Benjamin Franklin, sein Leben und das Schach

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Franklin-Porträt von Joseph-Siffred Duplessis (Ölgemälde, um 1785). Das Bild diente 1995 als Vorlage zur Darstellung Franklins auf der neugestalteten 100-US-Dollar-Banknote.

 

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Das Schachspiel war besonders wichtig für Benjamin Franklin

(* 1706 + 1790) , und er verglich sein Geschäftsleben und die Diplomatie mit diesem Spiel. In seinem Essay über die Moral des Schachs (1779) schrieb Fanklin: „Das Leben ist eine Art von Schach, in der wir oft Punkte gewinnen und Gegner oder Feinde bekämpfen . . . . Das Spiel ist so voll von Ereignissen,  dass man sich selbst auffordert , die Partie bis zum letzten Zug in der Hoffnung auf einen Sieg dank der eigenen Fähigkeiten zu spielen.“

 

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Als einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten beteiligte er sich am Entwurf der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten und war einer ihrer Unterzeichner 1776; der Vertrag von Paris 1783, die Verfassung der Vereinigten Staaten 1787.

Zusätzlich handelte er einen Freundschaftsvertrag mit Frankreich 1778 aus, der Frankreichs Finanzsystem sicherte und eine militärische Unterstützung gewährleistete ohne diese wichtige Klausel die amerikanische Revolution sicherlich gescheitert wäre.

 

Während er in einem Vorort von Paris in den Jahren 1776-1785 lebte, war Franklin der Repräsentant der amerikanischen Revolution nicht nur gegenüber dem französichen Hof sondern für die ganze Welt. Häufig suchte er die Gesellschaft von Freunden, Spionen und Staatsmännern.  Franklins anhaltende Popularität bei den Franzosen garantierten seinen größten diplomatischen Sieg , den Vertrag von Paris 1783, der damit offiziell den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg mit Großbritannien beendete.

Es war während dieser Zeit in Paris als Franklin wahrscheinlich den fehlenden Tisch kaufte,  an dem er seine Amtspflichten diskutierte  und seine Leidenschaft für das Schach entwickelte. Dieser Tisch wurde Zeuge einiger heiklen diplomatischen Momente der amerikanischen Geschichte.

 

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Benjamin Franklin spielt gegen Lady Howe (1774)

 

 

Franklin brachte wahrscheinlich seinen „Schach“-Tisch wieder nach Philadelphia, als er von Paris im Jahre 1785  zurückreiste und auch  Schachfiguren aus Obstbaumholz, die wahrscheinlich zwischen 1750 und 1780 in Frankreich hergestellt wurden. Duane Morris, ein Mitglied der American Philosophical Society und Franklins Nachfolger, präsentierte die Schachfiguren, mit einem aus dem 19. Jahrhundert stammenden englischen Schachbrett (nicht Franklin zuzuschreiben) am 28. Dezember 1876 der Gesellschaft.

 

Wir vermuten, dass das nachstehende Foto einen Nachbau „seines Arbeits- und Schachspiel-Tisches zeigt:

 

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Foto phillytodg.blogspot.com

ein Replikat „seiner“ Figuren:

 

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Um die Bedeutung des Schachs in Benjamin Franklins Leben zu zeigen, gibt es eine große Anzahl von Anekdoten über Franklin und das Schach, allerdings die meisten von ihnen sicher apokryph (unwahrscheinlich).

 

Doch zwei der amüsantesten Geschichten sind dokumentiert:

Eines Abends spielte Franklin eine Schachpartie nach der anderen bis spät in die Nacht in Paris mit Madame de Jouy Brillon (1744-1812), einer viel jüngeren Frau, mit der er eine enge Freundschaft pflegte,  während sie in der Badewanne lag . Franklin schrieb ihr danach : als ich nach Hause zurückkehrte , war ich erstaunt, dass es fast 11 Uhr morgens war.  Weil wir so übermäßig in das Schachspiel vertieft waren und alles andere vergassen, befürchte ich, dass ich Ihnen einen Nachteil dadurch verursachte, weil ich Sie so lange in der Badewanne aufhielt. Sagen Sie mir, meine liebste Freundin, wie Sie sich heute morgen fühlen. Nie mehr werde ich damit einverstanden sein, in Ihrem Badezimmer  mit einer Schachpartie zu beginnen. Können Sie mir diese Indiskretion verzeihen?“

 

(Kommentar: wir vermuten, dass sich die Schachpartner  zwischendurch auch anderen Tätigkeiten widmeten, die sich im Liebesbereich befinden. Auch musste sicher immer wieder die Badewanne mit heissem Wasser aufgefüllt werden.)

Thomas Jefferson (1743-1826) erinnnert an diesen Persönlichkeitswandel, die Franklin in Paris erfuhr : „Als Dr. Franklin nach Frankreich auf seine revolutionäre Mission ging, machten ihn seine Würde als Philosoph, seine ehrwürdige Erscheinung und die Aufgabe, für die er entsandt wurde, sehr beliebt. Für alle Gesellschaftsschichten und Bedingungen der dortigen Menschen wurde er herzlich im amerikanischen Interesse angesehen. Er wurde daher fürstlich bewirtet und zu allen Festlichkeiten am Hofe eingeladen. Bei diesen Gelegenheiten traf er manchmal die schon ältere Herzogin von Bourbon, die eine Schachspielerin auf fast gleichem Niveau war, so dass sie oft zusammen spielten.

 

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Benjamin Franklin spielt mit der Herzogin von Bourbon

 

Bild: ebooks.adelaide.edu.au

 

Es passierte einmal, dass sie ihren König in eine Mattstellung lavierte, die der Doktor auch wahrnahm. „Ach „, sagte sie, „wir nehmen die Könige nicht auf diese Weise.“ Franklin antwortete: „Aber in Amerika machen wir es so! „

Benjamin Franklin mietete sich ein Haus von 1757-1775 in der 36 Craven Street, London (jetzt als The Benjamin Franklin House bekannt und zugängig für interessierte Touristen).

 

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Fotos: plusgoogle.com

Es ist nun das einzige Haus, in dem Franklin lebte und noch existiert. Sein Elternhaus in Boston

 

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und das Haus, das er für seine Familie in Philadelphia bauen liess, wurden später abgerissen. Aus diesem Grund sind nur einige Erinnerungstücke bekannt geworden, die Franklin gehört haben. Diese sind besonders wichtig, um die Persönlichkeit und seine Welt zu verstehen. Die Tatsache ist, dass ein Tisch mit einem Schachspiel gefunden wurde, der dokumentiert, dass  Franklin mit dem Schachspiel eng verbunden war.

Dieser Tisch trägt nicht seinen Namen, wie aus dem nach seinem Ableben aufgestellten Inventar hervorgeht. Es gibt sechs aufgeführte Tische, in der Regel aus Mahagoni. Ein Eintrag zitiert:

“ Chair & Table“ ohne zu erwähnen aus welchem Holz, und weist einen Gesamtwert von ₤ 3 aus . Der Wert an jedem anderen Tisch liegt zwischen 2 und ₤ 4; sicher zu einem unterbewerteten Preis. Wahrscheinlich befindet sich unter diesen Möblen der „französische Schachtisch“ .

Dieser Tisch ging in den Besitz der folgenden Generationen. Schliesslich wurde er verkauft mit vielen anderen „Familienreliquien “ von dem Auktionshaus Stan V. Henkels und Sohn, am 16. Juni, 1924.

Hinweise :
Der Tisch wurde bei der letzten Leihgabe der Philadelphia Antiquitäten – Ausstellung im Jahr 1963 gesehen, der durch den letzten bekannten Besitzer Mrs. Benjamin R. Hoffman ( Margaret Clawson ) ausgeliehen war und im Ausstellungskatalog aufgeführt wurde. Es mag sein, dass dieses Erinnerungsstück an die Freeman Auktion in Philadelphia, Pennsylvania im Jahr 1973 verkauft wurde nach dem Ableben von Frau Hoffman.

Anmerkung der amerikanischen Gesellschaft:
Es gibt für uns einige Favoriten, die Schach gespielt haben. Benjamin Franklin ist aber unser Favorit. Er schrieb auch das erste Schachbuch in den USA und rief die Moral des Schachs auf den Plan.

Überall, wo er hinging nahm er ein Schachbrett mit. Alle seine Gedanken beugten sich über ein Schachbrett.

 

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Quelle: American Philosophical Society, Philadelphia

 

Zusatz:

Neben seiner Fähigkeiten als Diplomat und Schachspieler, war sein Leben in hohem Masse von dem Willen geprägt, das Gemeinwesen zu fördern. Er gründete die ersten Freiwilligen Feuerwehren in Philadelphia sowie die erste Leihbibliothek Amerikas und konstruierte einen besonders effektiven und raucharmen Holzofen. Auch machte er wissenschaftliche Entdeckungen, unter anderem erfand er – neben anderen – den Blitzableiter.

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Sitges (Barcelona), im Mai 2014

2 Gedanken zu „Benjamin Franklin, sein Leben und das Schach

  1. Elke Rehder

    Herzlichen Dank für diese gute Zusammenstellung von Text und Bildern. Benjamin Franklins philosophische Betrachtung über das Schachspiel (The morals of chess) ist zeitlos. Es geht um die Fairness im Schachsport. Franklins grundsätzliche Gedanken sollten sich in jeder Satzung von Schachverbänden und Vereinen wiederfinden. Gut, dass Sie mit Ihrem Artikel an die Fairness in Sport und Spiel erinnert haben.
    Elke Rehder

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  2. Frank Mayer Beitragsautor

    schach.com:
    Benjamin Franklin, einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten liebte das Schachspiel und es gibt zahlreiche Anekdoten in Verbindung mit seiner Leidenschaft für die 64 Felder. Als Schriftsteller philosophierte und schrieb er selbst über die Parallelen des menschlichen Lebens zum Schachspiel.

    Antworten

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