Adolf Albin – rumänischer Meister und Theoretiker

  

                                         im Jahre 1895

                                       Foto chessbase.de

 

 

 

Adolf Albin: * 14. September 1848 in Bukarest

                    + 1. Febraur 1920 in Wien

 

war ein Schachmeister und –theoriker aus Rumänien.

 

 

Sein Kontakt mit dem internationalen Schach fing relativ spät an, als er schon 40 Jahre alt war.

 

 

Er beteiligte sich an 25 internationalen Turnieren, wobei besonders hervorzuheben ist,  dass er in dem stark besetzten Turnier von 1893 in New York den zweiten Rang direkt hinter Emanuel Lasker belegte.

 

Siehe Endstand:

 

 

 

 

 

 

 

Familienfoto:

 

 

 

In dem ebenfalls stark besetzten New Yorker Turnier von 1894 wurde er

Zweiter hinter Wilhelm Steinitz.

 

Siehe nachstehende Tabelle:

 

 

 

Weiterhin nahm er an dem berühmten Turnier von Hastings 1895 teil, bei dem er sich allerdings mit einem Platz im unteren Feld zufrieden geben musste.

Nach und nach liess seine Spielstärke nach, wenn man seine Ergebnisse in den folgenden Jahre bei den Turnieren von Nürnberg und Budapest 1896, Berlin 1897, Köln 1898 und Monte Carlo 1902 und 1903 betrachtet.

 

Ein erstes Schachbuch in rumänischer Sprache wurde  von ihm geschrieben und 1872 in Bukarest  aufgelegt, allerdings in lateinischen Buchstaben gedruckt:

 

                          Copy chessarch.com

 

 

 

Besonders ist noch sein brillanter Sieg gegen

Dr. Siegbert Tarrasch anlässlich des grossen Turnieres in Dresden 1892

 

Foto: rogerpaiges

 

Adolf Albin sitzend 2. von rechts

 

gemäss nachstehender Notierung hervorzuheben:

 

 

C54/04     Giuoco Piano: Greco

 

1892.07.20     Albin,A — Tarrasch,S    (4)  Dresden

(Seventh German Chess Association Congress)

 

Kommentare von Tomasz Lissowski, Siegbert Tarrasch & the BCM

1.e4 e5 2. Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.c3 Sf6 5.d4 exd4 6.cxd4 Lb4+ 7.Ld2 Sxe4

Tarrasch: Gewöhnlicherweise wird hier 7…Lxd2+ gespielt.
Ich spielte aber den Textzug mehrmals in Nürnberg, allerdings
mit nicht grossem Erfolg.

 

8.Lxb4 Sxb4 9.Lxf7+ Kxf7 10.Db3+ d5 11.Se5+ Kf6

Tarrasch: Ein Zug, der von Vitzthum und Fritz Lange empfohlen
wurde und auch von Bilguer als richtig angesehen wird, der dann
in Verbindung mit den beiden náchsten Zürgen die Hauptlinie der
schwarzen Verteidigung darstellen wird.

Lissowski: Lionel Kieseritzky spielte in seinem match gegen Buckle, Paris 1848,  11…Ke7.

12. Dxb4 c5 13.Da4 De8 14.Dd1!

Tarrasch: Dieser Zug sichert für Weiss einen positionellen Vorteil in allen Varianten. In den sogenannten “theoretischen Analysen” wird der Damentausch nur empfohlen, wenn Schwarz ein gutes Spiel hat.

14…Sg5 15.f4 Se6 16.Sc3 g6 17.Sxd5+ Kg7 18.0-0 cxd4 19.f5 Sf4 20. f6+ Kf8 21.Se7 Db5 22.Txf4 Dxe5 23.Dxd4 Dxd4+ 24.Txd4 Le6 25.Td6 Kf7 26.Te1 Lxa2 27.Sd5 Thd8 28.Te7+ Kf8 29.Txd8+ Txd8 30.Sc3 Lf7 31. Txb7 a6 32. Ta7 Td2 33.Se4 Txb2 34.Ta8+ Le8 35.Sd6 1-0.

BCM: und Schwarz gibt auf, denn wenn 35….Te2; 36. f7 usw.

Herr Albin wurde nach seinem Sieg sehr beglückwünscht.

British Chess Magazine, 1892, p361

Zum Nachspielen:

Albin vs Tarrasch    1-0    35    1892    7th DSB Congress     C54 Giuoco Piano

 

Eigentlich schlug er alle starken Meister der damaligen Zeit wie z. B.

Frank Marshall, Jacques Mieses usw.

 

Bei Einzel-Wettkämpfen erziehlte er ebenso beachtliche Ergebnisse:

 

1894 in New York gegen Jackson Whipps Showalter (7-10 bei 8 Remisen)

1900 in Wien gegen Simon Alapin (1-1 bei 4 Remisen)

1901 in Wien gegen Georg Marco (2-4 bei 4 Remisen)

und 1918 in Wien gegen Richard Réti (1-1)

 

Seine höchte historische Elo-Zahl betrug 2.643 Punkte im August 1895.

Zu der Zeit lag er auf Platz 15 der Weltrangliste.

 

 

Er war zusätzlich ein unermüdlicher Forscher von Öffnungstheorien.

Die Schachtheorie bereicherte er durch Untersuchungen eines Abspieles aus dem Damengambit, das den Namen „Albins Gegengambit“ erhielt.

 

Das Gambit wurde 1893 in New York von Adolf Albin gegen Emanuel Lasker in die Turnierpraxis eingeführt. Es gilt für Schwarz als riskant und wird daher selten gespielt. Dennoch hat im Jahre 2004 der Weltklassespieler Alexander Morosewitsch in mehreren Schnellpartien mit Schwarz so gespielt. 2005 schlug er damit sogar in einer regulären Turnierpartie Ivan Sokolov in Wijk aan Zee, einen starken Großmeister.

 

1. d4 d5  2. c4 – e5

 

 

 

Eröffnungsfalle

Die folgende Zugfolge ist eine Eröffnungsfalle, die man kennen sollte. Sie geht auf Emanuel Lasker zurück.

 

 

 

 

 

             

                      2. c2-c4 e7-e5

3. d4xe5 d5-d4

4. e2-e3?

Besser sind 4. Sg1-f3, 4. a2-a3 und 4. e2-e4. Letzteres will die Stellung geschlossen halten und wurde schon von Boris Spasski gespielt. Weiteres Sb8-c6 5. f2-f4 g7-g5 6. Sg1-f3 Lc8-g4 zersplittert die weiße Bauernmasse bzw. Sb8-c6 5. f2-f4 f7-f6 6. e5xf6 Sg8-f6 7. Lf1-d3 Lf8-b4+ entwickelt den Schwarzen.

4. a2-a3 Sb8-c6 5. e2-e3 d4xe3 6. Dd1xd8+ Ke8xd8 7. Lc1xe3 Sc6xe5 vereinfacht.

4. … Lf8-b4+!

5. Lc1-d2 d4xe3

6. Ld2xb4? Besser ist f2xe3, was nach Dd8-h4+ zu leichtem schwarzen Vorteil führt

6. … e3xf2+

7. Ke1-e2 f2xg1S+! Unterverwandlung.

und nach 8. Ke2-e1 Dd8-h4+ 9. Ke1-d2 Sb8-c6 steht Schwarz auf Gewinn. Ganz schlecht wäre 8.Th1xg1 Lc8-g4+, womit Schwarz die Dame gewinnt.

 

 

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Ausserdem spielte Adolf Albin in Wien als Erster die später als

„Aljechin-Chatard-Angriff“ bekannt gewordene Variante gegen die Französische Verteidigung,

die nach der Zugfolge entsteht:

 

 

1. e2-e4 e7-e6 2. d2-d4 d7-d5 3. Sb1-c3 Sg8-f6 4. Lc1-g5 Lf8-e7

5. e4-e5 Sf6-d7 6. h2-h4 …

 

 

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Olimpiu Gheorghe Urcan, Schachlehrer, Schach-Historiker und Journalist, der Autor von „Adolf Albin in Amerika“, nähert sich der Schachwelt auf eine andere Art:

“Ich bin nicht besonders an den großen Namen der Schach-Vergangenheit interessiert … Die Obsession mit Königen und Top-Level-Schachhelden könnte  für die Rekonstruktion der Schach-Landschaft des 19. Jahrhunderts schaden.

Forscher und Historiker müssen in die tieferen Schichten der verschiedenen Schach-Gesellschaften der Vergangenheit gehen und die wichtigen Erfahrungen der Schachmenschen analysieren, die für ihren Beitrag zum heutigen Schachvermächtnis eine besondere Erinnerung verdienen.

Meine Vermutung ist, dass die meisten Leser, wie ich, wenig über Adolf Albin wissen und deswegen habe ich ein Buch über ihn geschrieben.“

 

Abbildung:

 

Anmerkung:

 

Derselbe Schriftsteller ringt sich sogar durch, indem er Adolf Albin

als den geistigen Vater und Lehrer von Aaron Nimzowitch bezeichnet.

Vielleicht liegt er garnicht so falsch.

 

Quellen: chessville.com, wikipedia.org, chessarch.com

 

Sitges (Barcelona), im Januar 2012

Ein Gedanke zu „Adolf Albin – rumänischer Meister und Theoretiker

  1. Helmut Ortinau

    Wieso hat Albin sein Buch „allerdings“ in lateinischen Buchstaben gedruckt? So schrieb (und schreibt) man im Rumänischen doch immer.

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