Fast vergessen: Dr. Hermann von Gottschall

 

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Hermann von Gottschall

( * 16. Oktober 1862 in Posen  + 8. März 1933 in Görlitz)

war ein starker deutscher Schachmeister und Studienkomponist.

 

Gottschall, Sohn des Schriftstellers  und Gründungsmitgliedes des Deutschen Schachbundes 1877 in Leipzig, Rudolf von Gottschall (1823 – 1909),

studierte Rechtswissenschaften und wurde Rechtsanwalt. Einen Beruf, den er bis ins hohe Alter ausübte.


Seit den 1880er Jahren nahm er an zahlreichen bedeutenden internationalen Turnieren teil,

zum Beispiel:

Nürnberg 1888 – 2nd Bavarian Chess Federation

bei dem er im Meisterturnier geteilter Zweiter mit Jacques Mieses hinter Siegbert Tarrasch wurde:

 

Zum Ende seiner Karriere gelangen ihm beim Turnier in

Breslau 1925       

Siege gegen Akiba Rubinstein, Friedrich Sämisch und Dr. Siegbert Tarrasch:

 

Breslau, 24th DSB Congress


Familienfoto:

Breslau1925

Obere Reihe: Schreier, Wagner, Moritz, Sämisch, Römmig, Becker, Kmoch, Walter.

Mittlere Reihe: Mendelsohn, Blümich, Epstein, Krüger, Grünfeld, v. Schweinichen, Rubinstein, Kramer.

Sitzend: Nimzowitsch, Réti, v. Gottschall, Bogoljubow, Tarrasch, Löw, Robinow, Seger, Tietz

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Er bestritt viele Einzelbegegnungen gegen die damaligen Meister

mit unterschiedlichen Erfolgen.

 

Nachstehend eine seiner besten Partien:

Hermann Von Gottschall vs Adolf Albin

USA-06.Congress New York (38-2) 1889  (B-Turnier) ·  Pirc (B07)

1. e4 d6 2.d4 g6 3.c3 Lg7 4.Le3 c6 5.Sd2 Sf6 6.h3 Sbd7 7.Ld3 Db6 8.Dc2 Dc7 9.Se2 e6 10.0-0 0-0 11.f4

d5 12.e5 Se8 13.Sf3 Lh6 14.g4 Kh8 15.Sg3 Tg8 16.Tae1 Sb6 17.Kh2 a5 18.f5 Lxe3 19.Txe3 c5 20.fxg6

hxg6 21.Sg5 Tg7 22.Df2 cxd4 23.cxd4 Kg8 24.Tf3 De7 25.Sxf7 Dh4 26.Sh5 Dxf2+ 27.T1xf2 Ld7 28.Sg5 Sc7

29. Sxg7 Kxg7 30.Tf7+ Kg8 31.Lxg6 Le8 32.Lh7+ Kh8 33.Tf8+

1-0

http://www.chessgames.com/perl/chessgame?gid=1035911

Endstellung:

 

               

 

 ************

 

Seine höchste historische EDO-Zahl erzielte er wie folgt:

 

 Ratings

Year       Rank    Edo    Dev.   Games 
1883

23

2502 (53)

20

 

Dr. Hermann von Gottschall leitete mehrere Jahre allein die

Deutsche Schachzeitung (1891-1896).

 

Abbildung von 1891

(von 1887-1890 Curt von Badeleben und Dr. Hermann Gottschall) 

und gab eine bedeutende Anderssen-Biographie im Jahre 1912

in Leipzig heraus:

 

Als Komponist veröffentlichte er die Bände 4 und 5 der

“Sammlung von Schachaufgaben” (Leipzig 1898-1908).

Von ihm erschienen auch die “Kleine Problem-Schule”, Leipzig 1885 und die “Streifzüge durch das Gebiet des Schachproblems”, Berlin/Leipzig 1926.

 

Nachstehend eine Schachkomposition aus der Deutschen Schachzeitung 1889:

 

Hermann von Gottschall

 

                

                    

Weiss am Zug erreicht Remis

          

Lösung:

 

1. d7 – d8D! Lc7xd8 (Ablenkung)

2. Le2-d3!! h2-h1D

3. Ld3-e4+ (Doppelangriff) Dh1xe4 (Hinlenkung)

4. Sc4-d6+ (Springergabel) e7xd6 und Patt.

 

Dr. Gottschall schloss sich nicht der neudeutschen Schule an, sondern blieb bei seinem eigenen Stil, baute aber auch “böhmische” Mattaufgaben.

 

Eine kurze Erklärung hierzu:

 

Böhmische Schule ist die Bezeichnung für eine Richtung der Schachkomposition. In einer Mattaufgabe  steht dabei das Mattbild im Vordergrund, das ökonomisch als Mustermatt, auch Modellmatt genannt, dargestellt werden soll. Bei einem Mustermatt sind alle weißen Steine außer König und Bauern am Mattbild beteiligt.

In den 1860er Jahren bildete sich die böhmische Schule in Konkurrenz zur altdeutschen Schule –

zunächst nach Artikeln über die Theorie und Ästhetik von Schachproblemen in tschechischen Zeitschriften.

 

                                     

 

Er starb für die damaligen Umstände in einem beachtlichen Alter von über 70 Jahren.

Quellen: chessgames, wikipedia

 

Sitges (Barcelona), im Juli 2011                                         

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