Archiv für den Monat: August 2013

Turnier von New York 1889

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Brooklyn-Bridge 1889

 

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Der WM-Kampf zwischen Steinitz und Zukertort 1886 in verschiedenen amerikanischen Städten regte das allgemeine Interesse für das Schach in den USA.

Danach unterbreiteten Ellsworth, Schubert und Steinitz  einen Vorschlag für die Austragung des Sechsten Amerikanischen Schach-Kongresses in New York.

 

Das wichtigste Ereignis sollte ein doppel-rundiges Turnier mit zwanzig Spielern sein. Später würde dann ein WM-Kampf folgen. Wenn die erforderliche Summe von $ 5000 im Jahre 1888 aufgebracht werden könnte, würde das Turnier für das Jahr 1889 geplant.

Steinitz und Tschigorin spielten ihr erstes WM-Match in Havanna vom 20.1 bis 24.2. 1889. Steinitz gewann mit 10,5 zu 6,5 Punkten.

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Foto: chessgames.com

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New York 1889 begann einen Monat später. Steinitz zog sich als Teilnehmer zum grossen Entsetzen des Organisationskomitees zurück, aber er stand für die Aufgaben der Organisation und als Autor des Turnier-Buches zur Verfügung.

 

Die Teilnehmer bestanden aus zehn Europäern (Bird, Burn, Blackburne, Tschigorin, Klatsch, Gunsberg, Mason, Pollock, Taubenhaus und Weiss) und zehn Amerikanern (DG Baird, JW Baird, Burille, Delmar, Hanham, Judd, Lipschütz, MacLeod, Martinez und Showalter).

 

Es wurden 6 Partien pro Woche am Union Square Nº 8

 

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Foto: loc.pictures.item/det

von 13-17 und 19-23 Uhr gespielt. Die verfügbare Zeit von 15 Zügen je Stunde wurde von Stoppuhren geregelt. Ein Remis wurde als ein halber Punkt in dem ersten Durchgang von neunzehn Runden bewertet, die Partie musste jedoch noch einmal während des zweiten Zyklus wiederholt werden. Das Turnier dauerte vom 25. März bis 27. Mai 1889.

 

Endstand

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Ergebnisse der sieben Preisträger:

1  2  3  4  5  6  7                                                      Others

1 Weiss      ** 1½ ½1 ½1 ½0 10 ½½  7  +  22  =  29   I/II   $875

2 Mason      0½ ** ½0 0½ 11 01 11  6½ +  15½ =  22   VII        $200

3 Lipschütz  ½0 ½1 ** ½1 01 01 0½  6  +  19½ =  25½  VI      $300

4 Gunsberg   ½0 1½ ½0 ** 11 01 ½0  6  +  22½ =  28½  III    $600

5 Tschigorin   ½1 00 10 00 ** ½1 11  6  +  23  =  29   I/II   $875

6 Blackburne 01 10 10 10 ½0 ** 01  5½ +  21½ =  27   IV          $500

7 Burn       ½½ 00 1½ ½1 00 10 **  5  +  21  =  26   V                 $600

 

Das Playoff zwischen Weiss und Tschigorin endete mit vier Remisen.

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Der Schachkongress in New York 1889 bestand aus 38 normalen, 8 Wiederholungen und 4 Playoff-Runden, also insgesamt 50 Runden! Sicher eines der längsten Turniere der Schachgeschichte….

Der Star der Veranstaltung war Max Weiss (aus Österreich-Ungarn). Er gewann sechzehn Partien und erzielte 7 Remise vor der ersten Wiederholungsrunde während des zweiten Zyklus.

An jenem Tag begann er mit einem Sieg in 68 Zügen. Danach wurde das Spiel gegen DG Baird nachgespielt. Weiss erreichte ein gewonnenes Endspiel, verlor aber schliesslich in 113 Zügen. Seine Genauigkeit liess stark nach, und er verlor gegen Blackburne in 57 Zügen am nächsten Tag. Am Ende des Turnieres musste Weiss sich den ersten Platz und Preis mit Tschigorin teilen.

New York 1889 kann als erstes Kandidaten-Turnier betrachtet werden. Der Gewinner hatte die Auflage, ein WM-Match gegen Steinitz innerhalb eines Monats zu beginnen.

 

‚Beide Meister äußerten jedoch den Wunsch, nicht gezwungen zu werden, ein WM-Match spielen zu müssen.’

Der Ausschuss beschloss, die Veranstaltung abzusagen.

Weiss kehrte nach Österreich zurück. Er gewann das Kolisch-Memorial in Wien 1890 ohne eine Verlustpartie. Danach konzentrierte er sich auf seine Arbeit bei der Rothschild Bank.

Sein solider Schachstil war das Leitbild für die spätere Spielweise von Marco, Schlechter und Maroczy.

Der dritte Preisträger Isidor Gunsberg interessierte sich für eine Begegnung gegen William Steinitz in New York.

Vorher spielte Gunsberg gegen Tschigorin in Havanna zu Beginn des Jahres 1890 mit dem ausgeglichenen Ergebnis von: 11 ½ -11 ½.

Schliesslich wurde seine Herausforderung von Steinitz akzeptiert. Sie spielten ein Match im Manhattan Chess Club gegen Ende jenen Jahres, das Steinitz mit 10 ½ – 8 ½ gewann.

 

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Foto: chessgames.com

 

Steinitz schrieb ausgiebig über das New Yorker Turnier von 1889 in dem International Chess Magazine

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Foto: chesslund.com

 

und dem Buch über den 6. amerikanischen Schachkongress, das 1891 in New York aufgelegt wurde. Seine Publikationen zeigten tiefe Einblicke in Positionsformationen und unbegrenzten taktischen Verstand.

 

The Book of the Sixth American Chess Congress:

 

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Foto: chessartifactsterminal.com

Ein Match zwischen William Steinitz und Max Weiss

 

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Fotos: chessgames.com

 

hätte die besten positionellen Spieler des Jahres von 1889/90 zusammengebracht. Leider kam es nicht dazu.

 

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Quelle: endgame.nl

 

Sitges (Barcelona), im  August 2013