Lasker und Tarrasch “Die Erzrivalen”

gemalt von Elke Rehder

Im Jahre 1908 klopfte eine neue Herausforderung an die Tür

von Dr. Emanuel Lasker, um ihm die königliche Schachkrone

zu entreissen.

Es handelte sich hierbei um seinen Erzrivalen

Dr. Siegbert Tarrasch:

Foto chessgames.com

 

Dieses Mal konnte Lasker die Herausforderung nicht ablehnen,

da es Dr. Tarrasch war, der ihm den Handschuh hinwarf und mit dem er eine erklärte Feindschaft pflegte.

Beide Spieler hatten eine ganz unterschiedliche Auffassung über das Konzept “Schach”.

Gemalt von Elke Rehder

Ausserdem hatte sich Dr. Tarrasch mehrfach abfällig über den Weltmeister

Dr. Emanuel Lasker geäussert.

Foto: browsebiography.com

 

Der Hochmut Tarrasch’s verhinderte ein match gegen Lasker

im Jahre 1892, da er der Ansicht war, dass der Gegner zu minderwertig für ihn sei.

Diese Absage verursachte eine starke Feindseligkeit zwischen beiden.

Die Abneigung von Tarrasch war tief verwurzelt, und die Organisation des Wettkampfes versuchte zu vermitteln und vereinbarte ein Treffen.

Lasker sass ruhig in einem Sessel des Empfangsraumes und Tarrasch erschien in der Eingangstür, machte eine kurze Verbeugung und sprach:

“Für Sie, Herr Lasker, habe ich nur zwei Worte:

Schach matt!”


Gemalt von Elke Rehder

 

Danach verneigte er sich noch einmal kurz und verschwand wieder…..

Mit dieser Geste und den Worten gab er zu verstehen, dass es einen erbitterten Kampf geben werde.

Dr. Emanuel Lasker revanchierte sich mit einem klaren Sieg:

World Chess Championship
1908 Lasker – Tarrasch Title Match

Duesseldorf/Munich, VIII-IX, 1908.

Foto: de.domotica.net

Das Duell mit Tarrasch wurde von allen Schachanhängern mit grossem Interesse verfolgt, wobei viele von ihnen glaubten, dass der weltbeste Spieler Tarrasch sei

(nicht umsonst nannte man ihn den Weltmeister der Turniere)

und sahen in dem Treffen die Möglichkeit, dass der Herausforderer seine Überlegenheit beweisen konnte.

Lasker begann das match und gewann gleich die ersten beiden Partien, eine Entwicklung, die er zu einem Vorsprung von 5 : 1 ausbaute und bis zum Schluss durchhalten konnte.

Tarrasch hatte Momente, wo er sich wieder erholte und sich wie ein “Phönix aus der Asche” präsentierte, aber der Abstand im Ergebnis war zu gross,

so dass Dr. Emanuel Lasker seinen WM-Titel behielt.

Nachstehend die 1. Partie aus dem match:

(6607) Lasker,Emanuel – Tarrasch,Siegbert [C68]

 

World Championship 8th Germany (1), 17.08.1908

 

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.Lxc6 dxc6 5.d4 exd4 6.Dxd4 Dxd4 7.Sxd4 c5 8.Se2 Ld7 9.b3 Lc6 10.f3 Le7 11.Lb2 Lf6 12.Lxf6 Sxf6 13.Sd2 0–0–0 14.0–0–0 Td7 15.Sf4 Te8 16.Sc4 b6 17.a4 a5 18.Txd7 Sxd7 19.Td1 Se5 20.Sxe5 Txe5 21.c4 Te8 22.Sh5 Tg8 23.Td3 f6 24.Kd2 Le8 25.Sg3 Ld7 26.Ke3 Te8 27.Sh5 Te7 28.g4 c6 29.h4 Kc7 30.g5 f5 31.Sg3 fxe4 32.Sxe4 Lf5 33.h5 Td7 34.Tc3 Td1 35.Kf4 Ld7 36.Te3 Th1 37.Sg3 Th4+ 38.Ke5 Th3 39.f4 Kd8 40.f5 Th4 41.f6 gxf6+ 42.Kxf6 Le8 43.Sf5 Tf4 44.g6 hxg6 45.hxg6 Tg4 46.Txe8+ Kxe8 47.g7 Kd7 48.Sh4 Txg7 49.Kxg7 Ke6 50.Sf3 Kf5 51.Kf7 Ke4 52.Ke6 Kd3 53.Kd6 Kc3 54.Kxc6 Kxb3 55.Kb5 1–0

 

Endstellung:


Nach 55. Kb5

Zum Nachspielen:

1. Lasker vs Tarrasch 1-0   55   1908   Lasker-Tarrasch World Championship Match   C68 Ruy Lopez, Exchange

 

Tarrasch und Lasker analysieren eine Partie:

Foto wikipedia.org

Zusätzliche Bemerkungen:

Zitaten-Auswahl von Susanna Poldauf (ehemals Lasker-Gesellschaft)


Nachstehend folgender Brief:

Emanuel Lasker an Professor Gebhardt (Vorsitzender des Deutschen Schachbundes) Kopenhagen, 11. Juli 1908:


„Sie, wie die Spieler selbst haben das Recht, jede einzelne Partie des Matches jeder deutschen Zeitung um einen festzusetzenden kleinen Preis zu verkaufen. Doch bleiben die Spieler Eigentümer der Partien (wie der dafür erhaltenen Honorare) und muß ihnen dies Recht durch Vermerk im Spielsaal und auf Eintrittskarte gesichert werden.“
(Emanuel Lasker in: Der Schachwettkampf Lasker – Tarrasch um die Weltmeisterschaft im August – September 1908

von Dr. Tarrasch, Leipzig 1908, S. 20)

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Dr. Emanuel Lasker

Foto chesscorner.com

Lasker sagte über Tarrasch:

“Die Stärke oder Schwäche von Herrn Dr. Tarrasch stützt sich auf sein übermässiges Ehrgefühl. Ohne diese Eigenschaft wäre er nur ein durchschnittlicher Schachspieler geworden.

Aber seine anormale Egozentrik hat ihn zu einem Giganten werden lassen.

Seine Eigenliebe ist so gross, dass er sie mit irgend etwas zeigen muss, und das Schach war das einfachste Mittel für ihn.

Tarrasch ist ein begeisterter Anhänger des Schachs, aber besonders seines Schachs.”

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Auf Seite 33 des Schachmagazin vom November 1905

(herausgegeben in New York)

schreibt er nach der 5. WM-Partie gegen Frank Marschall

wie folgt:

Foto wikipedia.org

 

“Herr Dr. Tarrasch vertritt recht eigenartige Gesichtspunkte über die Schachweltmeisterschaft, wobei er denkt, dass der Titel des Weltmeisters ein Beiwort ist für den besten anerkannten Spieler.

Das ist die Meinung eines deutschen Bürgers oder besser gesagt:

“ein Irrtum”.

Für einen Engländer oder Amerikaner ist es nicht notwendig zu unterstreichen, dass der Weltmeister im allgemeinen der erste, zweite oder dritte beste Spieler ist, aber er ist der Weltmeister – ausser wenigen bestimmten Fällen – und der Beste von allen.

Die unterschiedliche Denkweise eines Deutschen und Angelsachsen führt zu praktisch wichtigen Ergebnissen.

Ein Deutscher kann den Titel fordern, in dem er auf seine Erfolge verweist; also einfach dank der Kraft seiner Argumente.

Ein Engländer oder Amerikaner wird versuchen, in einem WM-Kampf sein Recht auf den Titel zu beweisen”.

“Herr Dr. Tarrasch ist ein Denker, ein Freund komplexer und tiefer Theorie….er bewundert einen Gedanken wegen seiner Tiefe; ich bewundere diesen wegen seiner Wirksamkeit…ich glaube an die Kraft.”


Siegbert Tarrasch

Bild: Kaniaverlag.de

Tarrasch über Lasker:

“Lasker verliert hin und wieder eine Partie, aber er verliert nie den Kopf.”

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Beide Spieler trafen sich im Jahre 1916 in Berlin noch einmal zu einem match,

wobei es hierbei aber nicht um die Weltmeisterschaft ging.

Dieses Zusammentreffen wurde vollkommen von Lasker beherrscht, wie er in seinem Buch schreibt, das in Wien 1917 erschien:

Bild: 3.bp.blogspot.com

Das Endergebnis war +5 -0 =1 Lasker vs. Tarrasch (Berlin, 1916)

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Nachsatz: ein “göttliches” Zitat von Dr. Tarrasch:


Quelle: Liga Nacional, Argentina

Sitges (Barcelona), im Juni 2011

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