Vom Schach zum Vermögen

Ignaz von Kolisch


 

 

  

 

Bild wikipedia.org

 

 

Ignaz (auch Ignatz) von Kolisch wurde am 6. April 1837 in Pressburg (österreichisch-ungarisches Kaiserreich) geboren und verstarb am 30. April 1889 in Wien.

Er war ein österreichisch-ungarischer Bankier und einer der bedeutendsten Schachspieler des 19. Jahrhunderts.

 

Sein Leben:

 

Kolisch spielte immer unter österreichischer Flagge, wobei zu berücksichtigen ist, dass er in Pressburg (heute Slowakei) zur Welt kam.

 

Bei seinem ersten Auftreten 1859 auf der internationalen Schachbühne spielte er wie ein richtiger “Wirbelwind”, wobei er die gesamte damalige Schachwelt mit seinem spektakulären Stil und den guten Ergebnissen überraschte.

 

1860 wurde er Sieger im Turnier von Cambridge und 1861 belegte er den 3. Platz in Bristol. Doch seine Turnierteilnahmen waren eher sporadisch, denn er bevorzugte die Begegnungen jeweils in matches. Vielleicht strebte er auch eher nach dem Empfinden der Überlegenheit in den einzelnen Treffen.

Nachstehend seine Erfolgsliste:

Ignaz von Kolisch

Ergebnisse in Einzelmatches:


 

Ignaz Kolisch spielte ein match gegen Adolf Anderssen im Jahre 1860, das als “inoffizielle” Weltmeisterschaft bezeichnet wurde, da Anderssen zu jener Zeit “inoffizieller” Weltmeister war.

Das Ergebnis (siehe oben) war 5 zu 5 Punkte. Somit blieb Anderssen Weltmeister, da vorher vereinbart wurde, dass sich bei Punktegleichstand keine Veränderung im Titel ergeben würde.

Somit befand sich Kolisch so nah, aber auch so weit davon, in die WM-Geschichte einzutreten.

 

Bei einer erneuten WM-Begegnung 1861 verlor Kolisch knapp gegen Anderssen:

 

Site: London
Event Date: 23.07.1861
 

 

 

In jenen Jahren lebte er in Paris, und es war üblich, ihn dort


Ignatz Kolisch steht rechts. Er betrachtet die Partie zwischen Levy

und dem weisshaarigen Devinck im Café de la Régence.

copyright endgame.nl

im Café de la Régence spielen zu sehen.

Er bevorzugte aber immer wieder die einzelnen Begegnungen und lehnte mehrere Angebote zur Beteilung an grossen Turnieren ab.

Besonders aufseherregend war sein Treffen mit Louis Paulsen im Jahre 1861 in London, wobei 31 Partien gespielt wurden mit einen knappen Sieg von Louis Paulsen

 

Bild: enciclopedia.us.es

Paulsen, Louis

 ½ 01½11½½½½1½½1½1½000½0½1½0½½½½½ 16.0
Kolisch, Ignaz ½10½00½½½½0½½0½0½111½1½0½1½½½½½   15.0

mit 16 zu 15 Punkten.

1863 forderte er Paul Morphy zum einem Wettkampf auf, aber der Amerikaner hatte sich zu jener Zeit schon vom Schach zurückgezogen und lehnte ab.

Seinen grossen Augenblick seiner kurzen Schachlaufbahn hatte er, als das internationale Turnier in Paris 1867 stattfand, an dem sich viele herausragende Spieler der damaligen Zeit beteiligten.

 

 

Internationale Ausstellung Paris 1867

 

Ignaz von Kolisch wurde der überlegende Sieger lt. nachstehender Tabelle:

Turnier von Paris  1867


Bei diesem Schachereignis wurden noch Sandglas-Uhren angewendet:

Spielort:

Grand Cercle, 10 boulevard Montmartre, Paris, vom 4. Juni bis 11 Juli.

Preise:

Ignatz von Kolisch (5000 Francs), Szymon Winawer (2500 F), Wilhelm Steinitz (2000 F), Gustav Neumann (1500 F), Cecil Valentine De Vère (1500 F), Jules Arnous de Rivière (1000 F).

Die ersten vier Platzierten erhielten ausserdem noch eine kostbare Sèvres-Vase,


 die Kolisch gleich in Geld umsetzte.

Aus diesem Turnier haben wir eine herrliche Angriffspartie ausgewählt, weil sie besonders seinem Stil entprach:

“Angreifen, angreifen bis zum geht nicht mehr!”

Kolisch  1 – De Rivière  0         Kolisch     : weiss

París  1867                     De Rivière : schwarz


 

Jules Arnous de Revière  * 1830  + 1905

(hier bei einem Spiel gegen Paul Morphy 1858)

1. e4 / e5 2. Sf3 / Sc6 3. d4 / exd4 4. Sxd4 / Dh4 5. Sb5 / Dxe4+ 6. Le2 / De5

7. f4 / Df5 8. Sxc7+ / Kd8 9. Sxa8 / Sf6 10. Sc3 / a6 11. Sa4 / Da5+ 12. c3 / b5

13. Le3 / Dxa4 14. Lb6+ / Ke7 15. Dxa4 / bxa4 16. 00-0 / d6 17. Sc7 / Sb8

18. The1 / Kd7 19. Lf3 / Le7 20. g4 / Ld8 21. Txd6+ / Kxd6 22. Td1+ / Sd5

23. Txd5+ / Ke7 24. Lc5+ / Kf6 25. Td6+ / Le6 26. Sd5+ / Kg6 27. f5+ / Kg5

28. fxe6 / fxe6 29. Txe6 / gibt auf ( De Rivière ).

nach 20…Ld8

Kolisch behielt seinen agressiven Spielstil bis zum Ende seiner Spielpraxis bei. Er war einer der besten Vertreter der romantischen Schachepoche.

Seine Partien ähnelten der italienischen Schule

(16. und 17. Jahrhundert).

Eigentlich hatte er nur im Sinn, den gegnerischen König unaufhörlich angreifen, auch wenn es auf Kosten der Opfer aller seiner dazu notwendigen Figuren ging, wobei es ihn noch nicht einmal störte, seinen eigenen König ungedeckt zu lassen.

Nach “Chessmetrics” war er im Zeitraum von Juli 1867 bis November 1868 die Nummer eins der Welt. Diese Aussage wurde von “Edo Historical Chess Ratings” bestätigt.

 Seine höchste historische Elozahl war 2755 (August 1867).

Im Jahre 1868 lernte er einen der grossen Mäzene des Schachs  kennen:

Albert von Rothschild

              

  * 1844  + 1911

Baron von Rothschild war ein grosser Bewunderer der Schachkunst von Kolisch, und er half ihm, in der Geschäftswelt von Wien Fuss zu fassen.

Genau auf dieselbe Art wie er im Schach sein Talent zeigte, so geschah es auch bei seinen kommerziellen Transaktionen.

Es dauerte nicht lange, und er hatte ein ziemliches Vermögen erwirtschaftet, wurde gern bei der Wohlstandsgesellschaft gesehen und zu einem Mitglied der gehobenen Schicht.

Als Würdigung erhielt er vom Herzog von Sachsen-Meinigen im Jahre 1881 den Titel des Barones, so dass er sich ab jenem Augenblick von Kolisch nennen durfte.

 

Bild chessbase.de

Um sich seinen Geschäften noch intensiver widmen zu können, gab er das öffentliche Schachspiel auf.

Seine Beziehung zum Schach hielt er aber aufrecht, in dem er noch oft als Mäzen des königlichen Spieles in Erscheinung trat.

So war er, selbst Ehrenmitglied der Wiener Schachgesellschaft,

im Organisationskomitee und auch einer der hauptsächlichen Geldgeber des II. Internationalen Schachmeisterturnieres zu Wien 1882.

 Über das Schachspiel wurden der Rechtsanwalt Jules Grévy,



 

   * 1807  + 1891

 später französicher Staatspräsident, und – wie oben schon erwähnt – der Multimillionär Albert von Rothschild seine Freunde.

1881 zog er dann mit seinem Titel beehrt nach Wien, wo er unter anderem die  

01.03.1880 – 11.02.1934  

(bis 1888) besass.

Von dem ungarischen Grossmeister Isidor Gunsberg

(* 1854   +  1930)


 

ist folgender Ausspruch überliefert:

“Ich habe in sechzig Jahren nur einen Schachspieler gesehen, der aus dem Schachspiel Geld geholt, und es auch bewahrt hat. Kolisch war der Mann.”

Zum Bedauern der ganzen Schachwelt starb er 1889 an einer Nierenerkrankung.

Nachsatz:

Ignaz von Kolisch ist der Held der Novelle “Schachbaron” von Ferenc Móra.

(1879-1934)

Hauptquelle: Javier Cordero Fernández

Sitges (Barcelona), im April 2011

 

 

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