George Mackenzie – Ein Feuerwerk auf dem Brett


 

 

 

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George Henry Mackenzie wurde am 24. März 1837 in Bellefield, Ross-shire (Schottland) geboren und starb am 14. April 1891 in einem New Yorker Hotel an Tuberkulose im Alter von 54 Jahren.

 

Mackenzie lernte schon in seiner Jugend das Schachspiel, aber nichts liess vermuten, dass er sich eines Tages zu einem Berufsspieler und einer der besten Spieler seiner Zeit entwickeln würde.

Der Hauptgrund lag wahrscheinlich in seiner militärischen Berufung. Schon mit 19 Jahren trat er in den Dienst der britischen Armee der Division “British King’s Royal Rifle Corps”.

Er kämpfte als Leutnant in Irland und Indien, u.a. bei der Niederschlagung des Aufstandes von Sepoy (1857-1859).

 

Aber zum Glück für die Schachwelt verliess er 1861 den Militärdienst und entwickelte sich danach zu einem Berufsspieler.

Sein erster Kontakt zu den schachlichen Wettkämpfen hatte er in Irland. Dort traf  er auf den Landesmeister George Alcock MacDonnell,


 

  

 

George Alcock MacDonnell

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einen Priester aus Berufung, der auf einem hohen Niveau spielte trotz seiner beschränkten Zeit im Kirchendienst.

 

Mackenzie zeigte, dass er ein viel versprechender Spieler werden konnte, da er seinen Gegner klar mit 6,5 zu 3,5 (+6 -3 = 1) besiegte.

Ausserdem gewann er 1862 ein handicap-Turnier in London vor dem mit Mythos behafteten

Adolf Anderssen:


 

 

 

 

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Klassifikation:

 

1. MACKENZIE, George Henry

2. DEACON, Frederick Horace

3. ANDERSSEN, Adolf

4. HANNAH, James Washington

5. GREEN, Valentine

6. SOLOMONS, Moses

 

Im Jahre 1863 reiste er in die Vereinigten Staaten, um seine schachliche Laufbahn fortzusetzen. Jedoch traf er zu einen ungünstigen Zeitpunkt ein, insofern als sich das Land inmitten des Bürgerkrieges befand.

Bedauerlicherweise fanden dort wenige Turniere statt und so kam es, dass viele Spieler oft ein Jahr warten mussten, um wieder an offiziellen Wettkämpfen teilnehmen zu können.

 

Aufgrund dieser Umstände wollte er sich wieder vom Schach zurückziehen und schloss sich dem Union-Heer an. Schon nach wenigen Monaten wurde er zum Kommandanten befördert, und man beauftragte ihn mit der Führung eines Regimentes.

 

Warum genau wissen wir nicht, aber schon nach wenigen Wochen seiner Ernennung desertierte er. Allerdings kehrte er kurz darauf wieder zurück, wurde aber wegen seiner Desertierung verurteilt und musste dafür ein paar Jahre ins Gefängnis.

Nach seiner Entlassung hatte er von dem Militärdienst genug und nahm erneut 1865 in New York die berufliche Schachlaufbahn auf.

Er schrieb auch für die Zeitschrift “Field, and Turf, Farm” einige Schachartikel.


 

  

 

Die schachlichen Wettkämpfe liessen ihn dann nicht mehr los.

Er stellte sich in einem match dem amerikanischen Meisterspieler

Gustavus Reichhelm, den er leicht mit 5,5 zu 0,5 Pnkten besiegen konnte.

Ein Jahr später, also 1866 traf er wieder in einem match auf denselben Gegener, den er erneut schlagen konnte und dadurch zum amerikanischen Landesmeister ernannt wurde.


 

  

Rechts: Gustavus Reichhelm (1839-1905),

mit  Emanuel Lasker (Philadelphia, 1892)

 

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1869 nahm er an einem weiteren Turnier in New York teil, das er auch gewann.

Allerdings handelte sich um einen recht seltsamen

Wettbewerb, der heutzutage undenkbar wäre.

Vielleicht war jenes Turnier auch das längste in der ganzen Schachgeschichte.

Es nahmen 48 Spieler teil, und man spielte doppelrundig.

Mackenzie gewann 82 Partien und verlor nur 8 Begegnungen.

(Wir gehen davon aus, dass die sich ihm stellenden Gegener kein so hohes Spielniveau besassen).

Es wurden insgesamt 2.256 Partien gespielt.

 

Auf amerikanischem Boden hatte er letztendlich keinen gleichwertigen Gegner mehr, denn er gewann sämtliche Wettbewerbe.

 

Nach Europa zurückgekehrt, setzte sich seine Siegeserien fort. Hier waren die Gegner doch wesentlich stärker, so dass es immer schwieriger wurde, ein Turnier zu gewinnen.

Mackenzie erlangte einen hohen Bekannheitsgrad und wurde als einer der besten Spieler der Welt in jener Zeit betrachtet.


 

  

George Herny Mackenzie

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Sein bestes Ergebnis errang er im Jahre 1887 bei dem vom Deutschen Schachkongress organisierten Turnier.

 

Frankfurt am Main war der Ort, an dem der 5. Kongress des Deutschen Schachbundes abgehalten wurde.

Damit verbunden war ein international besetztes Turnier, das vom 17. bis 31. Juli 1887 stattfand.

 

Nachstehend die Tabelle:

 

 

Überhaupt gewann er gegen alle, nur Wilhelm Steinitz


 

 

  

 

 Courtesy Arqto. Roberto Pagura, Buenos Aires

 

– ausser einem oder 2 Remisen –  war unüberwindlich für ihn.

 

Dieser Turniersieg in Deutschland war der erste Triumph eines amerikanischen Schachspielers ausserhalb seines Landes.

(Er spielte unter der amerikanischen Flagge bei verschiedenen Tunieren).

 

Im Jahre 1888 wurde er schottischer Landesmeister, wobei er seine doppelte Staatsangehörigkeit nutzte.

 

Nachstehend eine Auflistung seiner Schacherfolge:

Enthält alle Turniere, an denen Mackenzie teilnahm.

Ergebnisse der Einzel-matches

 

Sein letztes Auftreten bei einem Turnier war 1890, dem britischen Schachkongress, wo er den 3./4. Platz erreichte.

Ein Jahr später starb er in einem New Yorker Hotel an Tuberkulose.

Wir ersparen den geneigten Lesern die unrühmlichen Worte von William Steinitz zu dem Ableben eines seiner grössten Wettbewerber.

 

Mackenzie’s Stil war klar beeinflusst von den Idolen Morphy und Anderssen.

Das führte dazu, dass er in vielen seiner Partien spektakuläre Figuren-Opfer vollbrachte.

Darüber hinaus pflegte er intensiv und erfolgreich das Positionsspiel und konnte sich durch tiefgründige Analysen gegenüber seinen Gegnern behaupten.

 

Nachstehend eine sehenswerte Partie zum Nachspielen:

 

Blackburne – Mackenzie, London 1882

 

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Im Jahr 1992 wurde ihm noch ein späte Ehre zuteil, in dem er in die “Hall of Fame” der Vereinigten Staaten aufgenommen wurde;


 

  

 

  

 

zumal er bei allen amerikanischen 13 Turnieren und 7 individuellen matches als Sieger hervorging, an denen er teilnahm.

 

Die Gesamtstatistik bei offiziellen Partien ist:

150 Siege, 59 Niederlagen und 66 Remise, das einem Durchschnitt von 66,5 % entspricht.

Seine höchste historische Elo-Bewertung erreichte mit 2.712 Punkten im Oktober 1882.

 

 

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Quelle: Javier Cordero Fernández – Ajedrez de ataque

 

Sitges (Barcelona) im Dezember 2010