Capablancas diplomatische Antrittsreise 1913

          

Café Kerkau, Berlin

Bild static2.akpool.de       

 

Im Jahre 1913 trat Capablanca in den diplomatischen Dienst Kubas und wurde in das Konsulat nach Petersburg berufen.

 

Bereits auf der Anreise machte er in der Alten Welt mehrere Stationen, so auch in Berlin.

Seine dritte Europatournee währte viele Monate: vom Oktober 1913 bis Mai 1914.

Dieses Mal beschränkte sich der Kubaner nicht nur auf Simultanveranstaltungen, sondern trug auch Mini-Matches (je 2 Partien) gegen bekannte Schachspieler Deutschlands und Russlands aus.

In Berlin waren seine Kontrahenten Jacques Mieses und

Richard Teichmann.

Letzterer galt, wie auch Capablanca, als Held des Jahres 1911, als er im Karlsbader Turnier bei 25 Teilnehmern – unter anderen mit

Schlechter, Nimzowitsch, Vidmar, Aljechin, Tartakower, Spielmann – einen glänzenden Sieg errang.

 

                         

 

 

 

 

Das Familienfoto:

 

 

Foto: rogerpaige.com

 

Anmerkung: Richard Teichmann ist nicht auf dem Bild, weil er sich wegen seines Augenproblemes in ärztlicher Behandlung befand (lt. Buch von  Helmut Wieteck)

 

Die Begegnung zwischen Teichmann und Capablanca

rief natürlich besonderes Interesse hervor, doch in beiden Partien unterlag er dem Kubaner, wie übrigens auch Mieses.

 

Nachfolgend eine dieser Partien, die im Berliner Café “Kerkau” gespielt wurden:

 

[Event „Berlin exh“]

[Site „Berlin“]

[Date „1913“]

[Weiss „Richard Teichmann“]

Bild: edochess.ca

 

 

 [Schwarz „José Raúl Capablanca„]

Bild: taringa.net

1. e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0-0 b5 6.Lb3 Le7 7.Te1

(gewöhnlich macht man in der Spanischen Partie diesen Zug in der Absicht, den Antwortzug b5 herauszufordern; doch jetzt, nachdem dieser Zug von Schwarz “gutwillig“ gemacht wurde, war es besser, 7. d3 zu spielen, um den Bauernvorstoss f2-f4 vorzubereiten, oder 7. a4)

…. d6 8.c3 0-0 9.d3

(Ein Zug im Sinne des “friedfertigen” Gegners Capablancas; energischer war hier 9. d4)

Sa5 10.Lc2 c5 11.Sbd2 Sc6 12.a4

(mehr entsprachen dem Plan 12. Sf1 oder 12. h3)

….Le6 13.Sf1 b4 14.Lg5 Tb8 15.d4 cxd4 16.cxd4 Lg4 17.Le3 exd4 18.Lxd4 Sd7

(Übrigens war stärker sofort….18…..b3!)

19.Se3

(Notwendig war, unverzüglich mit 19. Lb3 dem Vorstoss des b-Bauern ein Ende zu machen, aber nicht. 19. b3 wegen 19….Sxd4 20. Dxd4 Lf6)

19…Lxf3 20. gxf3 b3!

 


21.Lb1 Sxd4 22.Dxd4 Lf6 23.Dd2 Se5

(Erinnern die energischen schwarzen Aktionen jetzt an den “Mechanismus einer sich entspannenden Sprungfeder”, so die weissen Aktionen an einen “Luftballon”, aus dem langsam die Luft entweicht….)

24.De2 Sg6 25.Sd5 Le5 26.f4

(Es drohte 26…Dh4)

Sxf4 27.Sxf4 Lxf4 28.Ld3 a5 29.Lc4

(Zäheren Widerstand würde Weiss mit 29. Dg4 leisten, und falls 29….Le5, so 30. Tb1 und danach Te1-e3-h3)

 Dh4 30.f3 Tfc8 31.Ld3 Tc5 32.Tf1 Tbc8

(Nach ihrer Verdopplung auf der c-Linie treten die Türme wirkungsvoll in den Kampf ein.)

33.Df2 Dh6 34.Tfe1 Tg5+ 35.Kh1 Th5 36.Te2 Txh2+

0-1

(Weiss gab auf, denn nach 37. Dxh2 Lxh2 38. Txh2 entscheidet 38…Tc1+)

Zum Nachspielen:

http://www.chessgames.com/perl/chessplayer?pid=47544

 

Bild: copy.fila3000.de

 

Gegen Ende des Jahres 1913 traf Capablanca in Petersburg ein.

Das war sein erster Besuch in Russland.

 

Schon bald nach der Ankunft in der damaligen russischen Hauptstadt (Petrogrado) spielte er dort je zwei Partien gegen Alexander Aljechin,

 

       

Alexander Aljechin und Capablanca während ihrer ersten Partie im Jahre 1913 in Petersburg, die der Kubaner gewann.

Bild: m1.paperblog.com

 

 

 Snosko-Borowski 

 und Dus-Chotimirski:   

 

 

Er gewann fünf und verlor nur gegen Snosko-Borowski.

“Das war”, notierte Capablanca, “meine erste Niederlage, nachdem ich etwa dreissig ernste Partien, teils in Turnieren, teils in kleinen Wettkämpfen gewonnen hatte.”

Capablanca schrieb leider nichts über den Charakter dieser freien Partien. Sie wurden von ihm im besten Stil geführt, voller Feinheiten sowohl im strategischen Denken als auch in den kombinatorischen Entscheidungen.

 

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1892                            

Bild:  1.bp.blogspot.com

 

Ob Hauptmann José María Capablanca Fernández wohl damals schon ahnte, dass ein Sohn Raúl ein Schachstern erster Grösse werden könnte?

Jedenfalls hat ein Fotoamateur den historischen Augenblick festgehalten, als der Vierjährige seine ersten Schachschritte tat.

 

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Quelle: Isaak Linder und Wladmir Linder, Berlin

Übersetzung aus dem Russischen: O. Dietze

  

Sitges (Barcelona), im September 2011