Ein Damenopfer für die Ewigkeit

 

 

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Zürich 1953

Foto: endgame.nl

 

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Nachdem Weltmeister Alexander Aljechin 1946 gestorben war, beschloss die FIDE 1947 auf ihrem Kongress in Den Haag, ein Schachturnier mit sechs Teilnehmern zu veranstalten, um den neuen Weltmeister zu ermitteln. Michail Botwinnik, Max Euwe, Wassili Smyslow, Samuel Reshevsky und Paul Keres wurden auf dem Kongress ausgewählt. Der ebenfalls eingeladene Reuben Fine verzichtete auf die Teilnahme, und es blieb bei diesen fünf Kandidaten.

Das Weltmeisterschaftsturnier begann 1948, und danach wurde ein Turnier-System entwickelt um zu bestimmen, wer das Recht hatte, sich dem aktuellen Weltmeister zu stellen. Dieser Zyklus begann 1949 und dauerte 4 Jahre.

Das Turnier 1953 in Zürich war das erste Kandidaten-Turnier mit diesem System.

Das hohe Niveau der beteiligten Spieler war beeindruckend, so dass dieses Turnier als eines der stärksten in die Schachgeschichte einging.

Verschiedene von ihnen wurden später Weltmeister.

Außer Samuel Reshevsky (4º), der die amerikanische Staatsbürgerschaft hatte, und Miguel Najdorf (7º) aus Argentinien, waren die andern alle sowjetische Spieler:

Wassili Smyslov (1º), David Bronstein (2º), Paul Keres (3º), Tigran Petrosjan (5º), Efim Geller (6º), Alexander Kotov (8º), Mark Taimanov (9º), Yuri Averbach (10º) und Isaak Boleslawski (11º).

 

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Smyslov, Reshevsky, Keres und Bronstein in Zürich 1953
Foto: endgame.nl

 

 

Das Turnier gewann Smyslov und somit erhielt er das Recht, gegen Botwinnik um die Weltmeisterschaft zu spielen. Die Begegnung wurde auf 12 Punkte festgelegt und endete unentschieden, so dass Botwinnik gemäß den geltenden Normen seinen Weltmeister-Titel behielt.

Von den gespielten Partien ragt eine für die Ewigkeit heraus mit einem spektakulären Damenopfer seitens Alexander Kotow, das den weißen König zwang, seine “Festung” zu verlassen und die Aufgabe nach weiteren 21 Zügen zu akzeptieren.

 

 

Y. Averbach (URSS) – A. Kotow (URSS)

 

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  • Yuri Averbach ist ein russischer Großmeister und Kandidat zur Weltmeisterschaftskrone, internationaler Schiedsrichter und Kompostionsrichter. Bekannt durch seine Endspielbücher. Außerdem ist er Schach-Dekan.
  • Geburtsdatum : 8. Februar  1922 (Alter: 92), Kaluga, Russland

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Aleksandr Aleksándrovich Kótov  (geboren in Tula, Russland am 12. August 1913, gestorben am 8. Januar 1981) war ein sowjetischer Schachspieler.

Seine Familie gehörte zur Arbeiterklasse. Wenig weiß man von seiner Kindheit und seiner schachlichen Jugendzeit. Er studierte und wurde Ingenieur. Im Jahre 1939 zog er nach Moskau, wo er seinen ständigen Wohnsitz hatte.

 

 

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Kommentiert von dem NM Hebert Pérez García aus Holland:

 

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Königsindische Verteidigung (A55) Kandidaten-Turnier (14.) Zürich am  23.9.1953:

 

1. d4 Sf6 2.c4 d6 3.Sf3 Sbd7 4.Sc3 e5 5.e4 Le7 6.Le2 0–0 7.0–0 c6 8.Dc2 Te8 9.Td1 Lf8 10.Tb1 a5 11.d5 Sc5 12.Le3 Dc7 13.h3 Ld7 14.Tbc1 g6 15.Sd2 Tab8 16.Sb3 Sxb3 17.Dxb3 c5 18.Kh2 Kh8 19.Dc2 Sg8 20.Lg4 Sh6 21.Lxd7 Dxd7 22.Dd2 Sg8 23.g4 f5!? (Weiß hat zwei Vorteile: einen besseren Läufer – denn der schwarze Läufer auf f8 wird von seinen Bauern behindert – und mehr Raum; aber Kotov sieht, dass der weiße König weniger geschützt ist als seiner) 24.f3 Le7 25.Tg1 Tf8 26.Tcf1 Tf7!? (Schwarz hätte eine solide Stellung nach [26…f4], aber Kotov riskiert weiter)] 27.gxf5 gxf5 28.Tg2? (Awerbach musste eigentlich verstehen, dass es der Augenblick war, das Zentrum zu öffnen, um seinen besseren Läufer und die Kontrolle von e4, sei es nun mit [28.exf5 oder mit; 28.f4! )] 28…f4! 29.Lf2 Tf6! 30.Se2

 

Kandidatenturnier-Zurich-1953_2-6

 

(Gesegneter Fehler, der zu einer der brillantesten Kombinationen in der Schachgeschichte führt; richtig war 30.Tg4 )  30…Dxh3+!!

 

Gemäß EGM Rudolf Teschner: Als Kotow diesen Zug ausführte, ging ein starkes Raunen durch die anwesenden Zuschauer.


 

31.Kxh3 Th6+ 32.Kg4 Sf6+ 33.Kf5 Sd7 (macht den Platz frei für den anderen Turm) 34.Tg5 Tf8+ 35.Kg4 Sf6+ 36.Kf5 Sg8+ 37.Kg4 Sf6+ 38.Kf5 Sxd5+ 39.Kg4 Sf6+ 40.Kf5 Sg8+ 41.Kg4 Sf6+ 42.Kf5 Sg8+ 43.Kg4 (nach einigen Zweifeln versteht Kotow, das der weiße König dem Tode geweiht ist, wenn auch langsam.) 43…Lxg5 44.Kxg5 Tf7! 45.Lh4 Tg6+ 46.Kh5 Tfg7! (droht matt auf h6) 47.Lg5 Txg5+ 48.Kh4 Sf6 (matt auf h5) 49.Sg3 Txg3 50.Dxd6 T3g6 51.Db8+ Tg8 ,

 

Kandidatenturnier-Zurich-1953_2-7

 

und Averbach gab auf: 0–1

 

Partie zum  Nachspielen:

http://www.chessgames.com/perl/chessgame?gid=1084375

 

Abschlusstabelle

 

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Zum Vergrössern bitte draufklicken

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Quellen: chess.com – chessgames – Wikipedia org

Sitges (Barcelona),   im September 2014

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