Efim Geller – der Gigantenschreck – 1.Teil

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Foto: chessgames.com

von Javier Cordero Fernández

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Efim Petrovich Geller wurde am 8. März 1925 in Odessa (Ukraine) geboren. Er starb am 17. November 1998 in Moskau.
Ich persönlich hielt ihn nicht für einen Angriffsspieler, doch eine Bemerkung von Kasparov in einem seiner Bücher weckte meine Neugier.

Kasparov lobte Gellers kombinatorische Kraft und dies veranlasste mich, eine Serie von seinen Partien durchzuspielen; zu meiner Überraschung, traf ich auf wirkliche Edelsteine. Ich befasste mich schnell mit dem Thema, indem ich mehrere Schachbücher durcharbeitete, um dann diesen Artikel schreiben zu können.
Efim Geller ist eine Legende des Schachs, es fehlte ihm nur noch der Weltmeistertitel, um ihn besser kennen zu lernen.

Die sowjetischen Spieler dominierten die Schachwelt für Jahrzehnte. Sie boten große Fortschritte in der Theorie und waren wesentliche Impulsgeber dieses Spiels; einer ihrer Hauptvertreter war Geller, dessen Beiträge zur Theorie noch heutig gültig sind.
Die Ukraine war seit jeher die Wiege der großen Spieler.  In ihren Städten müssen sicher viele Gelegenheiten existieren, wo man spielen kann und dieses Umfeld begünstigt die Entwicklung der jungen Spieler. Dies geschah auch mit dem jungen Efim Geller, der rasch bekannt wurde, besonders durch seine Fähigkeit, die Initiative zu erspielen und günstige Stellungen aufzubauen, gegen die seine Rivalen keine Mittel mehr fanden.

 

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gemalt von Elke Rehder

 

Im Jahr 1949 hatte er sein erstes ernsthaftes Engagement: das Halbfinale der UdSSR-Meisterschaft. Wie erwartet enttäuschte er seine Anhänger nicht und belegte den ersten Platz, der ihm den „Reisepass“ zum Finale gewährte, bei dem alle grossen Figuren des Landes wie Smyslov, Bronstein, Keres, Petrosjan auf ihn warteten.

 

Seine Leistung im Finale war elektrisierend; er wurde zur Sensation, als er den dritten Platz erzielte.

 

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Foto: inforchess.com

 

 

Auch begeisterte sein offensives Spiel die anwesenden Schachfreunde. Vor der letzten Runde führte Efim Geller  mit einem halben Punkt Vorsprung die Tabelle an, aber sein Mangel an Erfahrung auf diesem hohen Niveau zollte seinen Tribut. Er wurde in der letzten Partie vor Ratmir Kholmov besiegt, weil er zu risikoreich spielte.

Trotzallem wurde Geller von allen Experten gelobt; unter anderem sagte Grigory Levenfish:

 

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Foto: Levenfish.blogspot.com

 

„In der Geschichte der sowjetischen Turniere ist es sehr selten, ein Beispiel wie Efim Geller zu finden, der so herrliche und zahlreiche Partien auf das Brett zaubert mit einem bemerkenswerten Talent für das taktische positionelle Verständnis, hervorragende Technik im Endspiel, verbunden mit voller Energie und Dynamik. Er hat sicherlich eine große Zukunft vor sich.“

So wie sich Levenfish äusserte, war Geller ein Spieler, der alle Phasen des Spiels beherrschte. Man kann ihn in den Rahmen „eines universellen Stiles“ eingliedern, das will heissen, dass er sich so auf einen Gegener einstellen konnte, wie es notwenig war, um sein Gegenüber zu schlagen. Es gab nur wenige solcher Spieler in der Geschichte, die auf verschiedene Arten eine Partie angehen konnten, wie die Umstände es erforderten.

 (Capablanca ist ein gutes Beispiel für diese Art von universellen Spielern).
Geller bestätigte die Vorhersagen der Experten, sich für das Kandidaten-Turnier zu qualifizieren, als er 1952  den 4. Platz bei dem Interzonenturnier belegte.

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Foto: xadreszana.webs.com

Im Laufe seiner Karriere wurde es fast schon zur Gewohnheit, denn er war an sämtlichen Kandidatenturnieren von 1953-1971 beteiligt. Bei diesen Turnieren hatte er aber leider nicht viel Glück und somit blieb ihm ein Kampf um den WM-Titel versagt.
Im Jahr 1953 wurde er in die Auswahl der UdSSR berufen und gab sein Debut bei der Schachloympiade in Helsinki. Seine Leistung war hervorragend: 10,5 Punkte aus 14 Partien.

 

1955 konnte er seinen ersten großen Sieg verbuchen:

Er gewann die UdSSR-Meisterschaft (gleichauf mit Smyslov), in einem allgemein ausgeglichenen Turnier, wobei sich beide Spieler als sehr konstant zeigten. Geller gewann aber im Tie-Break 4-3, wie man gut aus der Tabelle des Turnieres  entnehmen kann.

 

                      UdSSR – Meisterschaft 1955

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Play Off:

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Er wiederholte den Sieg 1979 im Alter von 54 Jahren vor Spielern wie Gary Kasparov oder Arthur Jusupow.
In den folgenden Jahren erzielte Geller weitere gute Ergebnisse, indem er noch mehr Trophäen sammelte zu seinen bereits errungenen während seiner langen Laufbahn.

Bei den jeweiligen Meisterschaften der Ukraine hatte er keine Rivalen, die ihm das Wasser reichen konnten und erzielte bei fast jeder Ausgabe die Meisterschaft, nachdem er in seine Heimat zurückgekehrt war.

 

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Foto: entrenadorajedrez.blospot.com

 

 

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Fortsetzung folgt.

 

Sitges (Barcelona), im Mai 2013