Schach mit Träumen und Qualen

 

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von Néstor Quadri, Buenos Aires

 

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„Gott bewegt den Spieler und er die Figur.
Welcher Gott steht hinter Gott und beginnt mit dem Spiel von
Staub und Zeit und Traum und Qualen?“
von Jorge Luis Borges

 

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Auf dem Weiss und Schwarz meines Schachbrettes in diesem Turnier glänzen meine weissen Figuren und mein erleuchteter Geist fliegt mit ihnen, indem ich ein grausames Gambit gegen Schwarz spiele. Aber meine bessere und überlegene Position in der Eröffnung zerfliesst auf diesem Flug zwischen einem umherirrenden Labyrinth raffinierter Kombinationen.

Wie auch immer, bereits im Mittelspiel fühle ich, dass sich meine Träume weiter entfernen und unerreichbar werden, aber das Streben, die Partie zu gewinnen, füllt sich noch mit etwas schwacher Hoffnung.

 

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Doch diese Träume, wie die untergehende Sonne, verblassen langsam; sie gehen quälend in eine positionelle Unterlegenheit. Und plötzlich, obwohl ich mich noch in der leidvollen Lage befinde, erscheint mir auf wundersame Weise eine taktische Variante, die mich in ein erlösendes Remis führen könnte. Es schien wie bei diesem Sonnenuntergang, dass ein Blitz meinen qualvollen Abstieg erhellte.

Aber der Faden der Kombination zeigt mir, dass er nur ein Hoffnungsschimmer war. Die schwarzen Figuren mit ihrer magischen Strategie beginnen, meine weissen Figuren langsam auseinander zu treiben, so als ob sie wie welkes Laub durch den Wind gewirbelt würden.

Ganz langsam, immer noch atmend, immer noch zuckend, stehe ich kurz vor dem Ende des Spieles. Dort bewirkt die materielle Überlegenheit des Gegners mein letztes Sterben taktischer Ressourcen in dieser spannenden Partie; zuerst meiner Träume und später meiner Qualen.
Und da geschieht es in vollständiger Überlegenheit,

 

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als ein erschütternder Schrei meines Gegners mir ein doppeltes Matt verkündet.

Vor diesem Hintergrund kann ich nur meinen weißen König in respektvollem Schweigen auf die Mitte des Brettes legen.

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Aber diese Angst ist langsam und tut nicht zu sehr weh, weil diese Träume auf einen Sieg immer wieder meinen Geist erleuchten, wie die Morgenröte nach dem Sonnenuntergang.

Morgen wird in dem Turnier ein neuer aufregender Flug mit einer anderen Schachpartie starten, auf dem unsterblichen weißen und schwarzen Weg mit Staub und Zeit, wunderbar und erhaben.

 

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Sitges (Barcelona), im August 2013

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