Papa gelernt, der ist Klubmeister bei die Gambitfreunde.

Am Klubabend darf ich nicht mit, da spielen sie ins Bartmanns, aber am Sonntag, nach dem Sportplatz gehe ich mit meinem Papa ins Kaffee Müller.


Gemalt von Gerd Borris

Da ist es lustig.

Er sagt, bei Kaffeehauspartien kann er besser opfern und es koscht ja nix, wenn er verliert. Er verliert aber sowieso nicht. Man muss nur schauen, dass man möglichst viele Figuren grabscht.

Jeder Spieler hat 16 Steine, wo aber aus Holz sind. Der, wo schwarze Figuren hat, heisst der Schwarze und der, wo gelbe hat, heisst Weisser.


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Die werden auf den schwarz-weissen Feldern hin und hergezogen, wo aber im Klub braun und weiss sind. Es ist dort überhaupt alles anders, weil das Brett ein Waxtuch ist.

Wenn Halbzeit ist, dann hat einer meistens schon die Dame verloren. Das kommt vom Fingerfehler. Er braucht aber nicht zu verlieren, weil er vielleicht noch eine Gabel geben kann oder ein Quetschmatt, wenn der andere kein Luftloch hat.


Ein ersticktes Matt – gemalt von Elke Rehder

Jeder darf immer nur einen Zug machen, aber einmal auch zwei zusammen.

Dann muss der andere sagen: „Was, der Kerl röchelt noch?“

Wenn sie aber Turnier spielen, dann dürfen sie gar nichts sagen, blos zum Schluss, da sagt der Verlierer:

“Die Partie war für mich gewonnen, ich hab’ viel besser gestanden.”

Und dann wirft er die Figuren um, wenn er dem Gegner nicht die Hand geben will.


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Ich habs auch mal so gemacht, da hat mir mein Vater eine runter gehaut und gesagt, dass ein Sportler Fairnis zeigt.

Im Kaffee darf man sprechen und den Gegner uzen.

Man kann z. B. sagen: Warum spielst du eigentlich Schach, wenn dus garnicht kannst?

Oder: Armer Mensch, wo geht jetzt deine Alte hin?

Man muss viele Schachsprüche kennen! Manchmal kann man den

Gegner damit teuschen, wenn man schlecht steht, sagt man:

Ich bite remis an!

Wenn man gut steht, soll man sagen: Jetzt müsste man schachspielen können!

Mein Papa kann auch ohne Sprüche gewinnen, weil er Meister ist.

Im Club nennen sie ihn den kleinen Morfi!!


Meine Mutter kann das Spiel nicht leiden.

Früher hat sie immer furchtbar geschimpft, wenn Papa eine gute Anneliese gehabt hat.

Jetzt sagt sie nichts mehr, wenn wir zwei anneliesieren.


Gemalt von Vieira Da Silva (1908-1992)

Was will sie machen wenn es Zeit ist, dass die Fernpartie fortgeschickt wird, weil sie in Amerika und Australien schon drauf warten?

Ich habe schon viele Ausländerbriefmarken!! Mein Freund Karl ist arg neidisch drauf. Er soll halt seinen Vater auch das Schachspiel lernen, dann kriegt er auch Briefmarken.


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Mein Papa studiert das Schach-Echo, wo schlaue Triggs drinstehen. Auch kann er es garnit erwarten, bis samstags die Zeitung kommt, wegen der Probleme. Dann schimpft die Mutti immer, weil das Klo solange zugeschlossen ist. Wenn Papa herauskommt, hat er immer ein Problem gelöst! Er sagt dann: Da wird sich der Problemonkel wieder wundern, wenn die Drohungen nicht alle aufgeschrieben werden.


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Gestern habe ich meinen Freund pfundig mattgesetzt mit einem Springer, wo auch die Dame und einen Turm und einen Bauern hätt schlagen können.

Das ist das Familienschach und ein schrecklich giftiger Zug. Mein Papa will ietzt eine Stellung bauen, wo der Zug noch schrecklicher wird!! Das bringt der fertig!!


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Ja, so schön ist das Schachspiel!!


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Sitges (Barcelona) im November 2010

4 Gedanken zu „Schach und Humor

  1. Frank Mayer Beitragsautor

    HMarkus von schachmatt.de:
    Wundert mich nicht, dass dieser in miserablem Deutsch verfasste Aufsatz Ihnen gefällt – muss man das siebzigste Lebensjahr überschritten haben, um so etwas originell zu finden?!

    Antworten
  2. Peter Grumann

    Wundervoller Text aus der Sicht eines 10-jährigen. Ich bin zwar nicht über 70, aber dennoch hoffentlich geistig so jung geblieben, um dem Jungen sein „miserables Deutsch“ nachzusehen und sogar durch seinen Text angeregt worden zu sein, wieder einmal die Lausbubengeschichten von Ludwig Thoma
    hervorzuholen. Danke, Frank Mayer!
    Peter Grumann

    Antworten
  3. Erich

    Hallo ! HMarkus hat die Pointe des Schulaufsatzes
    wohl nicht erfasst ! Er sollte darüber nachdenken
    und nicht so unqualifiziert losplappern !
    Er vergleicht den Text mit der „Muppets-Show“ ?
    Nun, zu seinem Kommentar fällt mir „Heinz Becker“ ein:
    Er würde sagen in Saarländisch: Dummbabbeler !
    Jeder blamiert sich so gut er kann !

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  4. Christian

    Eine wundervolle Geschichte..bzw. Sichtweise eines Kindes…von der alle Erwachsene etwas lernen können…vorallem solche für die nur Intellekt und Verstand in Perfektion von Bedeutung sind.
    lg Christian

    Antworten

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