Flog einer übers Kuckucksnest?

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Eine Erzählung

 

von Arqto. Roberto Pagura, Buenos Aires


 

 

 

“Don Roberto, Sie haben Besuch!” rief ein in weissgekleiderter Mann.

 

Auf dem Flur mit weissen und schwarzen Fliesen schritt ich entlang und gerade aus



gemalt von Elke Rehder

 

wie ein Turm.

Ich wollte wie ein Springer hüpfen,

aber sie liessen mich nicht…


gemalt von Elke Rehder

Die Bauern können sich am Ende des Weges in eine Dame verwandeln….


gemalt von Elke Rehder

 

Gern erinnerte ich mich an die Kindheit, als wir ein Hüpfspiel auf den Boden malten: Erde und Himmel…

und das Weitergehen, wobei ich das Betreten der schwarz-weissen Kacheln vermied….

Man brachte mich in die Ecke des Gartens, wo mich eine Frau erwartete, aber ich erinnerte mich nicht, wer sie war.

Als wir auf der Bank sassen, sagte sie zu mir, dass ich bald wieder nach Hause käme, so wie es der Doktor versprochen habe…

Ich verstand nicht, was sie damit sagen wollte…

 

Ich dachte nach, wie ich vielleicht eine Lösung finden könnte.

Sollte ich Figuren opfern?


gemalt von Elke Rehder

Welches würde mein nächster Zug sein?

Während ich in meine Gedanken versunken war, füllte die Frau unsere Umgebung mit Worten.

“Spiele, bitte!” sagte ich zu ihr.

Die Frau schwieg eine Weile und sah mich dann fest an:

 

“Willst Du nicht zurückkommen?”

 

Mit dumpfen Kopfschmerzen kehrte ich auf mein Zimmer zurück, wo mich der nächste Wettbewerb erwartete…

 

Am nächsten Tag besuchte mich ein Herr mit Anzug und Krawatte.

Er setzte sich auf den einzigen Stuhl im Zimmer und ich mich auf die Bettkante.

Er sah mich so an, wie es mein Vater tat und sprach zu mir:

“Ein junger Mann hat nach Ihnen gefragt.”

Er fuhr fort und erzählte, dass meine Schüler irgendwie freudig gestimmt seien, wenn ich ihnen Mathematik-Unterricht erteile, weil er so lustig gestaltet und ich es gewesen sei, der die Schüler für das Schach interessiert habe.

 

– Das Schach ist Mathematik und Psychologie und Musik.

 


gemalt von Elke Rehder

“Meinen Sie das nicht auch?”, fragte ich den Herrn mit Anzug und Krawatte.

– “Gewiss”, antwortete er, “aber mit den notwendigen Pausen, um nicht den Geist zu sehr anzustrengen und zu ermüden.”

 

Kurz darauf war ich wieder allein.

 

Ich dachte weiter nach, wie ich das Problem lösen könne, aber die Bilder auf dem Schachbrett verschwanden nach und nach…

 

Heute ist es mir schwergefallen aufzustehen.

Der Kopf ermüdet von den Lösungen der Probleme, sowohl der Mathematik als auch des Schachs.

 


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Um aus dem beklemmenden Zustand wieder herauszukommen, müsste ich mit der Göttin des Schachs „Caissa“ Verbindung aufnehmen, die mich sicher auf eine geheimnisvolle Weise nach draussen und mir wieder die Freiheit und  die Menschenliebe bringen würde.

Ich schaute in den Spiegel.

Ich war nicht mehr der junge Mann mit 20, weder der von 40 noch der von 80 Jahren.

Ich befand mich  in einem Zustand des Schwebens über der Stadt, wobei ich wieder die Plätze und Häuser entdeckte, wo ich seinerseits war und lebte.

Allerdings war ich da nicht mehr….

 

Ein Mann, weissbekleidet, betrat erneut mein Zimmer, um mir mitzuteilen, dass eine hübsche junge Frau mit den Namen

Clarisa, Marisa oder so ähnlich …auf mich warten würde.


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Aber letztlich glaubte ich es nicht und drehte mich in meinem Bett zur Wand hin, um weiter zu schlafen……..

 

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Sitges (Barcelona), im Juli 2011

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