Ein Springer am Rand……..

                                     

 

 

Gemalt von Elke Rehder

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 von NM Hebert Pérez García aus Holland     

 

 

 

Zu seiner Zeit beurteilte Dr. Siegbert Tarrasch

 

 

Copyright © 1999 Miriam Friedman Morris

http://www.kb.nl/vak/schaak/portretten/friedmann/portretten-en.html

mit aller Strenge eventuelle Ausflüge der Springer an den Brettrand.

Wenn man diese Eindringlichkeit bewertet, wirkt diese Auffassung wie ein Dogma.

Gerade deswegen hat dieser bemerkenswerte Meister hier ein gesundes und allgemeines Fundament errichtet.

Der argentinische Grossmeister, Héctor Rossetto,

 

 

 

sagte mir bei der Analyse einer Partie, bei der die Figuren nicht gut standen:

„Diese schlechten Positionen enthalten den Keim der Niederlage.”

 Diese aufgezeichnete Parallele stimmt vollkommen mit der Aussage von

Dr. Tarrasch überein.

 

Es ist schon merkwürdig, dass ein meisterhafte Zeitgenosse wie Dr. Ossip Bernstein unerklärlicherweise den Fehler begeht, einen seiner Springer fatalerweise so “ausser Kraft”  bei einem wichtigen sportlichen Turnier zu stellen.

 

Die nachstehende Partie ist ein lehrhaftes Beispiel, das bis heute gilt.

                                                                                                                                                       

                         

 

Foto: Rogerpaiges.com                               Foto: p4r.org.ar

 

1. d4 Sf6 2.Sf3 g6 3.Lf4 Lg7

4. Sc3 [Diese Variante kommt mir wieder in Erinnerung anl. der klassischen Partie zwischen Capablanca und Yates1924 inNew York. Trotz des Sieges des damaligen Weltmeisters, ist es doch eine wenig bedächtige Fortsetzung und stellte deswegen für Schwarz kaum ein Problem dar.]

                                                          

 

 

4…d5 5.e3 0-0 6.Le2 c6 [Eine spielbare Variante, aber passiv. Interessanter ist 6…c5!? 7.Se5 Sc6 8.0-0 cxd4 9.exd4 Db6 10.Sxc6 Dxc6 (10…bxc6 11.Sa4 Da5 12.c3 Sd7 13.b4 Dd8) 11.Le5 Lf5 etc]

7.h3 [7.0-0!?] 7…Sbd7 8.0-0 b6 9.Se5 [Besser ist die Option 9.Dd2 Lb7 10.Tfd1+/=]

9…Lb7 [Schwarz konnte schon mit 9…Sxe5= 10.Lxe5 Se4 11.Sxe4 Lxe5 12.dxe5 dxe4= ausgleichen. ]

10. Lf3 Tc8 [Genauer ist: 10…Sxe5!? 11.Lxe5 Se8]

11. a4 Sxe5 12.Lxe5 Sd7 13.Lxg7 Kxg7

14. e4?! [Besser waren die Varianten 14.a5+/=; 14.Dd2+/=]

14…dxe4 15.Lxe4 f5 16.Lf3 e5=

17. dxe5?! [ Wahrscheinlich aus grossem Respekt bekannten Gegner, vermied Letelier einige positionelle Fehleinschätzungen wie in diesem Fall zu kritisieren. Letelier kommentierte diese Partie in der Schachzeitschrift “Ajedrez” des Sopena-Verlages in Argentinien. Hier war 17.a5 angesagt. Das Nehmen auf “e5” begünstigt ganz klar die schwarzen Steine.]

17…Sxe5=/+ 18.a5 [18.Le2!?] 18…b5 [Letelier versah diesen Textzug mit einem Ausrufungszeichen. Unserer Meinung nach ist 18…Dc7!?=/+ der beste Zug für Schwarz.]

19. De2?! [Ein weiterer folgenreicher Fehler. Besser waren die Varianten 19.Te1 oder 19.a6]

19…Dc7 20.De3 b4! 21. Sa4? [Ein schrecklicher positioneller Fehler  von Dr.Ossip Bernstein. Zweifellos hätte sich Dr.Tarrasch fürchterlich aufregt, wenn er diese Partie hätte miterleben dürfen. Richtig war, mit 21. Se2 fortzusetzen, wie der Meister René Letelier angab.]

 

 

21…Sxf3+ 22.Dxf3 c5-/+ 23.De3 Tfe8 24.Dc1 [24.Db3]

24…Te2! [ Mit einem ausgezeichneten positonellen Verständnis von Letelier, der brillante Sieger dieses historischen Schachereignis von Montevideo, wobei er die Partie ohne weitere Atempausen beendet.]

 

                                                      

 

                                             

25. Te1 Dc6 26.Dg5 Tce8 27.Txe2 Txe2 28.f3 [ Weiss ist schon wehrlos. Auch rettet der Verteidungsversuch 28.Dg3 wegen 28…f4 29.Dg4 Te5 30.a6 La8 31.Td1 Tf5 32.b3 h5 33.Df3 Dxf3 34.gxf3 Lxf3-+ nicht mehr]

28…Dd6 29.Tf1 Lc6 30.b3 h6

31. Dh4 Lxa4-+ [Sofort gewann: 31…g5-+ 32.Dc4 Dd2-+]

32. bxa4 Txc2 [32…g5-+] 33.De1 b3 34.Tf2 Txf2 [34…Kf6!?] 35. Kxf2 b2 36.h4 Kf6! 37. h5 Dd4+ und Weiss gibt auf: 0-1

 

 

Endstellung

 

                                                      

 

Zum Nachspielen:

Montevideo, Torneo Internacional de la Unesco (ronda 11), 1954,  

 

Die Teilnehmer

 

                                                

Stehend: Juan B. Silva, Martin Irisarri (fiscais). Juan Francisco Olivera (URU), Miguel Najdorf (ARG),
Nelson Barreiro (Secretario da Federacion Uruguaya), Eduardo Salomon (PAR), Luis A. Gulla (arbitro), Jose Luis Alvarez (URU),  Walter Estrada (URU),  Cipriano Herrera (arbitro),  Hector Corral (URU) Jose Munoz (URU).

Sitzend : Rene Letelier (CHI), Lorenzo Bauza (URU), Bengt Hoerberg (SWE),
Ronald Cantero (PAR),  Octavio Trompowsky (BRA),  Julio Salas Romo (CHI), Ossip Bernstein (FRA), Roman Toran (ESP) e Flavio de Carvalho Junior (BRA).

                         Foto: Hector Silva Nazarri                          

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 Sitges (Barcelona), im September 2012