LANDESAUSSTELLUNG NÜRNBERG 1896

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Die Stadt Nürnberg wollte einen deutschen Schach-Kongress veranstalten anlässlich der Bayrischen Landesausstellung 1896, aber der örtliche Schachklub nahm das Zepter in die Hand und organisierte die Veranstaltung, wobei kleinere Nebenturniere erlaubt wurden. 39 Spieler wollten an dem Meister-Wettbewerb teilnehmen, allerdings wurden nur den damals bestbewerteten 19 Spielern der Zugang erlaubt. Als Amos Burn sich zurückzog, nahm Adolf Charousek seinen Platz ein.
Neunzehn Runden wurden in den Räumlichkeiten der Museums-Gesellschaft vom 20. Juli bis zum 9. August gespielt. Die Zeitregel war dreißig Züge in zwei Stunden, die am Morgen ausgetragen wurden. Die noch nicht beendeten Partien wurden am Nachmittag mit einer Vorgabe von fünfzehn Züge pro Stunde wieder aufgenommen und weiter bis zum Ende gespielt. 

Das Familienfoto:

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Stehend: Lasker , Charousek , Schlechter , zwei Organisatoren , Janowsky , Maroczy , Marco , Showalter , drei Organisatoren
Sitzend: Albin , Porges , Chigorin , Tarrasch , Winawer , Steinitz , Blackburne , Schallopp , Schiffers , Pillsbury , Walbrodt , Teichmann

 

 

Die Endtabelle:

 

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Lasker hatte ein besseres Ergebnis als in Hastings, weil er mit einem Punkt Vorsprung als Sieger hervor ging und dieses Mal nicht einen Punkt hinter dem Erstplatzierten Harry Pillsbury lag.

 

Der Weltmeister war auf dem Weg, um seine Überlegenheit in den Superturnieren zu bestätigen. Dr. Tarrasch meinte aber, „dass fünf Partien von Lasker mit etwas Glück gewonnen wurden“.

In seinem entsprechenden Turnierbuch lobte er aber das Lasker-Spiel.

 

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Später wurde Lasker wurde als  „Psychologe“ eingeschätzt, der in komplizierten Stellung den „zweitbesten“ Zug machte, um den Gegner zu verunsichern. Ob das nun wahr ist, können wir nicht beurteilen.

 

Die Preisverteilung in Goldmark:
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Die Hauptpreise gingen an Lasker (3.000 Goldmark) , Maroczy (2.000 Goldmark) , Tarrasch und Pillsbury (jeweils 1.250 Goldmark ), Janowsky (600 Golmark) , Steinitz (300 Goldmark) , Walbrodt und Schlechter (jeweils 100 Goldmark).

 

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Das Spielniveau und die Regeln waren ähnlich wie in Hastings 1895 .

Partie

Dr. Lasker                                             –         Tschigorin

 

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Dr. EMANUEL  LASKER – MIKHAIL TSCHIGORIN  Nürnberg 1896

Lasker,Emanuel – Tschigorin,Mikhail [D26]

Nürnberg (8), 1896

[ Kommentar von NM Hebert Pérez García    ]             

 

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1. d4 d5 2.c4 dxc4 3.Sf3 e6 4.e3 Sf6 5.Lxc4 Le7 6.Sc3 0–0 7.0–0 Sbd7?! [Die von Schwarz geplante Strategie es recht zweifelhaft. Freiwillig wird dem Gegner ein klarer Raumvorteil eingeräumt. Üblich ist: 7…c5!]  8.De2 c6 9.Td1 [Man konnte schon direkt 9.e4!? spielen.]

 

9…Dc7 10.e4 Td8 11.Lg5 [Hier hätte man auch das Vorziehen des Bauern 11.e5!? bedenken sollen.]

 

11…Sf8 12.e5 Se8 13.Lxe7 Dxe7 14.Tac1 b6 15.Se4 Lb7 16.La6 Tac8 17.Td2 Sg6 18.g3 Lxa6 19.Dxa6 Dd7 20.Kg2 Se7 21.b4 Sd5 22.a3 Tc7 23.Tdc2 Se7 24.Dd3 h6 25.Sc3 Dc8 26.De4 Da6 27.a4 Tdc8 28.Dg4?! [Besser war, den Damentausch mit 28.De2!? anzubieten.]

 

28…Sd5! 29.Sxd5 cxd5 30.Txc7 Txc7 31.Txc7 Sxc7

 

32. Dh4! [Schwarz gewinnt einen Bauern, aber Weiss kompensiert den Verlust mit einer besseren Stellung.]

 

32.. Dxa4 33.De7 Dc2 [Solider war: 33…Dc6!?]

 

34. h4!? [Lasker verteigt sich mit Geschick.] 34..a5 35.bxa5 bxa5 36.h5 a4 37.g4

 

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37.. Dc1=

[Ein starkes Schachprogramm empfiehlt eine hübsche Remis-Variante: 37…Sb5!? (HPG) 38.De8+ Kh7 39.Dxb5 a3 40.Da6 a2 41.g5 Db1 42.Kh2! a1D 43.g6+ fxg6 44.hxg6+ Kxg6 45.Dxe6+ Kh7 46.Sg5+! hxg5 47.Dh3+ Kg8 48.De6+ Kf8 49.Dc8+ Ke7 50.Dc7+=]

 

38. Kg3! [Ein genauer prophylaktischer Zug, wobei ein entscheidendes Schachgebot vermieden wird. ]

 

38..g5? [Ein schlimmer Fehler. Absolut zutreffend schlug Dr. Siegbert Tarrasch vor, ein Remis mittels 38…a3! 39.g5 hxg5 (39…Rh7= HPG 40.Dxf7 hxg5 41.Dg6+ Rg8 42.h6 Df4+ 43.Rg2 Dg4+ 44.Rh2 Df4+=) 40.Cxg5 Dg1+=  oder auch 38…Dc3 39.g5 Dc6= zu erreichen.]

 

39. hxg6+– fxg6

 

 

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40. Dd8+?! [Es scheint, dass Weiss sich schon wie folgt durchsetzen kann: 40.g5!+– h5 41.Df6 Dc2 (41…h4+ 42.Sxh4 Da3+ 43.Kg4 Df8 44.Dxg6+ Dg7 (44…Kh8 45.Dc2+–) 45.Db1 De7 46.f4+–) 42.Sh4+– etc.]

 

40…Kf7 [Tarrasch analysierte den gewinnbringenden Weg mit 42.Sxg5+ Kg7 43.Df6++–

Wenn 40…Kh7 (HPG), dann würde die weisse Seite wie folgt gewinnen: 41.g5! hxg5 (41…h5 42.Df8 h4+ 43.Kg4 Db1 44.Df7+ Kh8 45.Sxh4 Dg1+ 46.Kf3 Dd1+ 47.Kg3 Dg1+ 48.Sg2+ etc.]

 

41. g5 h5 42.Dd7+? [Ein ernsthafter Fehler. Man hätte mit 42.Df6+ Ke8 43.Dxg6+ etc. fortsetzen sollen.]

 

42…Kf8 43.Dxa4 h4+? [Richtig ist die von Dr. Tarrasch empfohlene Variante: 43…Db1! 44.Dd7 Df5! Und wenn: 45.Dxc7 Dg4+ 46.Kh2 Dxf3 47.Dd8+ Kg7 48.Df6+ Dxf6 49.gxf6+ Kf7 50.f4 Kf8= etc.]

 

44. Kg4 Dh1? [Man hätte hier eine defensive Absicht in Betraacht ziehen sollen: 44…Se8!?=]

 

45. Dd7 [Besser ist, mit 45.Dc2 fortzusetzen!]

 

45…Dg2+ 46.Kf4 Se8? [Schwarz hätte mehr Widerstand leisten können mit: 46…Dh3! 47.Dd6+ Ke8 48.Dc6+ Kf8 49.Dc2 Df5+ 50.Dxf5+ gxf5 51.Sxh4± lt. Dr.Tarrasch]

 

47. Dxe6 Dxf2 48.Dxg6 Dg3+ [Auch hätte Schwarz der Zug 48…Cg7 geholfen und wenn: 49.Dd6+ Ke8 50.Dxd5+– etc.]

 

49. Ke3 Dg4 50.e6 Sd6

 

51. Df6+ Ke8 [So wird ie Niederlage beschleunigt, aber Schwarz hätte auch mit 51…Kg8 52.e7 De4+ 53.Kf2 Dc2+ 54.Kf1 Dd3+ 55.Kg1 h3 56.De6+ Kg7 57.Dh6+ Kg8 58.Df8+ Kh7 59.Kh2+– etc. verloren.]

 

52. Dh8+ Ke7

 

53. Dg7+! [Schwarz gibt auf. Wenn 53…Kxe6 54.Df6+ Kd7     55.Se5+ gewinnt Weiss.]  1–0

 

Endstellung:

 

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Trotz der Fehler von Schwarz gegen Ende der Partie, kommentierte Dr. Siegbert Tarrasch in seinem Turnierbuch: “Die zweite Hälfte der Partie ist von Dr .Lasker ausgezeichnet gespielt worden.“

 

 

Zum Nachspielen:

 

http://www.chessgames.com/perl/chessgame?gid=1036457

 

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Fuente: endgame.nl

 

Sitges (Barcelona), im Oktober 2013

2 Gedanken zu „LANDESAUSSTELLUNG NÜRNBERG 1896

  1. Frank Mayer Beitragsautor

    Meister Kiffing schreibt hierzu:

    AW: Schach und Kultur – Sammelthread

    Es war bekannt, daß Siegbert Tarrasch hartnäckig Laskers Siege auf „Glück“ schob, eine Komponente, die es im Schach eigentlich nicht gibt. Es gibt auch keine „Meerschweinchen-Eröffnung = mehr Schwein) . Das lag an dem Schachhistoriker Elmar Bruns aber neben der Rivalität der beiden Meister daran, daß Tarrasch das Spiel von Lasker überhaupt nicht verstand. Bruns argumentiert so, daß die Modernen erst einmal alle Hände voll zu tun gehabt hatten, die systematisch-wissenschaftlichen Neuerungen von Steinitz zu verarbeiten und anzuwenden. Lasker dagegen war schon einen Schritt weiter. Während bei Tarrasch der Gegner nicht vorgesehen war, berücksichtigte Lasker diesen als ersten und suchte demzufolge nicht nur nach dem objektiv stärksten, sondern auch nach dem psychologisch unangenehmsten Zug. Das wurde z. B. in der 8. Matchpartie gegen Tarrasch in der WM 1908 in Düsseldorf deutlich. Ein Michail Tal hatte später dieses psychologische Erbe Laskers fortgesetzt, aber auch bei anderen großen Meistern gehörte das fortan zum Rüstzeug, wenngleich nicht ganz so offensichtlich. Dürfte Dich interessieren: http://www.schachburg.de/threads/102…acheiden-schuf

    Ansonsten hast Du Dir mit Deinem Bericht über Nürnberg 1896 eine schachlich interessante Epoche ausgesucht. Vielen Dank dafür. Es war das Zeitalter der Pentarchie, in der neben dem Weltmeister Lasker noch der „alternde Löwe“ Steinitz, Tarrasch, Tschigorin und der junge Himmelsstürmer Pillsbury Anspruch auf den Thron untermauerten. Es war wirklich jammerschade, was in diesen Zeiten mit Pillsbury geschehen ist. Kasparov nannte das „eine amerikanische Tragödie“. Sonst hätte Pillsbury allerbeste Chancen auf den Schachthron gehabt und hätte uns dadurch viele Elemente in seinem atemberaubenden Stil näherbringen können, die uns heute nicht mehr so geläufig sind. Es bleibt eben dabei: um das Schach wirklich beeinflussen zu können, dafür dient der WM-Titel als idealer Transmissor.

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