Doktor Jekyll und Mister Hyde

Poster: wikipedia.org  –  (public domain)
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Wir erinnern uns:
 Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde (Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde) ist eine Novelle des schottischen Schriftstellers Robert Louis Stevenson (1850–1894) aus dem Jahr 1886. Sie ist eine der berühmtesten Ausformungen des Doppelgängermotivs in der Weltliteratur. 

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von Javier Fernandez Cordero

 

Prinzipiell gehen wir davon aus, dass die Art Schach zu spielen unsere Persönlichkeit verkörpert.

Man sollte aber nicht verallgemeinern, denn diese Regel ist nicht immer zu erfüllen.

Es gibt Beispiele aller Art.

Was nicht so normal ist, jemanden zu beschreiben, der versucht, einen gegenteiligen Standpunkt zu verteidigen.

 

Doch gab es einen starken englischen Schachmeister mit dem Namen

William Winter,

 

                           

 

 

Foto: copyright chesshistory.com

 

(* 1898   +  1955)

 

 

der in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts spielte und glaubte, dass Schachspieler sich veränderten, sobald sie sich vom Brett entfernten und ihr normales Leben führten.

Er übertrug sozusagen seinen persönlichen Fall auf andere Schachspieler, denn Winters Verhalten im täglichen Leben war ganz anders, als wenn er Schach spielte. Am Brett war er ein methodischer, analytischer und ruhiger Spieler, der stets einen positionellen Stil pflegte, bei dem er sich sicher fühlte.

 

 

Gemalt von Bernd Besser „Die Auseinandersetzung“

 

Ausserhalb des Turniersaales verwandelte er sich in einen anderen Menschen: er war ein leidenschaftlicher Charakter, der sich stets von seinen Gefühlen und revolutionären Ideen leiten liess, die er bis zur letzten Konsequenz verteidigte, was im Widerspruch zu dem ruhigen Menschen als Schachspieler stand.

Sein Weg auf dieser Welt war recht intensiv.

Er kämpfte im Ersten Weltkrieg und später beteiligte er sich aktiv in der Politik, wobei er sich stets für ein Leben mit mehr Freiheiten engagierte.

 

Man warf  ihm Volksverhetzung vor und sperrte ihn deswegen ein. Er verteidigte aber immer seine Unschuld und wurde wieder freigelassen.

 

 

Gemalt von Samuel Bak 1990

Courtesy of Pucker Gallery

 

Sein Lebensstil war des eines Bohemiens. Er litt ausserdem unter einem exzessiven Alkoholkonsum; eine Tatsache, die sich negativ auf seine Schachlaufbahn auswirkte und somit seine Leistungen schmälerte.

William Winter lebte sein Leben auf ureigene Art, stets in Eile, so als ob er keine Zeit habe, die nächste Stufe zu erreichen.

 

Aber am Brett war er kühl und berechnend und machte keinen Schritt vorwärts, ehe er mit dem anderen Fuß fest auf der Erde stand.

 

 

Foto: chessgames.com

 

William Winter  war – kurz gesagt – eine schachliche Version des

 

berühmten Dr. Jekyll und Nemisis (Göttin der Rache) Mr. Hyde.

Nachstehend eine bemerkenswerte Partie zwischen Aaron Nimzowitsch und William Winter aus dem Jahre 1927 „British Empire Club Masters“

 

http://www.chessgames.com/perl/chessgame?gid=1093127

Endstellung:

 

nach 45…….Te1

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Quelle: ajedrezdeataque.com

Sitges (Barcelona), im August 2012