Loyd und der Pigeon

 

Samuel Loyd

 Foto: squaring.net

 

Vorspann:

 

Samuel Loyd, bekannt als Sam Loyd

* 30./31. Januar 1841 + 10. April 1911,

geboren in Philadelphia und aufgewachsen in New York, war ein Schachspieler, Schachkomponist, Autor von Rätseln (Puzzles) und unterhaltsamen Mathematikstudien.

Er schreibt: “als Sohn wohlhabender, aber anständiger Eltern und als das jüngste von acht Kindern, waren meine früheste Erinnerungen mit dem Schachbrett untrennbar verknüpft.

Da ich von schon von klein auf eine besondere Vorliebe für Rätsel und Kniffe hatte, beschäftigte ich mich bereits mit Schachaufgaben, bevor ich 12 Jahre alt war und liebte diese Kunst bald derartig, dass diese intensive Zuneigung den Wechselfällen des Lebens und dem Laufe der Jahre wiederstanden hat.”                    

                            

Er war wohl einer der besten, kreativsten und schaffensreichsten Problemkomponisten des 19. Jahrhunderts (wenn nicht sogar der Schachgeschichte), wobei erstaunlich ist, dass die meisten Schöpfungen vor seinem 20. Lebensjahr entstanden sind.

Auf dem Gipfel seiner aktiven Laufbahn war er auch einer der besten amerikanischen Schachspieler.

Seine höchste historische Elo-Zahl war 2.445 im Juli 1870 und belegte damit den 15. Platz in der Weltrangliste lt. chessmetrics.com.

Sein Spielstil war allerdings oft fehlerhaft, da er immer versuchte, phantastische Kombinationen auf dem Brett zu schaffen, anstelle einer Vereinfachung und dem Streben, die Partie zu gewinnen.

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Eines seiner zuerst erschienenen Bücher über Problemstudien war:

 

 

 

Nachstehend ein typisches LoydSchachrätsel:

 

            

 

veröffentlicht im August 1878 “mit Matt in 2 Zügen”.

Bitte, selbst lösen….

 

Ein weiteres aus dem Jahre 1861:

 

Weiss zieht und setzt in 5 Zügen matt:

 

 

Lösung:

1. b4Tc5+
2.
bxc5a2
3.
c6Lc7
4.
cxb7 Lxg3
5.
bxa8=D matt!!

 

 

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Nun zu (“seinem”) wohl berühmtesten Puzzle-Spiel:

Loyd behauptete seit 1891 bis zu seinem Ableben 1911, dass er derjenige Erfinder des 15ner Rätsels sei.

 

 

Ausgangsstellung des ursprünglichen Puzzles mit der Reihenfolge:

1–2–3–4/​5–6–7–8/​9–10–11–12/​13–15–14–leer

 

 

Nachstehend das gelöste Rätsel:

 

                                  

Ziel mit der Reihenfolge:

1–2–3–4/​5–6–7–8/​9–10–11–12/​13–14–15–leer

 

Zu:  Das 15-er Puzzle.

Das 15-er Puzzle wurde 1874 zum ersten Mal vorgestellt und

Weihnachten 1879 in großen Mengen (unter dem Namen Gem-Puzzle) produziert.

Im Januar 1880 wurden $ 1.000.- (damals viel Geld) für eine Lösung ausgeschrieben.

Der englische Name war zuerst Gem Puzzle, dann Fifteen Puzzle, in Deutschland wurde es unter dem Namen Boss-Puzzle, oder Ohne Fleiß kein Preis, in Frankreich als Jeu de taquin (Neckspiel) verkauft.


 

Wie vorerwähnt, behauptete Sam Loyd, dass er das Puzzle erfunden habe, das Puzzle patentieren wollte und dabei gefragt wurde, wie denn die Lösung aussehe. Er antwortete, dass es keine Lösung gebe, dies sei mathematisch unmöglich. Dann können Sie kein Patent dafür erhalten. Wenn eine Sache nicht funktioniert, wie können Sie dann ein funktionierendes Modell einreichen?

Neue Untersuchungen von Jerry Slocum und Dic Sonneveld

“The Fascinating True Story: How Sam Loyd’s most successful hoax lasted more than a century!” haben ergeben:

Das Puzzle stammte von einem Postangestellten, Noyes Palmer Chapman, der es seinen Freunden im Jahr 1874 vorstellte und dann ab 1879 produzieren liess.

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Nach seinem Tod veröffentlicht sein Sohn im Jahre 1914

das Werk “Zyklopädie der 5.000 Rätsel”:

                                   

                                 

Samuel Loyd wurde auch in die “The chesshall of fame” der Vereinigten Staaten aufgenommen:

 

 

 

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Nun das lustige Schachgedicht gemäss der Überschrift:

 

aus “Sam Loyd und seine Schachaufgaben”

 

 

                      

von C. Kupffer:

Einst sassen still und heiter

Caissas wackere Streiter

in einem Schachlokal;

Loyd schlachtete gerade

sein Opfer ohne Gnade

prompt nach dem Ritual.

 

“Ja, so war nichts zu machen!”

sprach da mit eitlem Lachen

ein flotter junger Mann:

“Wie kann man nur verlieren!

Es ist nicht zu kapieren,

wie man so spielen kann!”

 

Loyd schmunzelte behaglich:

“Es scheint, Sie finden’s fraglich,

dass man ein Spiel verliert?”

Der Jüngling nun schon dreister

sprach: “Ich bin ja kein Meister,

doch sag ich’s ungeniert:

 

Mich wird man nicht düpieren

und die Partie verlieren.

So töricht wär ich nie!

Mein Plan, möcht ich sagen: mein Schach

ist doch unendlich einfach:

Ich spiele auf Remis!”

 

“Wie wollen Sie das machen?”

fragt Loyd, die anderen lachen.

Der Jüngling ruf: “Pari?

Wenn ich die Schwarzen kriege,

mach’  ich dieselben Züge

wie Weiss, mon cher ami!”

 

“Ach so”,  sagt Loyd betroffen.

“Ja so!” höhnt jener offen

und wirft sich in die Brust:

“Bei solch einer Methodik,

sagt wohl auch Ihre Logik,

droht mir doch kein Verlust!”

 

“Nun woll’n wir’s mal probieren”,

sagt Loyd. “Sie garantieren

denselben Zug, nicht wahr?”

Und der mit spöttischen Lachen:

“Denselben Zug zu machen –

Jawohl! Ist’s Ihnen klar?”

 

Der Meister denkt: “Du Frecher,

Du Proletarier-Schächer,

na wart’. Dich krieg’ ich schon.”

 

Fünf Dollar war die Wette

   

                 

                                  

Foto us.123rf.com

 

und man setzte sich ans Brette.

 

Weiss: Loyd       Schwarz: der Pigeon

 

 

Loyd die Partie beginnend,

doch dacht noch, ein wenig sinnend,

wie es am schnellsten wär –

 

1. d2-d4           d7-d5

2. Dd1-d3        Dd8-d6

3.Dd3-f5          Dd6-f4

 

Der Jüngling ruft: “Sehr löblich!

Doch alles ist vergeblich!

Es ist Remis, mein Herr!”

 

4. Df5-c8#

 

 

              

 

“Matt”, sagt jedoch der Meister

und alle Kibitzgeister

sie lachen laut: “Bravo!”

“Ach so”, sagt stirnerunzelnd

der Jüngling – – aber schmunzelnd

erwidert Loyd: “Ja – so!”

 

Der Jüngling greift zur Mütze

und murmelt was von ‘Hitze’

und ‘nicht bei Stimmung sein’ –

 

                

 

Der Meister lächelt friedlich

und steckt dabei gemütlich

die blanken Dollars ein!“

 

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Sam Loyd war so vielseitig, dass es schwer ist, ihm in einem kurzen Beitrag gerecht zu werden.

Noch einen weiteren Eindruck von ihm finden wir auf der abgelichteten Seite aus dem Buch von Alain C. White und bitten auf den „Berufstitel“ zu achten, den er sich selbst gegeben hat:

 

                          

 

Quellen: Deutsches Wochenschach, 24. Nov. 1907, S. 418

poegot.org – es.wikipedia.org

 

Sitges (Barcelona), im August 2011

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