Kampf für die Gleichstellung der Frauen durch das Schach



Foto: chessdevon.co.uk

 

von Javier Cordero Fernández

 

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Edith Helen Baird war seit ihrer Kindheit eine leidenschaftliche Schachspielerin,  die sich in die Züge der Figuren verliebte und somit das Schach sie für immer gefangen hielt.

 

Es war aber kein Zufall, da ihr Vater Thomas Winter-Wood als

 

 

Bild: edochess.ca

 

Schachspieler und renommierter Schöpfer von Schachproblemen bekannt war.

Edith Helen Baird wurde im Jahre 1859 in der Stadt Brixton (England) geboren, in einer Zeit, wo sich die Frauen in der Gesellschaft fast ausschliesslich den häuslichen Arbeiten widmen mussten.

 

Edith suchte und suchte und wurde eine herausragende Persönlichkeit in der Schachwelt, einer Welt mit ziemlich begrenztem Zugang für Frauen.

Darüber hinaus betrat sie einen Bereich, in dem sie eine wahre Pionierin war:

„Das Problemschach“.

 Bis zu jenem Zeitpunkt war diese Disziplin ausschliesslich den Männern vorbehalten.

 

Ihre ersten Auftritte bei Schachproblem-Wettbewerben waren traumatisch, wenn man bedenkt, dass ihre Problem-Kompositionen nicht wegen der Qualität, sondern aus anderen Gründen als „nicht aristokratisch“ beurteilt wurden.

Aber Ausdauer und harte Arbeit neigen dazu, Früchte zu tragen und im Jahr 1888 erreichte sie ihren ersten Erfolg in einem Wettbewerb, bei dem sie den 3. Platz in Sheffield belegte.

Nach diesem Durchbruch begann man ihren Namen zu respektieren, und ein Erfolg reihte sich an den anderen.

Sie erhielt sogar eine Einladungen als „Schiedsrichterin“ bei einem Wettbewerb, eine Aufgabe, die sie aber nur einmal ausübte.

 

Um all diese Errungenschaften zu verstehen, die heute kaum überraschen, muss man sich vorstellen, wie die Gesellschaft Ende des neunzehnten Jahrhunderts war. Es gab Zeiten, in denen fast jede öffentliche Aktivität den Frauen verboten waren.

Wehe den Frauen, die diese Regeln verletzten!

Entsprechend wurden sie verschmäht und ausgestossen aus der damaligen Gesellschaft voller Heuchelei.

Der Weg war deshalb nicht leicht, aber die Errungenschaft war von großer Bedeutung: die Art und Weise, eine Welt aufzuschliessen, in der das Wort „Gleichstellung“  seine volle Bedeutung erreichte. Daher sollten die Namen dieser großen Wegbereiterinnen nicht vergessen werden.

 

Foto: edochess.ca
Der Erfolg von Edith Helen war nicht mehr zu leugnen und im Jahre 1902 gelang es ihr sogar, ein Buch mit 700 Schach-Problemen zu veröffentlichen.

 

 

Bild: edochess.ca

 

Interessant ist, dass sie während ihres gesamten Lebens die Problem-Kompostionen unter einem Pseudonym: „Mrs. W.J. Baird“ an die Öffentlichkeit brachte. Diese Tatsache ist überraschend, da sie mit diesem Decknamen ihre Weiblichkeit nicht verbarg, die ihr zweifellos mehr Möglichkeiten bei Wettbewerben gegeben hätten…

Integrität ist manchmal nicht der bequemste oder kürzeste Weg, aber der angenehmste in persönlicher Hinsicht.

Während ihrer Laufbahn komponierte sie mehr als 2.000 Probleme und wurde damit zur bekanntesten Schöpferin von Problemen in der Geschichte des Schachspiels.

Edith war für alle ein nachahmenswertes Vorbild, und sie glänzte nicht nur  auf dem Gebiet des Schachs, sondern nahm auch an Wettbewerben des Bogenschießens teil, eine körperliche Aktivität, die bis seinerzeit nur auf Männer beschränkt war.

 

Ausserdem zeigte sie eine angeborene Begabung für die Malerei (sie veröffentlichte ein Buch mit ihren Werken) und für die Dichtkunst.

Ebenso wurde sie auch für ihre liberalen Ideen bekannt und eine uneingeschränkte Unterstützung für eine neue Art des Lebens einer Frau, mit mehr Unabhängigkeit und dem Mann gleichgestellt.

Problem von Edith Helen Baird (1907).

 

Weiß zieht und gibt in 2 Zügen matt:

Die Lösung:

1.Df7 – exd4 2.Df5 ++

Edith Helen Baird wurde auch von der Idee des „Käfigs von Tamerlan“

 

 

(Tamerlan, Herrscher über das Mongolenreich,

dessen Hauptstadt Samarcanda war.)

 

 

so beeindruckt, dass sie mehrere Kompositionen erarbeitete.

Die Geschichte ist, dass der König von seinen eigenen Bauern bzw. Figuren so eingeschlossen wird, dass er „gefangen“ ist.

 

Solche Probleme, wenn auch nicht sehr kompliziert, erfordern eine längere Bedenkzeit, um den exakten Schlüssel zu finden, wenn auch nicht immer der logischste Weg zur Lösung führt.

 

Über dieses interessante Schachproblem mit geschichtlichem Hintergrund werden wir demnächst berichten.

 

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 Quelle: ajedrezdeataque.com

Sitges (Barcelona) im Juli 2012