Der Männlichkeitskult


 

 

 

  

  

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–         von Juan-Antonio Montero

–         übersetzt, ergänzt und illustriert von Frank Mayer

 

Text:

 

Die Figur der Dame oder Königin im Schach hat eine sonderbare Geschichte.

Als dieses Spiel vor 15. Jahrhunderten in Indien geboren wurde, gab es keine “weibliche” Figur auf dem Brett.

Neben den König stellte man eine Figur, der wie ein Wesir aussah und hatte eine höhere Bewertung als ein Bauer.

Ausserdem hatte er nur die Hälfte der Zugmöglichkeiten des Königs:


 

 

  

 

 

 

 

Hier haben wir eine arabische Figurenaufstellung bei Spielbeginn:

 

 

 



 

 

Der Läufer wurde durch einen Elefanten dargestellt, der schräg ins übernächste Feld sprang.

 

 

Die ursprünglichen Figuren lt. Joachim Petzold aus seinem Buch „Das königliche Spiel“ von 1987:


 

   

 

oben von links: Elefant, Wesir und Schah

unten von links: Turm, Ritter und Bauern.

 

(Anmerkung: Warum der Springer als Ritter bezeichnet

wird, mag hier offen bleiben)

 

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Als die Araber in Spanien einfielen, brachten sie das Schach mit.

Die Christen übernahmen mit Leidenschaft dieses Spiel, Männer und Frauen fast gleich.

 

Eine dieser Frauen, die das Schach spielte, war die Königin

“Isabel La Católica”, eine Königin, die nicht eine dekorative Person war, sondern sie übte soviel Macht aus wie ihr Gemahl Fernando.


 

 

  

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Während ihrer Herrschaft wurde irgendwo in Spanien die Figur der Königin oder die Dame des Schachs erfunden.

Gleichzeitig ersetzte sie den “kurzschrittigen” Wesir aus dem Urschach.

 

 

Diese Dame, mit einer grossen Wirksamkeit und Beweglichkeit ausgestattet, verlieh dem Spiel eine neue Vitalität und Lebenskraft.

 

Klar ist, dass diejenigen, die diese Figur mit ihren Funktionen erfanden, damit der Königin Isabel la Católica eine Ehrung und Huldigung erweisen wollten, wobei somit eine Schachdame geschaffen wurde gemäss ihrem Ebenbild und  fast soviel Wert wie der König auf dem Brett hatte.

 

Dies hier ist nicht unbedingt eine Geschichte des Männlichkeitskultes.

 

 

Viele andere Frauen wie z.B. Santa Teresa (1515-1582)


 

 

  

 

 Gemälde von Paul Rubens

(1577 – 1640)

 

 

waren auch begeisterte Anhängerinnen und niemand stellte sich in den nachfolgenden Jahrhunderten die Frage nach einen Unterschied zwischen Männern und Frauen bei Schachspielen.


 

 

 

 

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Dann gab es aber eine Zeit, als sich in Europa einiges änderte.

Die Wandlung traf mit der romantischen Epoche im 19. Jahrhundert zusammen, als die Frauen als ein schutzbedürftigtes Wesen und nur noch als Liebesobjekt für den Mann betrachtet wurden.

 

Diese romantische Liebe wurde von manchen Fachleuten als Ursprung der häuslichen Gewalt gegenüber den Frauen gewertet.

 

Eingebundene süsse Botschaften wie: “Die Liebe kann alles”,

“Wer Dich richtig liebt, wird Dich zum Weinen bringen” oder

“Ich werde Dich niemals verlassen” belegen die Unterwerfung der Frau gegenüber dem Mann.

 

Kommen wir wieder zum Schach und stellen fest, dass der Männlichkeitskult seinen Höhepunkt in den 20iger Jahren des vergangenen Jahrhunderst fand, als

 

Vera Menchik


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als eine grossartige Schachspielerin immer wieder von ihren männlichen Kollegen diskriminiert wurde und musste eine vermutliche “Schmeichelei” des Weltmeisters


 

 

  

 

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anhören,

 

“weil sie die einzige Frau sei, die wie ein Mann spiele.”

 

Nun, sie nahm diese Aussage als einen schlechten Scherz entgegen von den vielen, die sie ertragen musste.

 

Eine ziemlich humorvolle Kurzgeschichte, die sich ein wenig über diese romantischen und schmeichelnden Redewendungen lustig machte, erschien im Jahre 1941 in dieser grossartigen Zeitschrift

 

mit dem Namen “La Codorniz”


 

 

wie folgt:

 

–         Eugen, diese unsere Liebe, die ewig halten sollte, ist nicht mehr wie vorher.

–         Wieso, ist sie nicht mehr wie vorher? Wie vorher, als was?

–         Wie ich Dich vorher Eugen nannte.


 

  

 

Verlorene Liebe

 

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Sitges (Barcelona) im Dezember 2010

2 Gedanken zu „Der Männlichkeitskult

  1. Frank Mayer Beitragsautor

    Meister Kiffing schreibt:
    Ein paar Ergänzungen:

    Zu den Frauen, welche die Männer damals inspiriert haben, gehört auf jeden Fall noch Jean d´Arc.

    Ein Grund für die Regeländerungen an der Schwelle zur Neuzeit war der Humanismus und das neue Zeitalter. Amerika war entdeckt worden und es gab viele neue Erfindungen. Der Mensch wollte sich befreien von der quälenden Langsamkeit des Mittelalters und mehr über sich und die Welt entdecken. Da paßte die ursprüngliche Langsamkeit des Schachs nicht mehr in die damalige Zeit.

    Die schnellere Beweglichkeit der Figuren korrespondierte mit den neuen Kampfmethoden. Es gab nun moderne Kavallerie, die sich sehr schnell bewegte, und die einzelnen Einheiten wurden generell durch die Erfindung des Schießpulvers stärker.

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