Schach mit Pfeife

                       

 

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 Foto: helana-Pfisterer.com

 

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 Foto: colourbox.de                        

Die nachfolgende hübsche kleine Geschichte hatte Theo Schuster  (* 1911  + 1998) in seiner Stuttgarter Schachecke ausgegraben: 

Frank Marshall,

 

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1900

Foto: edochess.de

einst ein leuchtender Stern am amerikanischen Schachhimmel, war ein humorbegabter Schachmeister. Die nachfolgende berühmt gewordene Kurzpartie gegen Englands Matador Amos Burn

 

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Foto: Wikipedia.org

versah er seinerzeit mit folgenden Anmerkungen: 

Marshall – Burn (Paris 1900) 

1. d4 d5  2. c4 e6  3. Sc3 Sf6  4. Lg5 Le7. Burn, ein leidenschaftlicher Raucher, nahm seine Pfeife hervor und suchte den Pfeifenstopfer. 

5. e3 0-0  6. Sf3 b6  7. Ld3 Lb7  8. cd5: ed5:. Er begann die Pfeife zu füllen. Ich beschleunigte das Tempo meiner Züge. 

9. Lf6: Lf6:  10. h4. auf diesen Zug hin mußte nachgedacht werden! Die Pfeife wurde inzwischen vergessen… Die Drohung 11.Lh7:+ gefolgt von Sg5+ stammte von dem genialen Pillsbury. 

10. … g6  11. h5 Te8  12.hg6: hg6: Nun suchte er nach seinen Streichhölzern. 

13.Dc2 Lg7  14 . Lg6:! fg6:. Hier strich er eines an … verbrannte sich dabei die Finger … und das Streichholz ging aus. 

15.Dg6: Sd7. Ein anderes wurde probiert! 

16.Sg5 Df6. Endlich kriegt er den Tabak in Brand. 

17. Th8+! Schwarz gab auf. 

 

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Endstellung

Armer Burn! Die Partie hätte wahrscheinlich einen anderen Verlauf genommen, wenn er früher mit seiner Pfeife klar gekommen wäre. Er nahm es aber mit gutem Humor auf und schüttelte mir die Hand. Dann ging seine Pfeife aus:

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Zeichnung: akfoerster.de

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Quelle: Schachwoche.ch

Sitges (Barcelona), im Februar 2014

Ein Gedanke zu „Schach mit Pfeife

  1. Frank Mayer Beitragsautor

    Eine sehr schöne Geschichte. Vielen Dank!

    Passend zum Thema ist eine Anekdote über Fritz Sämisch, die ich in einem Schach-Kalender gelesen habe. Leider habe ich ihn nicht zur Hand und kann deshalb nicht für die Korrektheit meiner Wiedergabe bürgen.

    Sämisch war sowohl als Kettenraucher berüchtigt, als auch dafür, dass er – oblgleich ein starker Blitz-Spieler – in seinen klassischen Partien häufig in Zeitnot geriet und deshalb verlor, weil er über einer komplizierten Stellung grübelnd die Zeit vergaß.

    Die folgende Begebenheit soll sich in einer Partie gegen Alberic O’Kelly de Galway zugetragen haben: Sämisch ist am Zug und vertieft sich sehr lange tief über das Brett gebeugt in die Stellung, im Mund die obligatorische Zigarette. Ganz versunken vergisst er, die Asche abzustreifen, sondern zieht immer weiter am Glimmstengel, bis die Glut schließlich mitten aufs Brett fällt und beginnt, ins Holz zu brennen. Sämisch bemerkt von alledem nichts, aber O’Kelly überlegt fieberhaft, wie er die Situation klären kann. Schließlich hat er die rettende Idee: Er nimmt einen bereits geschlagenen Turm und stampft die Glut aus. Erst jetzt wacht Sämisch auf und schaut ihn entgeistert an: „He, das ist ein illegaler Zug, und überhaupt war ich dran…“.

    Gruß,
    Guido

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