Das "romantische" Talent Carl August Walbrodt

 

                               

 

 

Carl August Walbrodt

* 29. November 1871  + 3. Oktober 1902

 

Carl August Walbrodt wurde als Sohn deutscher Eltern in Amsterdam geboren und starb viel zu früh noch kurz vor seinem 31. Lebensjahr an einem Lungenleiden in Berlin.

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In den Zeiten vor der „Modernen Schule“ des Schachs war das  „alte Königsgambit“ eine der Eröffnungen der starken Schachspieler, die einen unternehmerischen und kombinatorischen Stil bevorzugten.
Natürlich ist diese Tendenz verständlich, da die damals praktizierten Varianten das Spiel schnell in komplizierte Positionen führte – voll taktischer Ressourcen.


Auch Carl August Walbrodt spielte das Königsgambit mehrfach mit Erfolg.
Er zeigte gute technische Kenntnisse und ein feines kreatives Gespür, um diese Eröffnung mit guten Leistungen in die Praxis umzusetzen.

 

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Nach Angaben von Dr. Siegbert Tarrasch war Walbrodt

 

„im Jahre 1891 in den Berliner Schachkreisen aufgetaucht und hatte sich durch eine ununterbrochene Kette von Match- und Turniererfolgen schnell einen grossen Namen in der Schachwelt errungen.“

 

Schon 1893 erzielte Walbrodt seine beste historische Elo-Zahl von 2.706 Punkten,

 

Bei dem Internationalen Berliner Schachturnier 1897 erreichte Walbrodt wohl sein bestes Ergegnis, nur einen halben Zähler hinter Rudolf Charousek, den er aber in der direkten Begegnung schlagen konnte.

 

Schlusstabelle:

 

Internationales Turnier Berlin 1897

 

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Nachstehend das Familienfoto:

 

 

Foto:

 

http://www.rogerpaige.me.uk/historical_photographs.htm

 

4. Reihe: Schlechter, Heyde, 3. Reihe: unbekannt, Burn, Marco, von Popiel, Heinrichsen, Blijkmans, Dimer, 2. Reihe: Charousek, Janowski, Thalheim, Zinkl, Harmonist, Winawer, W. Cohn, Teichmann, Albin, 1. Reihe (sitzend): Ranneforth, Caro, Metger, Alapin, Süchting, Tschigorin, Schiffers, Bierbach

Carl August Walbrodt befand sich während des Gruppenbildes in ärztlicher Behandlung wegen des Verdachtes auf Tuberkulose.

 

 

 

Das Königsgambit anhand einer historischen Partie wie folgt:

 

 

 

WALBRODT vs LOEW Deutschland 1900

Kommentiert von NM Hebert Pérez García

 

 

 

Karl August Walbrodt – Loew [C32]
Deutschland  1900
 

1. e4 e5 2.f4 d5 [Das Falkbeer-Gegengambit  ist eine gute Alternative für denjenigen, der komplizierten Wegen beim akzeptierten Königsgambit aus dem Weg gehen möchte, d.h. 2…exf4.]

3. exd5 e4!? (Jetzt opfert Schwarz einen Bauern, um einen Stellungsausgleich zu erzielen.)

4. d3 (Offensichtlich ist ist das Schlagen des störenden schwarzen Königsbauern von grundsätzlicher Bedeutung für eine geeignete Entwicklung der weissen Steine.)

4..Dxd5?! [Besser sind die Optionen wie 4…Sf6 5.dxe4 Sxe4 6.Le3 Ld6 7.Sf3 0-0; oder  4…exd3 5.Lxd3 Sf6 etc.]

5.De2 [Hier ist es möglich, auch 5.Sd2 zu spielen, und wenn 5..exd3 6.Lxd3 Dxg2 7.Le4 dann folgt eine scharfe Fortsetzung gem. Keres – Petrov Rakwere 1933.]

5…f5 [ Eine andere Option ist wie folgt zu spielen 5…Sf6 6.Sc3 Dc6 7.Ld2!?+/= (7.Sxe4 Le7 8.Sf3 0-0 9.Se5 mit Komplikationen) ]

6. Sc3 Lb4 7.Ld2 Lxc3 8.Lxc3 Sf6

9. Lxf6!? [Uns scheint 9. 0-0-0 besser, eine “patentierte” Variante von GM Richard Réti.

Wenn 9…Dxa2 folgt 10.dxe4 Sxe4 11.b3 0-0 12.Dc4+ Kh8 13.Lb2!?, ein von GM Paul Keres empfohlener Zug (nicht ganz so bissig ist 13.Dxc7 Sxc3 14.Dxc3 Le6 15.Sf3 Sc6=) 13…Sc6 14.Sf3 Da5. Nun hat Schwarz einen Mehrbauern, aber Weiss dafür den Ausgleich durch die starke Wirkung des Läufers auf den schwarzen Feldern.]

9…gxf6 10.Dh5+ [Stärker ist 10.dxe4!?]

10…Ke7?! [Vorsichtiger und wirkungsvoller war, sich mit 10…Df7 zu verteidigen.]

11.0-0-0?! [Walbrodt riskiert hier eigentlich zu viel. Richtig war, 11.Dh6!? zu spielen.]

11…Df7?! [Eine Ungenauigkeit. Notwendig wäre gewesen, den Bauern sofort zu nehmen 11…Dxa2]

12. Dh6 Tg8?! [Solider ist 12…Td8]

13. dxe4 [Eine andere atraktive Alternative für Weiss wäre, mit 13.Se2 Tg6 14.Dh4+/- fortzusetzen.]

13…fxe4

 

                                                    

14.Sf3!? [Der Beginn einer spektakulären Kombionation. Vielleicht ist dieser Zug doch nicht der beste Weg für Weiss, wenn wir die Textvariante mit folgender ausgezeichneten Linie 14.Se2!? Sc6 15.Sc3 Tg6 16.Dh4+/- etc. betrachten. Wir nehmen an, dass Karl August Walbrodt seine Begeisterung angesichts der taktischen Finessen der Stellung nicht zügeln konnte.]

14…exf3? [Zweifellos sah Loew bei seinem Analysen nicht folgenden ausgezeichneten Zug für Weiss, der die Partie auf eine brillante Weise abschliessen konnte.

Es war unbedingt erforderlich, 14…Dg6 zu spielen.]

 

 

 

15. Lc4!! (Der Schlüssel der Kombination! Jetzt öffnet sich das Spiel mit fatalen Konsequenzen für Schwarz.)

 

15..Dxc4 16.Dxh7+ Df7 17.Tde1+ Le6 18.Txe6+ Kxe6 [18…Kf8 19.Td8++-] 19.De4 # 1-0

Partie zum Nachspielen:

http://www.chessgames.com/perl/chessgame?gid=1075907

Abschliessend noch ein Nachruf aus der New York Times vom 4. Oktober 1902 über den herausragenden und weit über die deutschen Grenzen hinaus anerkannten Spieler und sein Ableben:

 

 

 

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Quellen: Berliner Schachverband, wikipedia.org, chessmetrics.com

Sitges (Barcelona), im Juni 2012

Ein Gedanke zu „Das "romantische" Talent Carl August Walbrodt

  1. Marcelo Bruno Rodrigues

    Lieber Frank,

    ich weiss nicht, ob es ein Buch mit Walbrodts Biographie existiert. Am mindenstens habe ich gedacht, um eine zuschreiben oder zuempfehlen. Ich glaube, es würde eine wichtige Kontribuition im Raum der Biographien sein.

    Mit freundlichen Grüssen

    Marcelo Bruno Rodrigues (aus Brasilien)

    Antworten

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