Efim Geller – der Gigantenschreck 3. und letzter Teil

         

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Gemalt von Elke Rehder

 

Botwinnik sagte über Geller: „Vor Geller verstanden wir nicht richtig die Konzepte des Königsinders.“

Geller blieb bescheiden und anerkannte, dass Bronsteins Arbeit im Königsinder genialer als seine wäre; ein guter Beweis besteht darin, dass er sein Buch über diese Eröffnung einem bekannten Schachkollegen mit der Widmung überreichte:

 

„Für einen alten Freund in Dankbarkeit für die kreativen Ideen, die mich einst zu den Anhängern der Königsindischen Verteidigung führte; jetzt habe ich dieses teilweise unvollständige Buch geschrieben.“

 

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Geller war auch ein Schachtrainer, arbeitete zusammen mit den  Weltmeistern wie Botwinnik, Spasski, Petrosjan, Karpov und Kasparov.

 

Er spielte bis ein paar Jahre vor seinem Tod noch Schach, wobei er bei dem Veteranen Weltcup 1991 (nach Wassili Smyslow) den 2. Rang erzielte.

 

Im folgenden Jahr gelang es ihm aber, diesen Titel mit 8,5 aus 11 Punkten zu gewinnen. Schließlich wurde er doch Weltmeister, obwohl es „nur“ in der Kategorie der Veteranen war.

 

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Efim Geller 1992

Foto: blog.antoniogude.com
Während seiner Jugend wurde er von den Spielern der Romantik beeinflusst; diese Tatsache fand man stets in seinem Spiel wieder, d.h. auf der Suche, die Position zu komplizieren und die Partien so schön wie möglich zu beenden.

 

Diese Angriffslustigkeit behielt er im Grunde während seiner gesamten Laufbahn bei, so dass wir von ihm immer wieder herrliche Kombinationen und kostbare Angriffspartien finden können.

 

David Bronstein beschreibt das Spiel Geller’s mit schönen Worten:

 

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Foto: telegraph.co.uk

 

„Nach der Theorie muss Weiss als Anziehender versuchen, Vorteile zu erlangen und Schwarz den Ausgleich finden. Aber Efim Geller – nach seinen Partien zu urteilen –  war stets der Ansicht, dass er, sei es nun mit Weiss oder Schwarz, immer die Initiave übernehmen sollte. Er hat eine bemerkenswerte Fähigkeit, vollen Nutzen aus der Eröffnung oder Verteidung zu schöpfen und ist jederzeit bereit,  kombinatorische Systeme aufzubauen, um in ein offenes Spiel zu kommen bzw. umgekehrt: so sind die Eigenschaften seiner Partien.“

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Sein Statistik der offiziellen Spiele (1947-1995): 873 Siege (37,16%), 1.135 Remise (48,32%)  341 Niederlagen (14,52 %) mit einem score von 61,32 %.

 

Gellers beste historische Elozahl betrug 2765. Diese erreichte er im August 1963. Im gleichen Jahr lag er zeitweilig auf Platz 2 der Weltrangliste.

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Nachstehend eine brillante Partie von Efim Geller aus dem Jahre 1968, in der sich die Kriterien wiederspiegeln, die wir vorstehend beleuchtet haben:

 

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MN Hebert Pérez García aus Holland

 

EFIM GELLER vs Z. MIKADZE

 

GORI (Karseladze Memorial) 1968

 

Diese Partie wurde von GM Efim Geller selbst ausgewählt für sein biographisches Buch “The Aplication of Chess Theory”, Pergamon Press, 1984:

 

 

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Geller, Efim – Mikadze,Z [A34]

Gori Karseladze Memorial Gori, 1968

 

1. Sf3 Sf6 2. c4 c5 3.Sc3 d5 4.cxd5 Sxd5 5.g3 Sc6

6. Lg2 Sc7 [ Eine in die Meisterpraxis eingeführte Variante von GM Akiva Rubinstein und populär gemacht von GM Mikhail Botwinnik.]

 

7. 0–0 e5

 

8. b3 [Bekannt ist die Variante: 8.d3 Le7 9.Sd2 Ld7 10.Sc4 f6 11.f4 b5 12.Se3 Tc8 13.a4 b4 14.Sb5 exf4 15.Sxc7+ Txc7 16.gxf4 Le6 usw., Hjartarson – Andrei Sokolov Rotterdam 1988]

 

8…Le6?! [ Gemäss des Kommentares von GM Efim Geller ist der Textzug nicht richtig. Bessere Optionen sind: 8…Le7 9.Lb2 Lg4

(oder auch 9…0–0 10.Tc1 f6 11.Se1 Lf5 Kirillov – Botwinnik USSR 1931) 10.Tc1 Sa6 11.h3 Korchnoi – Gipslis Moskau 1966]

 

9. Lb2 Tc8 10.Tc1 f6

 

11. e3! [Bereitet einen starken Durchbruch im Zentrum auf dem Feld d4 vor.]

 

11.. c4?! [Vielleicht war es besser, den weissen Plan mit 11…..Dd3!? zu erschweren.]

 

12. De2! [Mit seinem typisch dynamischen Stil zeigt uns Geller ein bemerkenswertes Beispiel, wie man die Initiative zur Geltung bringt.]

 

12….Sb4 [Wahrscheinlich war es genauer wie folgt zu spielen:12…cxb3 13. axb3 (13.d4 e4 14.Sh4! Lb4!? (14…g5 15.d5 Sxd5 16.Sxd5 Axd5 17.Tfd1+–) 15.axb3) 13…Dd7 14.d4]

 

13. Se1 cxb3 14.axb3 Sc6? [Nach diesem Fehlzug wird der weisse Angriff entscheidend. Man hätte mit 14…Le7!? fortsetzen müssen und wenn 15.Axb7 Tb8 usw.]

 

15. Sf3 [Auch wäre die Variante in Betracht zu ziehen 15.d4!? exd4 16.exd4 Sxd4 17.De3± usw.]

 

15…Le7 16.d4 0–0 17. dxe5 fxe5 18.Se4 Lxb3 19.Sxe5 Ld5 20. Dg4! Le6

 

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21. Dxg7+!

[Der Schlüssel einer “petite combinaison”, perfekt geplant von GM Efim Geller]

 

22.. Kxg7 22.Sxc6+ Lf6 23.Sxd8 Lxb2 und Schwarz gibt

auf, ohne auf den Gewinnzug von Weiss mit  24.Txc7+! zu warten:

1–0

 

 

Eine brillante und unvergessliche Partie von EFIM GELLER !

 

Zum Nachspielen:

 

http://www.chessgames.com/perl/chessgame?gid=1049403

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Foto seiner letzten Ruhestätte:

 

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Friedhof Peredelkinskoe, Moskau

courtesy Rob Bijpost, Holland

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Quellen: ajedrezdeataque.com und  chessgames.com

 

Sitges (Barcelona), im Mai 2013