Wie hart ist das Leben – 3. Teil

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Ludek Pachman(n)

1924  –  2003

 Foto: ebay.com

Erneut der Freiheit beraubt zu sein, war ein fürchterlicher Schlag für Pachman, so dass er seine Hungerstreiks fortsetzte. Eines Nachts, überdrüssig und kollabiert, versuchte er einen Selbstmord, in dem er kopfüber aus seiner Schlafkoje sprang. Die Folgen waren u.a. drei beschädigte Wirbel des Rückgrates, eine Verletzung, die ihn permanent hinken liess und unerträgliche Rückenschmerzen verursachten. Pachman hat nie zugegeben, dass es ein Selbstmordversuch war und behauptete, es nur ein Sturz gewesen.
Diese traurige Geschichte führte zu einem Ende, als die tschechische Regierung ihm die Freiheit anbot.  Als Gegenleistung sollte er auf jegliche politische Aktivität verzichten und keine Interviews den ausländischen Medien geben.

 

Er akzeptierte, doch seine Rückkehr in die reale Welt war nicht gerade idyllisch. Pachman scheiterte, irgendwie Arbeit zu finden – es ist nicht notwendig, die Ursachen zu erklären – und obendrein wurde er unter 24-stündige Beobachtung gestellt. Ludek und seine Familie konnten mit der Hilfe von Freunden leben, aber die Situation war unhaltbar geworden. So begann die Suche nach juristischen Wegen (auch durch Vermittlung der FIDE) um auszuwandern.

 

Sein ständiger Druck auf die Regierung, ein riskantes Manöver, das ihn wieder ins Gefängnis gebracht haben könnte, hatte erstaunlicherweise Erfolg,  und er durfte mit seiner Familie die Tschechoslowakei verlassen.

 

Pachman begann die Reise im Jahre 1972, die ihn weg von der Tschechoslowakei führte. Es war der Ort Solingen (Bundesrepublik Deutschland) ausgewählt und eine Odyssee voller Probleme wegen den tschechischen Behörden, die viele Formalitäten verlangten und ihn in eine echte Angst versetzten, wieder verhaftet zu werden, weil er den „Versuch unternahm, die Grenze nach Deutschland zu überqueren“.

 

Der Präsident des Schachclubs Solingen hatte alles vorbereitet und vermittelte ihm und seiner Familie die notwendigen Papiere und ein Haus, um dort zu leben. Er und seine Angehörigen wurden deutsche Staatsbürger mit einer leichten Änderung seines Nachnamens in Pachmann.

 

Ein historisches Bild 1979

Prof. Friedrich Schwenkel von der Universität Hamburg erklärt

Ludek Pachmann einen der ersten Schachcomputer, gegen den er dann

spielte und gewann.

Foto: chessbase.com

 

Nach dieser harten Erfahrung, die sich mehr als vier Jahre hinzog, nahm er seine Schachlaufbahn wieder auf. Er schaffte es dann aber nicht mehr, sein früheres Spielniveau zu erreichen und spielte nicht mehr so glanzvoll.

 

 

1996

 Foto: chessbase.com

 

Pachman nahm weiterhin an einer Reihe von Turnieren in Deutschland  teil und blieb bis kurz vor seinem Tod aktiv, der am 6. März 2003 eintrat.

Es ist üblich, die Artikel auf dieser Seite mit einer herausragenden Partie des Protagonisten zu beenden, so dass wir uns an ihn als grossen Meister erinnern können, der lebend in den Kessel der Hölle gedrängt wurde, aber – wenn auch übel zugerichtet – wieder an die Aussenwelt kommen konnte.


PACHMAN vs. DONNER

 

Jan Hein Donner

Foto: eebc.net

Match Tschechoslowakei gegen Holland, 1955

Pachman, Ludek – Donner, Jan Hein [A24]
NLD-CSR Rotterdam, 1955

 

– kommentiert von NM Hebert Pérez García                                    

1.c4 g6 2.Sc3 Lg7 3.g3 Sf6 4.Lg2 0-0

5. e4 e5 ?! Gemäss Ludek Pachman ist es bei diesem Schema für Schwarz besser, mit c5 und Sc6 fortzusetzen.

 

6. Sge2 d6 7.0-0 Sfd7 ?! Eine zweifelhafte Idee. Konsequenter war: 7…Sc6 zu spielen.

8. d3 f5 9.exf5 gxf5 10.Le3 [auch ist der Zug 10.f4 richtig.]

10…Sf6 11.Dd2 c6

12. h3 Sh5?! [Besser war hier 12…Le6, obwohl nach 13.b3 Dd7 14.f4 Sa6 15.Tad1 hat Weiss einen leichten positionellen Vorteil.]

 


13. f4 De8 [13…Sa6] 14.Kh2 Dg6

15. De1 [ Wahrscheinlich war 15.b4 eine geeignetere Idee in dieser Stellung. Allerdings dachte Pachman, dass die Überdeckung des g3-Bauern notwendig war.]

15…Sd7 In der Tat war hier 15…Sa6 vorzuziehen.

16.Td1 [ Interessant ist die Option 16.Df2!?]

16…Kh8 17.d4 [Pachman lobte den Textzug mit einem Ausrufungszeichen. Nach unserer Meinung ist die Variante 17.Af3 Tg8 18.Df2 Af8 19.Tg1 etc. vielleicht etwas stärker.]

17…Tg8?! [Intuitiv dachte Pachman, dass die Variante 17…e4 18.g4 fxg4 19.Sxe4 gxh3 20.Lf3 vorteilhaft für ihn war, weil sie für Weiss Linien öffnete. Wir glauben, dass Schwarz nach 20…Sdf6! Ein gutes Spiel hat.]

18. Df2 [Besser ist 18.fxe5 dxe5 19.Df2 Tf8 20.dxe5 Sxe5 21.b3+/= ]

18…Lf6 [Zu beachten wäre auch 18…e4!?]

19. dxe5 [oder auch 19.fxe5 dxe5 20.Lf3 etc.]

19…dxe5 20.Td6 exf4

21. Sxf4 ! Eine unangenehme Überraschung für Schwarz, wie GM Ludek Pachman kommentiert. Wirklich ein energischer Zug!]

 

 

21…Sxf4 [Auch hätte die Zugfolge 21…Dxg3+ 22.Dxg3 Sxg3 23.Tfd1 etc. den weissen Vorteil verhindern können.]

22. Lxf4 Df7 23.Te1 Lg7 24.Tde6 Sf8 [Besser war 24…Sf6]

25. Te7 Dxc4? [Ein Fehler, der die Partie kostet. Es war notwendig: 25…Dg6]

 

 

26. Txg7! [ Auf eine brillante Weise beendet GM Ludek Pachman die Partie.]

 

26…Txg7 [Auch dient nicht 26…Kxg7 wegen 27.Te7+ (oder gemäss Pachman, 27.Le5+ Kf7 28.Se4 +-) 27…Kf6 28.De3 Se6 29.Ld6 Kg6 30.b3 und Weiss gewinnt.]

27. Te8 Kg8 [Verliert 27…Df7 wegen 28.De1 Tg6 29.Te7 Te6 30.Le5+ +-]

28. Ld6 Tf7 29.De3 f4 30.De5 +- [Der Textzug oder 30.gxf4 entscheiden die Partie.]

 

 

30…Tf5 31.Txf8+! Txf8 32.Dg5+ und Schwarz gab auf. 1-0

Zum Nachspielen:

http://www.chessgames.com/perl/chessgame?gid=1104814

 

GM Ludek Pachman wählte diese Partie aus für sein Buch “Meine 100 besten Partien und meine Probleme”. Seine Wahl ist vollkommen berechtigt. Es war eine herrliche Partie.

Sein Dossier:

 


Active years of Ludek Pachman (total number of games in the database: 1629)

Graphik: chessbase.de

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Quelle: www.ajedrezdeataque.com

 

Sitges (Barcelona), im Oktober 2012